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Zittauer Biogärtner und Stadtrat Michael Schostek ist tot

Der 61-Jährige ist am Mittwoch nach kurzer Krankheit gestorben. Die Stadt verliert einen geradlinigen Menschen und streitbaren Kommunalpolitiker.

Der Zittauer Biogärtner und Stadtrat Michael Schostek ist am Mittwoch gestorben.
Der Zittauer Biogärtner und Stadtrat Michael Schostek ist am Mittwoch gestorben. © Matthias Weber

Der Zittauer Wochenmarkt ohne Michael Schostek? Das will man sich überhaupt nicht vorstellen. Wie er da steht in Strickpullover und grüner Latzhose, wie er seinen Kunden voller Leidenschaft den Mund wässrig macht auf diese grandiosen Salatmischungen und Kräutersträuße, auf die außergewöhnlichen Tomatensorten und diese alten stachligen Gurken, die außer seiner Frau und ihm keiner mehr anbaut. Und wie er dabei die deutschen Klassiker zitiert oder auch mal sich selber. Wie er mit spitzer Zunge, Witz und Ironie die große und die kleine Politik aufs Korn nimmt.

Dieses Bild wird jetzt Erinnerung sein. Am Mittwoch ist Michael Schostek nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. "Micha ist nun von uns gegangen", so hat es seine Frau am Abend auf der Facebook-Seite der Biogärtnerei mitgeteilt. Schon Ende September hatte Peggy Schostek über Facebook um Verständnis dafür gebeten, dass die Gärtnerei aufgrund des überraschenden Krankheitsfalls vorerst nur eingeschränkt arbeiten und liefern könne. Die letzten Male hatte Michael Schostek nicht mehr selbst an seinem Marktstand gestanden. Er wurde nur 61 Jahre alt.

Als erste Zittauer Gärtnerei produzieren Peggy und Michael Schostek schon seit 2010 Gemüse, Kräuter und Pflanzen nach den Richtlinien des Bioanbaus. Nachhaltigkeit und ein ökologisches Umweltbewusstsein - aber ohne übertriebenen Aktionismus in der großen Politik - seien ihm sehr wichtig, so hat er es immer betont.

Streitbarer Kommunalpolitiker

Mit Michael Schostek verliert Zittau nicht nur einen beliebten Wochenmarkthändler, sondern auch einen streitbaren und unkonventionellen Kommunalpolitiker, einen der auch Ideen und Visionen hatte - wenn auch manchmal unrealistische. Für die Fraktion der Linken saß er seit der Wahl 2019 im Stadtrat und im Sozialausschuss. Er hat sich für Radwege stark gemacht und für mehr Nachhaltigkeit, für die Kultur und die Kulturhauptstadt-Bewerbung, vor allem aber für die großen und kleinen Sorgen der Zittauer auf der Straße. Auf dem Wochenmarkt hat er ihnen zugehört, wusste genau, wie sie reden und was sie denken.

Dabei ist er selber immer bodenständig geblieben. Manchmal kam er gleich in seinen Arbeitshosen direkt aus dem Gewächshaus in die Stadtratssitzungen, wenn die Zeit nicht mehr zum Umziehen gereicht hat. "Es geht ein geradliniger Mensch, ein Freund, ein Wegbegleiter", so schreibt der Linken-Fraktionsvorsitzende Jens Hentschel Thöricht.

Ab und zu hat Michael Schostek auch Schlagzeilen in der Zeitung geschrieben. Zuletzt erst vor wenigen Wochen, als ihm ein Strafbefehl vom Zittauer Amtsgericht ins Haus geflattert war, weil er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft verbotene Versammlungen abgehalten haben soll. Schostek fand das lächerlich. Er hatte an sechs Samstagen im Sommer und Herbst letzten Jahres vor dem Herkulesbrunnen auf der Zittauer Neustadt Kabarett gespielt - im Anschluss an die zu dieser Zeit dort regelmäßig stattgefundenen Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen.

"Kopfsalat" hatte er sein Ein-Personen-Theater genannt, in dem er mit Schürze, Strohhut und Rechen auftrat und die seiner Meinung nach übertriebenen Corona-Maßnahmen genauso aufs Korn nahm wie die Zittauer Stadtpolitik. Auch in seiner Kritik war Michael Schostek immer ehrlich und geradlinig - eben auch ein sehr besonderer Mensch.

Im Internet ist eine Spendenaktion zur Unterstützung der Familie gestartet.

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