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Viel mehr kann man nicht erleben

Die bewegende Geschichte einer Seifhennersdorfer Familie wird zum Bestseller in den Niederlanden und in Deutschland.

Bestseller-Autor Jan Konst las in Seifhennersdorf aus seinem erfolgreichen Buch " Der Wintergarten", das vom Leben einer Seifhennersdorfer Familie von 1871 bis in die Gegenwart berichtet.
Bestseller-Autor Jan Konst las in Seifhennersdorf aus seinem erfolgreichen Buch " Der Wintergarten", das vom Leben einer Seifhennersdorfer Familie von 1871 bis in die Gegenwart berichtet. © Matthias Weber/photoweber.de

Intensiver kann man sich mit der Familie seiner Frau nicht beschäftigen, als es Jan Konst getan hat. Der Lohn ist ein Buch, das zum Bestseller in den Niederlanden und in Deutschland wurde. Der niederländische Literaturwissenschaftler hat die Familie seiner Frau, die einst in Seifhennersdorf und Meißen lebte, vom Kaiserreich bis zur Wiedervereinigung buchstäblich durchforscht. Daraus entstanden ist ein packendes Buch einer eigentlich ganz normalen deutschen Familiengeschichte.

Dabei beschäftigt sich Jan Konst normalerweise an der Freien Universität Berlin mit völlig anderen Themen. Der 58-Jährige ist dort Lehrstuhlinhaber für Niederländische Philologie und Literaturwissenschaft. Seine Publikationen widmen sich der frühmodernen Literatur, den niederländisch-deutschen Literaturbeziehungen und der niederländischen Gegenwartsliteratur.

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Ein Familientreffen im Jahr 1904 mit Emil - dem ehemaligen Bauernsohn aus Seifhennersdorf und seiner Frau Hedwig aus Meißen.
Ein Familientreffen im Jahr 1904 mit Emil - dem ehemaligen Bauernsohn aus Seifhennersdorf und seiner Frau Hedwig aus Meißen. © autor

Aber bei der Familien-Geschichte seiner Frau konnte er gar nicht anders, als sie zu Papier zu bringen. "Vier Schränke voller Material, mit Fotos, Korrespondenzen und Tagebüchern ab 1871 fand ich so spannend, das reizte mich einfach, ein Buch darüber zu schreiben", sagt er. Sieben bis acht Monate hat der Literaturwissenschaftler allein mit dem Lesen und ordnen des Materials verbracht. Vieles hat ihm zudem noch seine Frau erzählt und ihm auch beim Lesen der altdeutschen Handschriften geholfen.

Die Familie kam einst aus einfachen Verhältnissen, arbeitet sich ein wenig hoch und stand 1945 wieder mit nichts da. "Die Oma meiner Frau, Hilde Grunewald lebte beispielsweise fast 100 Jahre", erzählt er. Von 1902 bis 2001 hat sie die deutsche Geschichte des gesamten 20. Jahrhunderts erlebt.

Die Oma wächst unter Kaiser Wilhelm II. auf und heiratet in der Weimarer Republik. Ihre Kinder kommen in der Zeit des Nationalsozialismus zur Welt. Hilde Grunewald erlebt die Bombennacht in Dresden, den Aufstieg, aber auch den Zusammenbruch der DDR – und schließlich die friedliche Revolution von 1989 und die Wiedervereinigung.

"Ich wollte unbedingt wissen, wie eine ganz normale Familie das alles erlebt hat", schildert Jan Konst. Wenn man sich vorstellt, allein die Oma meiner Frau hat zwei Weltkriege überlebt, wirtschaftliche Krisen, Inflation, russische Besatzung, den Kalten Krieg, den Bau der Mauer und die Wende durchgemacht. "So viel Geschichte hat eine niederländische Familie in dieser Zeit nicht erlebt", berichtet der Autor.

Dank der so umfangreichen Dokumentationen ist das Buch "Der Wintergarten" eine einzigartige Chronik einer ganz normalen Familie über vier Generationen und 150 Jahre deutscher Geschichte geworden. Als Literaturwissenschaftler gelingt es Jan Konst zudem mit historischer Präzision und erzählerischem Geschick den Leser in die Familienzeitreise mitzunehmen.

"Der Wintergarten" ist als Buch 2019 mit 364 Seiten und zig Fotos im Europa Verlag sowie als Taschenbuch im Goldmann Verlag erschienen. Allein die deutsche Fassung gibt es bereits in der siebenten Auflage.

Gern ist Jan Konst jetzt der Einladung des Vereins Traditionshof Bulnheimscher Hof gefolgt und las im Ratssaal des Seifhennersdorfer Rathauses vor einem interessierten Publikum aus seinem Buch. Der Niederländer war nicht das erste Mal an den Schauplätzen seines Buches.

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