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Faszinierendes unter Zittaus alter Brauerei

In einem deutsch-polnischen Projekt werden die Keller an der Bahnhofstraße begehbar gemacht. Ein offenes Denkmal soll entstehen.

Doreen Pohl und Peter Hoyer führen durch die Keller der einstigen Zittauer Brauerei.
Doreen Pohl und Peter Hoyer führen durch die Keller der einstigen Zittauer Brauerei. © Matthias Weber/photoweber.de

Noch müssen sich Doreen Pohl, Peter Hoyer und ihre Mitstreiter große Taschenlampen mitnehmen, wenn sie in die altehrwürdigen Keller der einstigen Zittauer Brauerei in der Bahnhofstraße wollen. Aber nicht mehr lange, dann soll es hier wieder elektrisches Licht geben. Die beiden gehören zu "Zeitsprung", einer gemeinnützigen GmbH in Zittau.

Es ist jedes Mal ein Gang in Zittaus Geschichte. Um 1845 wurde hier auf dem Gelände begonnen, Bier zu brauen. Bis zur Wende blieb das so. Jetzt sieht es dort jedoch so aus, als wäre das schon Ewigkeiten her.

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Doreen Pohl an einem der zig Tanks in den Kellern der Zittauer Brauerei. 
Doreen Pohl an einem der zig Tanks in den Kellern der Zittauer Brauerei.  © Matthias Weber/photoweber.de
Imposant sind allein schon die Gänge der drei Keller-Etagen der einstigen Zittauer Brauerei. 
Imposant sind allein schon die Gänge der drei Keller-Etagen der einstigen Zittauer Brauerei.  © Matthias Weber/photoweber.de
Peter Hoyer führt in einen Nebenraum voller Tanks.
Peter Hoyer führt in einen Nebenraum voller Tanks. © Matthias Weber/photoweber.de
Diese Fassade neben einem Eingang zum Brauerei-Keller wird ausgebessert und die Fenster werden neu verglast.
Diese Fassade neben einem Eingang zum Brauerei-Keller wird ausgebessert und die Fenster werden neu verglast. © SZ/Holger Gutte
Die Seitenmauern der Treppe zu diesem Kellereingang müssen in Ordnung gebracht und neue Geländer angebaut werden.
Die Seitenmauern der Treppe zu diesem Kellereingang müssen in Ordnung gebracht und neue Geländer angebaut werden. © SZ/Holger Gutte
Das Dach der Zittauer Brauerei wird gerade geflickt. 
Das Dach der Zittauer Brauerei wird gerade geflickt.  © SZ/Holger Gutte
Die ersten Fenster der Zittauer Brauerei-Villa sind gestrichen und einige neu verglast.
Die ersten Fenster der Zittauer Brauerei-Villa sind gestrichen und einige neu verglast. © privat

"Zeitsprung" will den geschichtsträchtigen Ort erhalten und öffentlich zugänglich machen - zumindest erst einmal die Keller und einen Teil der Villa. Und das schon im nächsten Jahr. Eine Mammut-Aufgabe. Zwei Eingänge führen in den Keller, der sich über drei Etagen etwa zwölf Meter in die Tiefe erstreckt. Für einen Eingang ist bereits ein neues großes Eisentor angefertigt und montiert worden. Ein Gerstenstrauß ziert die Schmiedearbeit.

Unzählige Mengen von Bauschutt und Müll rausgeholt

Am anderen Eingang wird noch fleißig gebaut. Die Seitenmauern an den Treppen müssen in Ordnung gebracht und neue Geländer angebaut werden. Im Moment werden an der Fassade lose Ziegeln erneuert. "Die kaputten Fensterscheiben werden wir hier auch neu verglasen", schildert Doreen Pohl. Für die Besucher soll es künftig einen Ein- und einen Ausgang in den Keller geben.

Unzählige Mengen von Bauschutt und Müll haben sie bereits aus den riesigen Keller-Gewölben und -Gängen geholt. Die weißen Fliesen sind an den Wänden noch erstaunlich gut erhalten. Riesige Tanks stehen aneinandergereiht in den Etagen. Peter Hoyer zeigt auf einige und schätzt, dass sie in den 1920er Jahren eingebaut wurden - also 100 Jahre alt sind.

Etwa 300 Meter sind die Kellergänge insgesamt lang. Viele angrenzende Räume haben sie mit Hilfe von Bundesfreiwilligendienstlern und MAE-Kräften freiräumt. Nicht alles wird aber öffentlich zugänglich sein. Denn in dem riesigen Areal könnte man sonst auch schnell mal den Überblick über die Besucher verlieren.

Alte Brautradition soll wieder lebendig werden

Geld für ihre große Aufgabe bekommt Zeitsprung über eine Interreg-Förderung von der EU. Insgesamt 478.000 Euro fließen von dort in das Polen-Sachsen-Projekt. Mit ihm sollen auf beiden Seiten der deutsch-polnischen Grenze an Zeiten und jeweils einen Ort erinnert werden, als Brautraditionen in Zittau und Kowary - dem einstigen Schmiedeberg in Niederschlesien - noch lebendig waren. Ziel ist es dabei, das polnisch-sächsische Grenzgebiet attraktiver zu machen und den Zugang zu seinen historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten zu verbessern. Der Zittauer Projekt-Teil bekommt dabei mit 300.000 Euro den größten Teil der Fördersumme ab. 

"Zeitsprung" und ihre Partner in Kowary haben konkrete Vorstellungen, was sie in ihren Städten auf die Beine stellen wollen. In Zittau gehört das Restaurieren eines alten Lastkraftwagens aus der Produktion von Phänomen/Robur zum Projekt. Mit dem Lkw, der einst im Nachbargrundstück gebaut wurde, werden die Brautraditionen beider Städte künftig mobil präsentiert.

Außerdem wird der Zugang zu den alten Zittauer Brauerei-Kellern ermöglicht und in der Villa der ehemaligen Zittauer Societätsbrauerei eine Dauerausstellung zur historischen Braukunst eingerichtet.

In der Villa sind bereits die Fenster des künftigen Ausstellungsraumes gestrichen und einige neu verglast worden. Allerdings ist das Dach des Gebäudes undicht. Eine von wahrscheinlich mehreren Arbeiten, die zusätzlich auf "Zeitsprung" zukommen werden. Aber das Dach der Villa wird gerade wieder geflickt.

Öffentliche Konferenz zum Projekt

Bis Juni 2021 läuft das Projekt. "Wir suchen auch noch Utensilien der Brauerei für die Ausstellung auf Leihbasis oder als Geschenk", schildert Peter Hoyer. Auch, wer Anekdoten zu berichten weiß, kann sich gern telefonisch 0152 54588572 oder per E-Mail über [email protected] melden.

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Am 23. September lädt "Zeitsprung" von 10 bis 15.30 Uhr öffentlich zu einer Konferenz innerhalb des Projektes in den Traumpalast nach Mittelherwigsdorf ein. Gemeinsam soll dabei rund um das Thema Braukunst informiert werden. Vorgestellt werden unter anderem auch die Pläne des polnischen Projekt-Partners.

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