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700 Jahre alte Schrift und Malerei freigelegt

Bei der Sanierung der Hirschfelder Vorkirche wird ein tiefer Blick in die Historie möglich. Noch aber rätseln die Fachleute.

Bauten-Forscher Wieland Menzel, Teresa May vom Baubüro, Torsten Nimoth vom Landesamt für Denkmalpflege und Pfarrer Martin Wappler (von links) bei der Bauberatung in der Vorkirche der Hirschfelder Kirche.
Bauten-Forscher Wieland Menzel, Teresa May vom Baubüro, Torsten Nimoth vom Landesamt für Denkmalpflege und Pfarrer Martin Wappler (von links) bei der Bauberatung in der Vorkirche der Hirschfelder Kirche. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Rätsel über Rätsel gibt jetzt die Vorkirche der evangelischen St. Peter & Paulkirche an der B99 in Hirschfelde auf. Was mag wohl auf der schätzungsweise 700 Jahre alten schön geschwungenen Handschrift an der Wand stehen? Noch können es die Fachleute nicht sagen, obwohl die Schrift stellenweise gut lesbar ist.

Sie ist jetzt bei den Sanierungsarbeiten der Vorkirche genauso zum Vorschein gekommen, wie manch andere viele Jahrhunderte alten Details des Kirchenanbaues. "Wir mussten an der Vorkirche unbedingt etwas machen. Hier finden christliche und weltliche Bestattungsfeiern statt und der Zustand des Raumes war dem nicht mehr würdig", sagt Pfarrer Martin Wappler.

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Diese 700 Jahre alte Schrift an einer Wand der Hirschfelder Vorkirche wollen Fachleute nun entschlüsseln.
Diese 700 Jahre alte Schrift an einer Wand der Hirschfelder Vorkirche wollen Fachleute nun entschlüsseln. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
700 Jahre alte Wandmalereien und Wappenschilder sind wieder zum Vorschein gekommen. Sie werden nach der Sanierung restauriert. Auch die Fenster werden mit ihrem alten Glas erneuert.
700 Jahre alte Wandmalereien und Wappenschilder sind wieder zum Vorschein gekommen. Sie werden nach der Sanierung restauriert. Auch die Fenster werden mit ihrem alten Glas erneuert. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Auch die ursprüngliche Eingangstür zur Vorkirche wurde entdeckt und freigelegt.
Auch die ursprüngliche Eingangstür zur Vorkirche wurde entdeckt und freigelegt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Freigelegt wurde auch wieder diese alte Nische.
Freigelegt wurde auch wieder diese alte Nische. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Gleich mit neu gebaut wird auch der Treppenaufgang zum Heizungskeller unter der Vorkirche. Die Heizungsanlage ist ebenfalls neu.
Gleich mit neu gebaut wird auch der Treppenaufgang zum Heizungskeller unter der Vorkirche. Die Heizungsanlage ist ebenfalls neu. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Dabei war von Anfang an klar, dass sie bei der Sanierung auf etwa 700 Jahre alte Wandmalereien und die Inschrift stoßen werden. Denn als die Vorkirche letztmalig in den 1980er Jahren zumindest etwas renoviert wurde, waren beim Abwaschen der alten Farbschichten die Malereien schon mal zum Vorschein gekommen. Allerdings sind sie damals gleich wieder mit weißer Farbe überstrichen worden. Wohlwissend über deren geschichtlicher Bedeutung hat man dafür aber wenigstens abwaschbare Wasserfarbe verwendet.

Die Malereien und die Inschrift haben darunter in den letzten Jahrzehnten allem Anschein nach nicht gelitten. Fachleute versuchen nun die Schrift zu deuten. Eine Besonderheit ist dabei, dass hier Rötelkreide zum Schreiben benutzt wurde. Und die mineralische rote Kreide hat die Jahrhunderte dennoch gut überstanden.

Auch die Zugehörigkeit der gut erhaltenen Wappen auf beiden Seiten eines Fensters soll erforscht werden. Torsten Nimoth vom Landesamt für Denkmalpflege vermutet, dass es möglich wäre, dass die Wappenschilder von den Stiftern der Kirche, den Johannitern, sein könnten. Die Vorkirche wurde einst auch als Sakristei, Grabkapelle, als Hospital für Lepra-Kranke und ähnliches genutzt.

Die Hirschfelder Kirche mit ihrer Vorkirche.
Die Hirschfelder Kirche mit ihrer Vorkirche. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Aber das ist längst nicht alles, was beim Abwaschen der Wände und dem Entfernen von Putzschichten zum Vorschein kam. In Chroniken wird erwähnt, dass die Vorkirche einst einen anderen Zugang hatte. Wo genau, ist nicht überliefert. Jetzt ist die Tür mit ihrem Türstock aus Sandstein freigelegt. Ebenso, wie an einer Wand eine alte Nische. Wofür die einmal diente, ist ebenso nicht überliefert, schildert Bauten-Forscher Wieland Menzel.

Die Hirschfelder Kirche ist eine der ältesten in der Region. Bereits im 13. Jahrhundert entstand an dieser Stelle eine romanische Kirche. Ende des 13. Jahrhunderts kam dann der Johanniter-Orden nach Zittau und Hirschfelde und stellte bis zur Reformation im 16. Jahrhundert die Pfarrer des Ortes. Nach der Zerstörung im Jahr 1427 durch die Hussiten ist das Gotteshaus wieder aufgebaut und 1494 geweiht worden.

Mit dem Sanieren der Vorkirche sollen nun ebenso die historisch wertvollen Funde dokumentiert, restauriert und öffentlich zugänglich gemacht werden. Wie schön die Vorkirche einmal aussehen könnte, lässt das abgewaschene und sehr gut erhaltene zweijochige Kreuzrippengewölbe bereits erahnen.

Die Vorkirche soll wieder ein würdiger Ort für Bestattungsfeiern sein, aber auch als Radwege- und Winterkirche, für Ausstellungen und von der Kirchgemeinde als Multifunktionsraum genutzt werden. Die Sanierung kann, so Pfarrer Martin Wappler, dank großzügiger Spenden ehemaliger Hirschfelder sowie mit Geldern der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz, der evangelisch-lutherischen Landeskirche, der Kirchgemeinde und Fördermitteln finanziert werden.

Die Malereien und die Inschrift sollen später mit Lasuren und Retuschen restauriert werden. Jetzt steht die Sanierung im Vordergrund. Ein neuer beheizbarer Fußboden ist bereits drin.

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