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Fast 70 Prozent Umsatzeinbuße bei Damino

Der Großschönauer Textilhersteller Damino ist in der Krise. Lager sind voll, Mitarbeiter auf Kurzarbeit, Investitionen tabu. Hoffnung geben Schweizer und Afrikaner.

Steffen Helmig an einer Webmaschine der Damino GmbH in Großschönau, auf der gerade Damast für Afrika gewebt wird.
Steffen Helmig an einer Webmaschine der Damino GmbH in Großschönau, auf der gerade Damast für Afrika gewebt wird. © Matthias Weber/photoweber.de

Großschönau. Sonst werden die zwei Schaufensterpuppen im Beratungszimmer von Damino-Geschäftsführer Dirk Ladenberger kaum wahr genommen. Jetzt zeigen sie genau das, was das traditionsreiche Oberlausitzer Textil-Unternehmen in Großschönau über Wasser hält. Die beiden Puppen tragen große Boubou. Das ist eine locker fallende, weite Bekleidung, die vor allem Männer in Westafrika tragen. Und die finanziell besser gestellten Afrikaner legen zum Glück für Damino nach wie vor Wert auf hochwertige Damast-Stoffe.

In Afrika kennt zwar niemand Damino, aber die Handelsfirmen aus Deutschland und Österreich, die Daminos Damast an dortige Nobel-Modeketten liefern, berichtet der Geschäftsführer.

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Die beiden Schaufenster-Puppen tragen große Boubou aus Damast, der bei Damino in Großschönau hergestellt wurde. Das ist eine locker fallende, weite Bekleidung, die vor allem Männer in Westafrika tragen
Die beiden Schaufenster-Puppen tragen große Boubou aus Damast, der bei Damino in Großschönau hergestellt wurde. Das ist eine locker fallende, weite Bekleidung, die vor allem Männer in Westafrika tragen © Matthias Weber/photoweber.de
Damino-Geschäftsführer Dirk Ladenberger mit sorgenvollem Blick in der Weberei.
Damino-Geschäftsführer Dirk Ladenberger mit sorgenvollem Blick in der Weberei. © Matthias Weber/photoweber.de
Seit 1836 ist das Textilunternehmen Damino in der Waltersdorfer Straße in Großschönau.
Seit 1836 ist das Textilunternehmen Damino in der Waltersdorfer Straße in Großschönau. © Matthias Weber/photoweber.de
Für die Reparaturarbeiten am denkmalgeschützten Trockenturm und für den Komplett-Abriss des großen Schornsteines ist derzeit kein Geld da.
Für die Reparaturarbeiten am denkmalgeschützten Trockenturm und für den Komplett-Abriss des großen Schornsteines ist derzeit kein Geld da. © Matthias Weber/photoweber.de

Von den 57 Webmaschinen sind im Augenblick bei Damino 30 im Einsatz. Was vor Corona wie eine Katastrophe geklungen hätte, gilt gerade als ein Funken Hoffnung. Denn im Januar verbuchte der Textilbetrieb noch 80 Prozent Umsatzeinbuße. Im Februar sind es reichlich 60 Prozent gewesen. Das ist nicht viel besser. Im Lager stapeln sich fertiggestellte Textilien im Wert von fünf Millionen Euro, die in Corona-Zeiten keiner will.

Hotels und Airlines bestellen keine Bettwäsche und Tischdecken aus Damast mehr. Normalerweise kommen von dort im Oktober und November große Bestellmengen für das kommende Jahr. Diesmal aus Deutschland so gut wie gar nichts.

Neben dem Boubou-Markt kann Damino derzeit nur noch auf seine Schweizer Kunden setzen. Sie ordern weiterhin Damast-Bettwäsche und -Tischdecken für ihre Hospitäler.

Erst gefeiert und dann abserviert

Selbst die Produktion von Nase-Mund-Masken ist gen Null zurückgegangen. Hier ist Damino-Geschäftsführer Dirk Ladenberger vor allem vom Land Sachsen enttäuscht. Als es zu Beginn der Corona-Pandemie keine Masken gab, ist sein Unternehmen von der Politik gefeiert worden. Es war das erste in Sachsen, das eine Maskenproduktion aufbaute. 3.000 Stück hat Damino beispielsweise kostenlos an das Klinikum in Ebersbach geschickt, um schnell zu helfen.

60.000 Masken hat das Land Sachsen damals pro Monat bestellt. Anfangs lief das gut und bedeutete wenigstens etwas mehr Arbeit für die Mitarbeiter. Doch dann war mit einem Mal Schluss. "Wir haben an einem Freitag den Anruf bekommen, dass ab Montag keine Masken mehr gebraucht werden", erzählt Dirk Ladenberger. Auch anderen Textilfirmen in Sachsen und Thüringen ging es so. Die Masken aus China waren billiger.

Von den 140 Mitarbeitern bei Damino sind fast alle auf Kurzarbeit. Damit sie nicht zu viel von ihrem Lohn und Gehalt einbüßen, wird versucht, dass sie auf 50 Prozent Kurzarbeitsstunden kommen.

Kauf von neuen Webmaschinen verschoben

An die eigentlich in diesem Jahr geplanten Investitionen ist nicht zu denken. Für etwa 200.000 Euro sollten neue Webmaschinen gekauft werden. Es wird auch nicht auf Lager produziert. Sanierungsarbeiten sind ebenso nicht möglich. Nur dringende Reparaturen. So kann jetzt das undichte Dach vom Verwaltungsgebäude nur geflickt und nicht wie geplant, neu gedeckt werden.

Seit 1836 ist das Unternehmen an dem Standort. Die 47.000 Quadratmeter Firmengelände sind fast vollständig bebaut. Um all die Gebäude und Anlagen in Ordnung zu halten, werden sonst jährlich 800.000 bis eine Million Euro für Reparatur- und Sanierungsarbeiten eingeplant, berichtet der Geschäftsführer.

Dringende Arbeiten wären auch für den Erhalt des denkmalgeschützten früheren Trockenturmes nötig. Die müssen ebenso warten. Um all die Arbeiten kommt das Unternehmen aber nicht drum herum. Es ist nur ein Aufschieben, was irgendwann einen Investitionsstau nach sich zieht, wenn sich die Situation nicht in absehbarer Zeit ändert. Schon jetzt ist geplant, den großen Schornstein scheibchenweise über mehrere Jahre abzutragen. 2019 ist er bereits um 20 Meter gekürzt worden. 70.000 Euro hat allein das gekostet.

Und zu all dem kommen noch höhere Betriebskosten hinzu. Zwischen 150.000 und 170.000 Euro muss das Textilunternehmen nun allein an CO2-Steuer einplanen. "Dabei haben wir schon zwischen 2017 und 2019 mit der Umstellung von Kohle auf Dampf unseren CO2-Ausstoß um 45 Prozent gesenkt", sagt Dirk Ladenberger.

Schon jetzt ist absehbar, dass Damino vor dem zweiten Quartal 2022 nicht auf das alte Niveau zurückkehren wird, schätzt der Firmenchef.

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