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Alten Zittauer Phänomen aufgemotzt

"Zeitsprung" lässt die traditionsreiche Fahrzeugproduktion und Brauerei der Stadt lebendig werden. Ein 70 Jahre alter Lkw steht wieder da, wo er gebaut wurde.

Zeitsprung-Mitarbeiter Peter Hoyer vor dem frisch lackierten Phänomen Granit 27, der einst in Zittau gebaut wurde.
Zeitsprung-Mitarbeiter Peter Hoyer vor dem frisch lackierten Phänomen Granit 27, der einst in Zittau gebaut wurde. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Sybille ist nicht wiederzuerkennen. Sybille ist ein alter Phänomen aus Zittaus altehrwürdiger Lastkraftwagenproduktion, der gerade auf Initiative von "Zeitsprung" aufwendig flott gemacht wird. "Zeitsprung" ist eine gemeinnützige GmbH in Zittau, die in einem deutsch-polnischen Projekt auf beiden Seiten der Grenze an Zeiten und jeweils einen Ort erinnern will, als Brautraditionen in Zittau und Kowary - dem einstigen Schmiedeberg in Niederschlesien - noch lebendig waren.

Ziel auf deutscher Seite ist es dabei, Zittaus alte Brauerei zu erhalten und wieder öffentlich zugänglich zu machen - zumindest erst einmal die Keller. Und der Phänomen-Oldtimer passt da blendend dazu. Wenn er mit dem Schriftzug "Das edle Zittauer" durch die Lande rollt, ist er eine ideale Werbung für die traditionsreiche Braukunst in Zittau und Kowary. "Wir bauen darauf, dass Männerherzen auf Autos und Bier stehen", hofft Susanne Wolf von Zeitsprung.

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Noch vor ein paar Monaten ist für viele nur schwer vorstellbar gewesen, dass der alte klapprige Phänomen Granit 27 mal zu verschiedenen Anlässen und Veranstaltungen fahren wird und dort das Interesse für Zittaus Brautradition weckt. Jetzt sieht das schon anders aus.

Nach 70 Jahren wieder am Mutterwerk angekommen

Ein Schnappschuss mit Seltenheitswert. Für kurze Zeit stand der fast 70 Jahre alte Phänomen Granit 27 vor dem Zittauer Werk in der Bahnhofstraße, wo er einst gebaut wurde.
Ein Schnappschuss mit Seltenheitswert. Für kurze Zeit stand der fast 70 Jahre alte Phänomen Granit 27 vor dem Zittauer Werk in der Bahnhofstraße, wo er einst gebaut wurde. © privat
Steffen Jahn (rechts) hat mit seinem Team in der Zittauer Lackiererei Jahn am Oldtimer zig Stunden geschliffen, gespachtelt und geschweißt, bis er lackiert werden konnte.
Steffen Jahn (rechts) hat mit seinem Team in der Zittauer Lackiererei Jahn am Oldtimer zig Stunden geschliffen, gespachtelt und geschweißt, bis er lackiert werden konnte. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Von vorn und ...
Von vorn und ... © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
... von der Seite wieder ein Schmuckstück.
... von der Seite wieder ein Schmuckstück. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Reichlich Arbeit gab es an der Karosse.
Reichlich Arbeit gab es an der Karosse. © privat

Sybille ist als Kastenwagen 1953 in Zittau gebaut worden. Die Phänomen-Typen, zu denen der Granit 27 gehört, wurden von den 1930er Jahren bis zum Kriegsende in der Stadt gebaut. Nach einem Bombenangriff und nach 1945 durch das Beschlagnahmen der Maschinen durch die Russen, konnte erst 1950 im Werk gleich neben der Brauerei wieder eine Serienproduktion von Lkw anlaufen.

"Unser Kastenwagen hat noch seinen Originalmotor", schwärmt Zeitsprung-Mitarbeiter Peter Hoyer. Die Maschine bringt zwar nur 50 PS auf die Straße, aber dafür das Flair und die Geräuschkulisse vergangener Jahre.

