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Corona: Tonnenweise Müll

Schutzmasken auf Gehwegen, Fast-Food-Verpackungen im Park - für die städtischen Müllsammler in Zittau ist die Pandemie eine Herausforderung.

Torsten Gabriel von der Städtischen Dienstleistungs-GmbH Zittau hat gerade an der Chopinstraße einen Papierkorb geleert.
Torsten Gabriel von der Städtischen Dienstleistungs-GmbH Zittau hat gerade an der Chopinstraße einen Papierkorb geleert. © Matthias Weber/photoweber.de

Jeden Tag macht Torsten Gabriel seine Runde durch Zittau, leert einen Papierkorb nach dem anderen. 200 Kilo Müll sammelt er im Schnitt am Tag ein. Insgesamt gut 51 Tonnen Abfall sind im Vorjahr auf den Papierkorb-Runden zusammengekommen. "Die Menge ist leicht gesunken", berichtet Norbert Faßbender, Bereichsleiter Grünflächen und Bauhof der Städtischen Dienstleistungs-GmbH Zittau (SDG). 2019 sammelten Torsten Gabriel und seine Kollegen noch 52,4 Tonnen Müll aus den Zittauer Papierkörben ein.

Dass die Gesamtmenge leicht gesunken ist, führt Faßbender auf die ausgefallenen Großveranstaltungen zurück. Einen weiteren Grund sieht der SDG-Bereichsleiter in der Zahl der Touristen. Da aufgrund der Corona-Beschränkungen weniger Urlauber in der Stadt weilten, hinterließen sie auch weniger Müll in den Papierkörben.

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Knapp acht Tonnen Abfall mehr als 2019

Die Gesamtbilanz in Sachen Müll ist nicht so positiv. Mehr als 85 Tonnen Müll sammelte die SDG 2020 in Zittau ein. Das sind knapp acht Tonnen Abfall mehr als im Jahr zuvor. Während in den Papierkörben weniger Müll entsorgt wurde, ist die Menge auf der sogenannten Containerplatz-Runde massiv angestiegen. Statt 25,4 Tonnen fielen hier 34,5 Tonnen an, wie Norbert Faßbender erklärt.

Kamen pro Containerplatz-Runde sonst 400 bis 500 Kilo zusammen, sind es jetzt jedes Mal um die 900 Kilo. Nicht immer können die Mitarbeiter diese Menge mit einem Mal aufnehmen, manchmal müssen sie einzelne Strecken auch zweimal abfahren.

Besonders stark ist der Anteil an illegal entsorgten Sperrmüll und Kleidersäcken gestiegen. Da Betreiber die Anzahl der Altkleidercontainer reduziert haben, wird die ausrangierte Kleidung einfach neben den Müllcontainer abgelegt, sagt Faßbender. Werden die Altkleider aus den dafür vorgesehenen Container teilweise wiederverwertet, vernichtet die SDG die eingesammelten Kleidersäcke. "Das ist schade, weil noch gute Kleidung dabei ist", meint der SDG-Bereichsleiter.

Unmengen Fast-Food-Müll im Westpark

Eklig wird es, wenn ganze Säcke mit vollen Windeln entsorgt werden. Zuweilen reißen Müllsammler, die nach nützlichen Dingen suchen, die Säcke auf. Die SDG hat dann die unangenehme Aufgabe, die Windeln wieder einzulesen.

Aufsammeln müssen sie auch viele Schutzmasken, die achtlos weggeworfen werden. Vor allem in der Zittauer Innenstadt sei das ein zunehmendes Problem, sagt Faßbender.

Ein Schwerpunkt der Vermüllung ist der Zittauer Westpark. Weil die Kunden des nahen Fast-Food-Restaurants nicht mehr vor Ort essen dürfen, setzen sie sich in den Westpark und hinterlassen dort die Verpackungen. "Man kann sich vorstellen, wie es dort nach einem sonnigen Wochenende aussieht", sagt Faßbender.

Das Umfeld des Skaterparks in Zittau-Ost ist ein weiterer Müll-Schwerpunkt. Jugendliche haben dort gern gefeiert und ihre Abfälle liegenlassen. Inzwischen sei die Jugend selbst interessiert, die Vermüllung zu verhindern. Momentan lasse sich das noch schwer messen, so Faßbender. Erst im Sommer, wenn sich die Jugendlichen wieder regelmäßig am Skaterpark treffen, werde deutlich, ob es gelingt.

SDG darf nur auf städtischen Flächen Müll einsammeln

Der Müll wird auch oft an abgelegenen Ecken weggeworfen. Den illegalen Müllentsorgern ist dabei egal, ob es sich um eine städtische oder private Fläche handelt. Darin liegt aber ein Problem. Die SDG-Mitarbeiter lesen nur den Abfall von städtischen Flächen auf. "Auf Privatgrundstücken dürfen wir nur im Ausnahmefall aktiv werden", weist Faßbender hin und klärt auf, wann ein solcher Fall bestehe. Dann, wenn der Besitzer nicht tätig wird und das Ordnungsamt eine Ersatzmaßnahme beauftragt. Jedes Jahr muss die SDG auf gut einem Dutzend Privatgrundstücken Müll entfernen. Das ist nur ein kleiner Anteil des auf privaten Flächen illegal entsorgten Abfalls.

"Der Bürger fragt sich zu Recht, warum mancher Müll nicht beräumt wird", sagt Faßbender. Er ist deshalb froh, wenn Jugendliche von "Fridays for Future" in Zittau Müll sammeln. "Die Teilnehmer müssen sich nicht unbedingt um Grundstückseigentümer und dergleichen kümmern."

Während "Fridays for Future" nur gelegentlich Müll sammelt, sind zwei bis drei SDG-Mitarbeiter jeden Tag in der Stadt unterwegs, um Abfall aufzulesen. Viel mehr Müll als jetzt können die eingesetzten Mitarbeiter aber kaum einsammeln. Deshalb appelliert Norbert Faßbender an alle, ihren Abfall nicht einfach in die Natur zu schmeißen.

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