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500 Demonstranten und 200 Polizisten

In Zittau gab es auch am Ostermontag wieder einen Protestspaziergang um den Stadtring.

Auch heute am Ostermontag spazierten Hunderte Gegner der Corona-Maßnahmen in Zittau friedlich entlang des Stadtringes. An der Böhmischen Straße dirigierte die Polizei sie auf die andere Straßenseite.
Auch heute am Ostermontag spazierten Hunderte Gegner der Corona-Maßnahmen in Zittau friedlich entlang des Stadtringes. An der Böhmischen Straße dirigierte die Polizei sie auf die andere Straßenseite. © Matthias Weber/photoweber.de

Martina Dießner und ihr Mann sind an diesem Montag nicht weit gekommen. Ihr gerade erst begonnener Sonntagsspaziergang endete bereits kurz nach 18 Uhr. Vom Ottokarplatz aus war für sie schon nach etwa 100 Metern an der Kreuzung Böhmische Straße/Hochwaldstraße Schluss. Wissentlich oder unwissentlich hatten sie sich in den Protest-Spaziergang gegen die Corona-Maßnahmen um den Zittauer Stadtring eingereiht.

Dann kam die Polizeisperre. Da, wo die Böhmische Straße auf den Stadtring führt, ging nichts mehr. Die Polizei dirigierte die Leute auf die andere Straßenseite. Dort sollten sie die Hochwaldstraße überqueren und konnten danach weiter zu Fuß den Stadtring entlanglaufen. Nicht aber Martina Dießner und ihr Mann.

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An der Ecke Böhmische Straße/Zirkusallee wurden Spaziergänger eingekesselt.
An der Ecke Böhmische Straße/Zirkusallee wurden Spaziergänger eingekesselt. © Matthias Weber/photoweber.de
Etwa 500 Leute nahmen am Protest-Spaziergang um den Zittauer Stadtring teil.
Etwa 500 Leute nahmen am Protest-Spaziergang um den Zittauer Stadtring teil. © Matthias Weber/photoweber.de
Das Aufgebot der Polizei war groß.
Das Aufgebot der Polizei war groß. © Matthias Weber/photoweber.de

Die beiden Neugersdorfer gehörten zu der Gruppe von reichlich zehn Fußgängern, die plötzlich von Polizisten eingekesselt war. Ihre Personalien sollten aufgenommen werden, weil sie gegen die Corona-Verordnungen verstoßen hatten. Nach etwa einer Stunde durfte sie mit ihrem Mann wieder gehen.

Gegen den Bußgeldbescheid wegen der Ordnungswidrigkeit, die man ihnen vorwirft, will die Familie in Widerspruch gehen. "Wir hatten eine Maske auf und auch auf den Abstand zu den Leuten vor und hinter uns geachtet", sagt Martina Dießner. Erst als die Polizei sie anhielt und sich der Pulk staute, konnten die Abstände nicht mehr eingehalten werden, fügt sie hinzu.

Aufenthaltsverbot für Zittau ausgesprochen

Und Dießners können überhaupt nicht verstehen, warum sie zu Ostern nicht um den Zittauer Stadtring spazieren gehen dürfen. Um 19 Uhr mussten sie auf schnellsten Wege die Heimreise antreten. Die Polizei hatte ihnen bis 0 Uhr ein Aufenthaltsverbot für Zittau ausgesprochen, schildern sie.

Auch Heike Hähne und ihre Tochter gehörten zu der eingekreisten Gruppe. Weil sie froren, hatte ihnen ihr Schwiegersohn eine Wärmedecke gebracht. Denn auch die Mittelherwigsdorferin musste etwa eine Stunde auf die Aufnahme ihrer Personalien warten. Sie bestätigt, dass sie die Abstände erst dann nicht mehr eingehalten hatten, als sie von der Polizei angehalten wurden.

Ihr Schwiegersohn hatte Glück. Er lief zwar nur ein paar Meter vor ihnen, wurde von der Polizei aber auf die andere Straßenseite zum Weiterlaufen dirigiert. Die Situation ist dennoch ruhig. "Von einiger Entfernung ruft ein Mann den Polizisten zu: "Schämt euch." Aber es bleibt zum Glück alles friedlich.

Die Spaziergänger in großen und kleinen Gruppen folgen den Anweisungen der Polizei, wechseln an der Böhmischen Straße die Straßenseite, um danach gleich wieder auf den Stadtring einbiegen zu dürfen.

Warum das so gewollt ist, bleibt zumindest zweifelhaft. Polizeidirektor Carsten Weber und an dem Tag auch Einsatzleiter in Zittau, hat aus Polizeisicht eine einfache Erklärung dafür. Denn die Einsatzkräfte brauchen einen Platz, wo sie eine größere Menschengruppe kontrollieren kann, ohne auf dem Stadtring den Straßenverkehr zu sehr zu behindern. Denn dort war er auch nur noch einspurig befahrbar.

Spaziergänger waren ganz normale Bürger

Kurz vor 20 Uhr kann Carsten Weber dann berichten, dass alles friedlich ablief. "Es sind hier ganz normale Bürger vom Kleinkind bis zum Rentner dabei gewesen", sagt er. Die Leute wollten zeigen, dass sie mit der Corona-Schutzverordnung nicht einverstanden sind, fügt er hinzu.

Dennoch bleibt es eine nicht angezeigte Versammlung unter freiem Himmel. Denn dazu zähle auch ein solcher "Spaziergang", berichtet die Polizei. Insgesamt zählten die Einsatzkräfte der Polizei etwa 500 Versammlungsteilnehmer, welche die Mindestabstände teilweise einhielten, jedoch zu einem Großteil keine vorgeschriebene Mund-Nasen-Bedeckung trugen, schildert Polizeisprecher Kai Siebenäuger.

Über 200 sächsische Bereitschaftspolizisten und Beamte der Polizeidirektion Görlitz sind im Einsatz gewesen. Es gab am Stadtring quasi keine Seitenstraße, an der nicht Polizei präsent war. Der Protest-Spaziergang endete etwa gegen 19.30 Uhr. Nach einer ersten Zwischenauswertung nahm die Polizei die Personalien von insgesamt 37 Versammlungsteilnehmern auf. Und sie fertigten 35 Ordnungswidrigkeitenanzeigen aufgrund von Verstößen gegen die Corona-Schutz-Verordnung an.

Einen Versammlungsleiter konnten die Beamten vor Ort nicht feststellen, schildert Kai Siebenäuger. Aus diesem Grund erstatteten sie Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz gegen Unbekannt. Während einer Kontrollmaßnahme am Haberkornplatz beleidigte allerdings auch ein 16-jähriger Deutscher die Polizisten. Woraufhin nun gegen ihn eine Strafanzeige läuft.

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