Mühsame Reparatur-Arbeiten

Ein Blick auf das noch nicht überholte Armaturenbrett.
Ein Blick auf das noch nicht überholte Armaturenbrett. © privat
50 PS hat der Motor nur.
50 PS hat der Motor nur. © privat
Der Benzin-Motor ist wieder einsatzbereit.
Der Benzin-Motor ist wieder einsatzbereit. © privat
Schon damals luftgekühlt.
Schon damals luftgekühlt. © privat

Mühsam und aufwendig ist der Phänomen jetzt in all seine Einzelzeile zerlegt und buchstäblich jedes Teil wieder aufgearbeitet worden. Angefangen vom Motor, dem Fahrwerk, den Bremsen und Achsen bis hin zum Kabelbaum und kleinen Details wurde alles überarbeitet. Und das bei einem Budget von maximal 25.000 Euro für den gesamten Lkw.

Richtig flott sieht so ein Oldtimer aber erst aus, wenn er auch neu lackiert ist. Und das ist er jetzt. In der Zittauer Lackiererei Jahn hatten die Kollegen dafür an der Karosse und etlichen Fahrzeugteilen ganz schön zu schleifen, spachteln und zu schweißen, bevor der Phänomen Granit 27 einen neuen Lack erhalten konnte.

Stolz hatte sich Uta Simon von Zeitsprung ans Steuer gesetzt und bis zur Bahnhofsstraße abschleppen lassen. Da stand der Oldtimer dann für kurze Zeit vor dem Werk, wo er einst vor fast 70 Jahren gebaut wurde. "Das hat uns schon stolz gemacht", sagt sie.

So sah das Fahrzeug einst aus

Als Krankenfahrzeug wurde der jetzt aufgemotzte Phänomen Granit 27 in Zittau 1953 gebaut.
Als Krankenfahrzeug wurde der jetzt aufgemotzte Phänomen Granit 27 in Zittau 1953 gebaut. © privat
So sah es im Kastenwagen einst aus.
So sah es im Kastenwagen einst aus. © privat
Später kam das Fahrzeug mit dieser Lackierung zu DDR-Zeiten auf dem Flughafen in Kamenz zum Einsatz. Und so hatte ihn Zeitsprung auch bekommen.
Später kam das Fahrzeug mit dieser Lackierung zu DDR-Zeiten auf dem Flughafen in Kamenz zum Einsatz. Und so hatte ihn Zeitsprung auch bekommen. © privat

Weiß gespritzt und mit einem rote Kreuz darauf, fuhr der Granit 27 einst in den 1950er Jahren als Krankenwagen durch Zittau. Später war er mit rot-weißen Karos versehen und kam zu DDR-Zeiten auf dem Flugplatz in Kamenz zum Einsatz, bis er dann ausgemustert wurde und vor sich hin rostete.

Nun wird der Kastenwagen weder für den Einsatz als Krankenfahrzeug noch auf einem Flughafen ausgebaut. Neben dem Fahrersitz und einer zwei Leuten Platz bietenden Sitzbank im Fahrerhaus, kommt in den Aufbau noch eine weitere drei Personen-Sitzbank rein. Der andere Platz wird für eine kleine mobile Ausstellung zur Brauereikunst gebraucht.

Und wenn alles klappt, gibt es dank Sybille wieder ein Zittauer Bier. "Unsere Idee ist es, eine kleine Mini-Brau-Anlage mit einzubauen", verrät schon mal das Zeitsprung-Team. Noch aber ist es bis dahin ein weiter Weg. Als nächstes stehen die Sattlerarbeiten im Phänomen an. Und einen kleinen Kompromiss muss sich der Oldtimer gefallen lassen. Zwar funktionieren die klappbaren Winkerkellen am Fahrerhaus wieder, wegen der Verkehrssicherheit müssen dennoch Blinker angebaut werden.

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