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Riesiger Schaden nach Brand auf Dreiseitenhof

Die große Scheune des Denkmal-Ensembles in Saalendorf ist eine Ruine. Viel Wertvolles ist hin. Die Schwestern, die hier leben, wollen trotzdem nicht verzweifeln.

Heidi Melde und Rita Held stehen vor den Trümmern der angebrannten Scheune ihres historischen Dreiseitenhofs in Saalendorf im Zittauer Gebirge.
Heidi Melde und Rita Held stehen vor den Trümmern der angebrannten Scheune ihres historischen Dreiseitenhofs in Saalendorf im Zittauer Gebirge. © Matthias Weber/photoweber.de

Der Anblick macht immer noch fassungslos: Verkohlte Balken, die fast grotesk in den Himmel ragen. Die Umrisse eines Autos, die in einem Berg aus Schutt und Asche zu erkennen sind. Die Reste eines historischen Traktors, der mal Vaters ganzer Stolz war. Das rot-weiße Absperrband der Polizei, das am Giebel entlang im Wind flattert. Der Giebel, der noch steht und nun einzustürzen droht.

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Heidi Melde und Rita Held stehen vor diesem Anblick und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Der Schaden ist sechsstellig. Nur eins wissen die beiden Schwestern, die seit ihrer Kindheit auf diesem schönen, denkmalgeschützten Hof leben: Es muss weitergehen. "Egal, was passiert, man darf nie den Mut verlieren", sagt Heidi Melde leise. "So haben wir das immer gehalten."

Am vorigen Dienstagmittag ist in der großen Scheune des historischen Dreiseitenhofs am Ortsausgang von Saalendorf im Zittauer Gebirge ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Die Untersuchungen zur Brandursache sind zwar noch nicht ganz abgeschlossen, die Ermittler gehen aber von einem technischen Defekt aus. Womöglich am Auto, das Rita Held kurz vor dem Brand in die Garage gefahren hatte. Die mehr als 250 Jahre alte Scheune ist komplett ausgebrannt. Und es ist ein großes Glück, dass es nur die Scheune ist und nicht auch die beiden Wohnhäuser.

Drei Minuten später hätte auch das Wohnhaus gebrannt

"Drei Minuten später, und das Haus meiner Schwester wäre wohl auch nicht mehr zu retten gewesen", sagt Heidi Melde und schluckt. Die Holzverkleidung des Fachwerks und die Fensterrahmen brennen schon, als die Feuerwehr eintrifft. "Meine Schwester war in der Stube, sie hatte sich hingelegt und überhaupt nichts bemerkt", erzählt die Saalendorferin.

Gott sei Dank aber haben Uwe Hahner aus Freiberg und seine Familie an diesem Dienstagmittag gemerkt, was los ist: Die Urlauber vom benachbarten Ferienhof sind nach einem Regenguss gerade auf einem Spaziergang. Als vom Dach der Scheune Dampf aufsteigt, sieht das zuerst so aus, als würde Regenwasser in der Sonne verdampfen. Uwe Hahner macht sogar noch ein Foto, weil es so ein schönes Bild ist - bis die Familie auf einmal sieht: Das ist kein Regenwasser, das da dampft. Sofort wählt Uwe Hahner den Notruf. Eine zweite Familie, die in diesem Moment gerade zu Besuch kommt, holt Rita Held aus dem Haus.

Beim Brand der Scheune eines Dreiseitenhofs im Großschönauer Ortsteil Saalendorf ist am 24. August ein großer Schaden entstanden.
Beim Brand der Scheune eines Dreiseitenhofs im Großschönauer Ortsteil Saalendorf ist am 24. August ein großer Schaden entstanden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

"Wenn die beiden Familien nicht gewesen wären...", Rita Held spricht den Satz nicht zu Ende. "Wir möchten uns ganz, ganz herzlich bei allen bedanken", sagt sie dann. "Bei den beiden Familien, bei den Feuerwehrleuten und bei allen, die uns geholfen haben und immer noch helfen."

Den alten Traktor hatte der Vater der Schwestern zu DDR-Zeiten aufgebaut. Insgesamt ist bei dem Feuer ein Schaden in sechsstelliger Höhe entstanden.
Den alten Traktor hatte der Vater der Schwestern zu DDR-Zeiten aufgebaut. Insgesamt ist bei dem Feuer ein Schaden in sechsstelliger Höhe entstanden. © Matthias Weber/photoweber.de

Die Feuerwehrleute haben Schwerstarbeit geleistet bei diesem Brand. Das lässt sich auch über eine Woche nach dem Brand noch erahnen: Bis weit oben in den Baumkronen sind die Spuren des Feuers zu sehen, die Blumen vor den beiden Wohnhäusern sind verdorrt, die Fenster des Haupthauses an der Hofseite geborsten. Zerfetzte Autoreifen und Propangasflaschen - ein Teil der Scheune war als Schrauberwerkstatt vermietet - machen deutlich, wie gefährlich die Löscharbeiten für die Kameraden waren.

Familie hofft auf Hilfe von der Denkmalpflege

Gerade war der Gutachter von der Versicherung da. Er macht den Schwestern nicht viel Hoffnung. Sie werden wohl auf einem großen Teil des Schadens sitzenbleiben. Am Nachmittag will eine Mitarbeiterin des Landesamts für Denkmalpflege vorbeikommen. "Wir würden die Scheune gerne wieder aufbauen", sagt Heidi Melde. "Aber finanziell werden wir das alleine nicht stemmen können". Vielleicht, hoffen die Schwestern, lässt sich wenigstens der Giebel retten. Vielleicht gibt die Denkmalpflege Geld für eine Notsicherung.

Die Jahreszahl 1769 ist in den sandsteinernen Türstock des Haupthauses eingemeißelt. Die Grundmauern der Scheune stammen auch noch aus dieser Zeit - aus Feldsteinen geschichtet. Heidi Melde muss die Tränen wegblinzeln. Auch wenn sie den Traktor sieht: ein Allgaier, der ganze Stolz vom Vater. "Zu DDR-Zeiten hat er sonst was unternommen, um Ersatzteile zu kriegen", erzählt sie und lächelt bei der Erinnerung. "Wir hatten hier richtig Landwirtschaft auf dem Hof."

Heute gibt es noch ein paar Schafe und Ziegen. Vor allem aber gibt es Feriengäste. Heidi Melde vermietet eine liebevoll hergerichtete Ferienwohnung. Sie hat alle Gäste angerufen und ihnen gesagt, was passiert ist. Aber keiner hat abgesagt. Die Ferienwohnung ist vom Brand verschont geblieben. Und hinterm Haus im idyllischen Garten am Teich ist nichts zu sehen von dem Unglück vor der Haustür. Am Sonnabend wollen Nachbarn und Freunde zu einem Arbeitseinsatz kommen und das Schlimmste beräumen. "Wir werden das schon wieder hinkriegen", sagen Heidi Melde und Rita Held. Nur nicht den Mut verlieren.

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