merken
PLUS Zittau

Ärger wegen einer Maskenbefreiung

Bei einem Bäcker wird eine Frau trotz ärztlichem Attest nicht bedient. Sie hat nicht das erste Mal deswegen ein Problem.

Fast jeder hat sie, eine Mund-Nasen-Maske. Aber einige Menschen sind von der derzeitigen Maskenpflicht wegen Corona aus gesundheitlichen Gründen befreit.
Fast jeder hat sie, eine Mund-Nasen-Maske. Aber einige Menschen sind von der derzeitigen Maskenpflicht wegen Corona aus gesundheitlichen Gründen befreit. © dpa

Wenn Frau Lehmann* Einkaufen geht, erntet sie oft böse Blicke. Die Seifhennersdorferin will lieber nicht mit ihrem richtigen Namen in der Zeitung genannt werden, weil sie Angst hat, sonst womöglich noch mehr Ärger zu bekommen.

Die 56-Jährige hat eine Maskenbefreiung. Die trägt sie auch ständig bei sich. Ausgestellt hat sie ihre Hausärztin. Handschriftlich hat die Ärztin das Rezept ausgefüllt, Unterschrift und Stempel sind darauf. Frau Lehmann hat sich das Rezept extra eingeschweißt, damit es nicht beim ständigen Herausnehmen aus ihrer Tasche unleserlich wird.

Anzeige
Wissen schlägt Krise
Wissen schlägt Krise

Unternehmen in Krisenzeiten erfolgreich managen, Risiken erkennen, notfalls klug umstrukturieren und sanieren: Kurse der Ellipsis GmbH zeigen, wie.

Zum Erklären kommt sie meist gar nicht

"Weil ich ja auch niemanden schaden will, versuche ich schon immer, mehr als notwendig, Abstand zu anderen Menschen zu halten - auch beim Einkaufen", sagt Frau Lehmann.

Dennoch hilft ihr die Maskenbefreiung nicht immer. Unfreundlich ist sie schon in Einkaufsmärkten von Kunden angesprochen worden. Sie solle doch gefälligst, so wie alle, eine Maske aufsetzen. Zum Erklären kommt sie meist nicht, weil man ihr dann schon oftmals nicht mehr zuhört.

Bei einem Einkaufsmarkt hatte sie gleich im ersten Lockdown an der Kasse auch schon einmal deswegen Ärger bekommen. "Die haben sich dann aber im Nachhinein dafür bei mir entschuldigt", erzählt sie.

Jetzt ist es ihr aber bei einem Bäcker in Seifhennersdorf wieder passiert. Die Verkäuferin hatte sie ohne Maske nicht bedient. "Ich wollte ihr mein Attest zeigen und ich war auch ganz allein im Geschäft", erzählt Frau Lehmann. Doch die Verkäuferin wollte das Attest nicht sehen. Sie beharrte vielmehr darauf, dass sie ohne Maske nicht bedient wird.

"Ich bin kein Maskenverweigerer"

"Ich habe schon viele Masken probiert, auch die FFP2-Masken", aber es geht wirklich nicht", sagt Frau Lehmann. Zweimal ist sie bereits deswegen beim Einkaufen umgefallen. Zum Glück war immer ihr Mann dabei.

An die Diskussionen wegen der Maskenbefreiung hat sie sich mittlerweile gewöhnt. Letztendlich konnte sie aber immer auch ohne Maske Einkaufen. Im Kornmarkt-Center in Bautzen hatte das sogar vor Monaten ein Mitarbeiter der Security akzeptiert. So wie jetzt beim Bäcker ist es ihr aber noch nie ergangen.

Ich bin kein Maskenverweigerer oder Querdenker", sagt sie. Sie kann auch die Ängste der Menschen verstehen, wenn sie irgendwo ohne Maske ist. Und sie versteht sogar die Verkäuferin, wenn sie die Anweisung hat, niemanden ohne Maske zu bedienen. "Sie macht auch nur ihren Job", sagt sie. Deshalb hat sie später den Bäcker selbst angerufen, weil der zum Zeitpunkt ihres Einkaufs nicht im Geschäft war. Dass er aber ihr gegenüber kein Einsehen hatte, ärgert sie nun vor allem.

Bäcker will auch seine Mitarbeiter schützen

"Das Problem ist, dass zu viele Maskenbefreiungen als Fake-News im Umlauf sind und dann in den Geschäften vorgezeigt werden," sagt Bäckermeister Jörg Schütze. Seine Mitarbeiterinnen berichten ihm immer wieder, dass in die Filialen Leute ohne Maske kommen. "Ach, die habe ich noch im Auto liegen." Oder: "Ich habe eine Maskenbefreiung", wird dann oft gesagt. Manchmal werden die Verkäuferinnen deswegen sogar beschimpft. "Das Problem ist auch, ich darf von den Kunden ja nicht einmal verlangen, dass sie mir ihre Maskenbefreiung zeigen. Denn das dürfen nur die Behörden oder die Polizei", sagt er.

Um allen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, hat er deshalb zu seinen Mitarbeitern gesagt, dass sie nur Leute mit Mund-Nase-Maske bedienen sollen. "Das ist auch zum Schutz für meine Mitarbeiter vor dem Corona-Virus", sagt er. Denn leider mussten schon einige Corona durchmachen.

So sieht es die Landesärztekammer

Eben wegen der Missbrauchsfälle und Fake-News hat bereits im November 2020 die Sächsische Landesärztekammer die Vorgaben an ein wirksames ärztliches Attest zusammengefasst. Die Kammer beruft sich dabei auf einen Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes Nordrhein-Westfalen vom 24. September 2020. Um zum Beispiel eine sachgerechte Entscheidung über die Befreiung von der sogenannten Maskenpflicht aus medizinischen Gründen zu ermöglichen, muss das ärztliche Attest gewissen Mindestanforderungen genügen.

"Da mithilfe der ärztlichen Bescheinigungen ein rechtlicher Vorteil erreicht werden soll, nämlich die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung von der Maskenpflicht, muss derjenige, dem das Attest vorgelegt wird, aufgrund konkreter und nachvollziehbarer Angaben in ärztlichen Bescheinigungen in die Lage versetzt werden, das Vorliegen der jeweiligen Voraussetzungen selbstständig prüfen zu können", heißt es darin unter anderem. Und: "Neben dem vollständigen Namen und des Geburtsdatums muss sich aus dem Attest deshalb nachvollziehbar ergeben, welche konkret zu benennenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen aufgrund einer Mund-Nasen-Bedeckung zu erwarten sind und woraus diese im Einzelnen resultieren."

*Name geändert.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Mehr zum Thema Zittau