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So klappt's auch mit der Impfung

Warum in der Zittauer Wohnanlage "Zum Marsbrunnen" am Montag Partyzelte stehen, alles minutiös geplant ist - und laufen muss wie am Schnürchen.

Julia Lessner impft die 91 jährige Else Drescher aus Bertsdorf.
Die junge Ärztin hilft in ihrer freien Zeit bei mobilen Impfterminen im Landkreis.
Julia Lessner impft die 91 jährige Else Drescher aus Bertsdorf. Die junge Ärztin hilft in ihrer freien Zeit bei mobilen Impfterminen im Landkreis. © Matthias Weber/photoweber.de

Reiner Mönch hat an alles gedacht: Er hat zwei Partyzelte gekauft, den Veranstaltungsraum ausgeräumt, Pfannkuchen besorgt und sogar schnell noch einen großen Schriftzug anfertigen lassen. 36 Leute sind eingeladen. Alles ist perfekt und für den Empfang bereit. Das Hygienekonzept stimmt. Nur eines hat der Chef vom Herzlichen Betreuungsteam in den ganzen Vorbereitungen vergessen: das Fieberthermometer!

Ohne ein Fieberthermometer kann die junge Ärztin nicht anfangen. Julia Lessner, die gerade in der Weiterbildung zur Allgemeinmedizinerin ist, hat sich freiwillig gemeldet für diesen Termin in der Zittauer Wohnanlage "Zum Marsbrunnen". Eines der beiden Partyzelte, die an diesem Montagmittag im Veranstaltungsraum der betreuten Wohnanlage an der Zittauer Brunnenstraße aufgebaut sind, ist jetzt ihr Sprechzimmer.

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Der Ärztin gegenüber hat Else Drescher Platz genommen. Die Bertsdorferin ist 91 Jahre alt, ihre Tochter hat sie hergebracht. Und gleich wird sie ihre Spritze kriegen. Weil da aber vorher ihre Körpertemperatur gemessen werden muss, wartet sie jetzt eben noch geduldig, bis Reiner Mönch das Fieberthermometer besorgt hat.

Viel Andrang beim Corona-Impftermin in der Wohnanlage "Zum Marsbrunnen" in Zittau.
Viel Andrang beim Corona-Impftermin in der Wohnanlage "Zum Marsbrunnen" in Zittau. © Matthias Weber/photoweber.de

An was der Geschäftsführer des Herzlichen Betreuungsteams und die Chefin des dazugehörigen Pflegedienstes nicht alles denken mussten, um diesen zentralen Impftermin für die Bewohner aus dem Betreuten Wohnen und die Patienten ihres Pflegedienstes zu organisieren. "Wir haben beim Landkreis angefragt, ob es nicht mal möglich ist, dass das mobile Impfteam zu uns kommt", erzählt er. Und dann ging alles ganz schnell.

"Wir begrüßen herzlich das mobile Impfteam", steht jetzt in großen roten Buchstaben auf einer Partyzelt-Plane. Dahinter ziehen Marco Schöneich von den Maltestern aus Görlitz und Schwester Katja aus dem Löbauer DRK-Impfzentrum die Spritzen auf. Im Zelt daneben wird Julia Lessner sie verimpfen. 36 Mieter aus dem betreuten Wohnen und Patienten des Pflegedienstes haben zugesagt.

"Wir mussten gar nicht lange fragen", sagt Schwester Annette Leupolt, die Chefin des Pflegedienstes. "Die alten Menschen freuen sich wirklich fast alle sehr, dass sie geimpft werden." Auch Else Drescher freut sich. "Ich lasse mir ja auch immer die Grippeschutzimpfung geben", sagt die 91-Jährige. "Zum Glück bin ich bisher verschont geblieben von Corona."

Schade, dass ihre Tochter mit ihren 70 Jahren noch zu jung für die erste Impf-Kategorie ist. Christine Pfanne hat ihre Mutter hergebracht und ist dankbar, dass sie nicht mit ihr bis ins zentrale Impfzentrum nach Löbau fahren muss. "Ich würde mich gerne gleich mit impfen lassen, wenn ich schon mal hier bin", sagt sie. Aber sie wissen ja, dass das die Richtlinien nicht zulassen.

Und beim Herzlichen Betreuungsteam wird auch streng darauf geachtet: Ausschließlich über 80-Jährige sind zum Impftermin eingeladen. Auch mit 79 hätte da keiner eine Chance. "So will es die Verordnung, und da halten wir uns auch dran", sagt Reiner Mönch, der Chef, der jetzt mit dem Fieberthermometer gekommen ist.

Dann kann es ja losgehen. Else Drescher hat kein Fieber. Also Ärmel hochgekrempelt und vorsichtig rein mit der Nadel in den Oberarm. Tupfer drauf. Pflaster drauf. Fertig. "Drücken Sie mal bitte noch ein paar Minuten fest auf die Einstichstelle", rät die junge Ärztin der alten Frau. Und Else Drescher soll sich auch noch eine Viertelstunde in die Ruhe-Ecke setzen, die extra eingerichtet ist.

Draußen auf dem Flur, der zum Wartebereich umfunktioniert ist, wird es immer voller. Keiner der alten Leute hat den Impftermin abgesagt. Schwester Annette vom Pflegedienst hat auch gut dafür gesorgt, dass alle pünktlich da sind. "Dass wir nicht bis nach Löbau fahren müssen, ist auch für uns eine große Erleichterung", sagt die Leiterin des Pflegedienstes.

Zur Kaffeepause und den Pfannkuchen kommen die Mitarbeiter des Impfteams an diesem Montag nicht. In Hainewalde warten am Nachmittag schon die nächsten Impfwilligen - Patienten des Pflegedienstes Kröber, für die der Pflegedienst ebenfalls extra einen Sammel-Termin organisiert hat. Die Mitarbeiter des Impfteams werden ihre Sachen packen und weiterziehen. Die Partyzelte im Veranstaltungsraum der Seniorenwohnanlage "Zum Marsbrunnen", die von der Zittauer Wohnbaugesellschaft (WBG) betrieben wird, bleiben gleich stehen. In drei Wochen kommen hier ja alle wieder zur zweiten Corona-Schutzimpfung.

Update, 11. März 2021, 16 Uhr: In einer früheren Version des Artikels wurde als Name der Seniorenwohnanlage "Goldener Herbst" genannt. Die Anlage in Zittau heißt aber "Zum Marsbrunnen" und wird von der Zittauer Wohnbaugesellschaft (WBG) betrieben. Das Herzliche Betreuungsteam ist der Sozialträger dieser Seniorenwohnanlage. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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