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Verkaufte Dussa Auto von Havarie-Kunden?

Während der Besitzer aus Radebeul ahnungslos in der Klinik liegt, erklärt Dussa, der habe sein Eigentum aufgegeben. Dem Zivilprozess könnte ein Strafverfahren folgen.

Rechtsanwalt Professor Willi Vock mit den Papieren des Autos, das Dussa verkauft hat.
Rechtsanwalt Professor Willi Vock mit den Papieren des Autos, das Dussa verkauft hat. © Markus van Appeldorn

Die Holtendorfer Firma Dussa mit ihren Niederlassungen etwa in Löbau und Zittau ist im Kreis so eine Art Havariehilfe-Mogul. Autos aus dem Straßengraben bergen, Ölspuren auf Straßen beseitigen, umgekippte Lkw aufrichten - Dussa macht's. Offensichtlich macht Dussa aber auch noch ganz andere Sachen. Zum Beispiel das Auto eines Havaristen als Schrott verkaufen, wenn der sich nicht schnell genug meldet. So eine Episode ist nun Gegenstand eines Schadenersatzprozesses gegen Dussa vor dem Görlitzer Landgericht - und ein Strafprozess könnte folgen.

Verhandelt wird das Geschehen im Nachgang eines Unfalls vom 29. Dezember 2019. In jener Nacht befuhr ein 58-Jähriger aus Radebeul mit seinem zehn Jahre alten Skoda Fabia die B178 in Richtung Herrnhut. In der Rechtskurve hinter dem Ortsausgang von Oberseifersdorf kam er nach links von der Fahrbahn ab und landete im Straßengraben. Die Polizei nahm den Unfall auf, Dussa brachte den Havaristen in die Niederlassung nach Zittau - ein Allerweltsgeschehen.

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Das nie zugestellte Schreiben

Dann aber hatte der Autobesitzer das Pech, sich am 9. Januar 2020 für über zwei Monate zur psychiatrischen Behandlung in eine Klinik begeben zu müssen. So erreichte ihn ein Einschreiben der Firma Dussa GmbH nicht, das ihm ausweislich der Sendungsverfolgung am 14. Januar zugestellt werden sollte. Darin fordert Dussa den Mann auf, bis zum 19. Januar 156,37 Euro Standgebühr und "Vermittlungsgebühr" der Polizei zu bezahlen. Auch das ist ein nachvollziehbarer Anspruch.

Ab da wird das Schreiben rätselhaft. Denn solle er den Betrag nicht bis zu dem Zeitpunkt begleichen, "gehen wir davon aus, dass Sie im Sinne des Paragraphen 959 BGB das Eigentum an dem Ford Focus (!) aufgeben und werden die Verwertung zur Deckung der angefallenen Kosten veranlassen", schreibt Dussa da - kaum zwei Wochen nach der Bergung. Weiter teilt die Firma dem Mann mit, er könne auch schon vor dem genannten Termin den Verzicht auf sein Eigentum schriftlich erklären. Der Dresdner Rechtsanwalt des Mannes, Professor Willi Vock, hält allein schon den Inhalt dieses Schreibens für absurd, und außerdem: "Da das Schreiben wegen nicht erfolgter Zustellung am 27. Januar an Dussa zurückgesandt wurde, wusste die Firma, dass mein Mandant keine Kenntnis davon hatte."

Eine seltsame Rechnung

Dieser Umstand aber focht Dussa anscheinend nicht an. Ausweislich einer Rechnung (liegt SZ vor) verkaufte die Firma den Skoda Fabia am 19. Februar - der Fahrer war immer noch in der Klinik und ahnungslos - für 100 Euro an eine Tschechin aus Varnsdorf - übrigens ohne irgendwelche Fahrzeugpapiere. Die sind nämlich bis heute in Besitz des Mannes aus Radebeul ebenso wie der Zweitschlüssel. Demnach sei das verkaufte Unfallfahrzeug "nicht versichert, nicht versteuert und ohne Kennzeichen". "Alles Blödsinn", sagt Rechtsanwalt Vock. Versicherung und Steuer seien auf Kosten seines Mandanten weitergelaufen, auch die Kennzeichen seien beim Abschleppen am Fahrzeug gewesen. Und erst im November 2020 sei es gelungen, das Fahrzeug trotz fehlender Kennzeichen abzumelden.

Herausgekommen ist das Ganze durch einen Zufall. Seit seinem Klinikaufenthalt steht der Radebeuler unter Betreuung. Im Oktober 2020 aber habe er seinen Betreuer nach dem Verbleib seines Autos gefragt - hauptsächlich deswegen, weil sich im Handschuhfach mehrere Tausend Euro Bargeld befunden hätten - was nicht der Wahrheit entsprechen muss und auch nicht Gegenstand des Verfahrens ist. Jedenfalls wurde deshalb damals Rechtsanwalt Willi Vock mit der Nachfrage bei Dussa nach dem Verbleib des Fahrzeugs beauftragt.

Staatsanwaltschaft stellt Strafermittlungen ein

In dem Verfahren nun begehrt der Anwalt von Dussa in einem ersten Schritt Auskunft darüber, aufgrund welcher Kalkulation die Firma zu einem Verkaufspreis von 100 Euro gelangt sei, um in einem zweiten Schritt eine Schadenersatzforderung beziffern zu können. Aber bei zivilrechtlichen Forderungen will der Anwalt es nicht bewenden lassen. Er hat bei der Staatsanwaltschaft Görlitz auch Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt - wegen Unterschlagung.

Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt. Die Erklärung dafür findet Rechtsanwalt Vock abenteuerlich. "Die Mitarbeiter der Firma Dussa GmbH konnten am 19.2.2020 zu Recht davon ausgehen, dass Herr W. kein Interesse an dem Fahrzeug hat", schreibt die Behörde. Diese Annahme werde zudem dadurch untermauert, dass der Mann sich - vertreten von Rechtsanwalt Vock - erst im Oktober 2020 nach dem Verbleib des Fahrzeugs erkundigt habe. Eine Beschwerde gegen die Einstellung bei der Generalstaatsanwaltschaft blieb ebenfalls erfolglos. Auch die vorgesetzte Behörde vermag seitens Dussa keinen Vorsatz für eine Unterschlagung zu erkennen.

Gericht soll Ermittlungen erzwingen

Rechtsanwalt Vock will nun vor dem Oberlandesgericht erreichen, dass die Staatsanwaltschaft richterlich angewiesen wird, Ermittlungen aufzunehmen. Seine Argumentation: Weil sein Mandant unter Betreuung stehe, könne er selbst gar nicht rechtswirksam die Aufgabe seines Eigentums erklären. Darüber hinaus könne Dussa nur dann von der Aufgabe des Eigentums ausgehen, wenn sich ein Besitzer "langandauernd" nicht um sein Fahrzeug kümmere. Der Zeitraum von gut sechs Wochen zwischen Unfall und tatsächlicher Veräußerung aber sei nicht "langandauernd". Die Veräußerung des Fahrzeugs - dazu noch ohne Papiere - sei daher rechtswidrig erfolgt.

In dem zivilrechtlichen Schadenersatz-Prozess soll betreffend das Auskunfts-Ersuchen ein erstes Urteil am 13. April fallen. Die Firma Dussa fordert in dem Verfahren Klageabweisung. SZ hat die Firma Dussa um eine Stellungnahme zu dem Vorfall gebeten. Dussa-Prokuristin Corinna Dussa hat das gegenüber SZ abgelehnt.

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