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Was wollen Diebe mit diesem Rennwagen?

Für den Großschönauer Ingolf Sieber war der historische Bolide mehr als bloß ein Auto. Eine Hoffnung, ihn wiederzubekommen, hat er noch.

Ingolf Sieber mit seinem "Formel V"-Rennwagen beim "Schleizer Dreieck"-Rennen.
Ingolf Sieber mit seinem "Formel V"-Rennwagen beim "Schleizer Dreieck"-Rennen. © Jürgen Müller

Bei einem Einbruch in eine Zittauer Lagerhalle stehlen unbekannte Täter außer zwei Wohnmobilen auch noch einen Hänger - mit einem historischen Rennwagen darin. So exklusiv die Beute, so rätselhaft ist, was die Täter damit überhaupt anfangen wollen. Und der Eigentümer des Rennwagens fühlt sich um ein emotionales Stück seines Lebens gebracht.

Drei Hochglanz-Fotos von seinem knallorangefarbenen Monoposto mit der Startnummer 334 an der Wand seines Büros und ein Dutzend Pokale - das ist alles, was Ingolf Sieber als Erinnerung an seinen einzigartigen Rennwagen geblieben ist. Seit 2011 starteten er und auch sein Sohn Toni mit dem 45 Jahre alten Monoposto bei historischen Rennen - am Lückendorfer Berg, am Schleizer Dreieck und eben auch etliche Male bei Rennen der "Historischen Formel VAU Europa" auf legendären Rennstrecken wie dem Nürburgring oder in Spa. Und jetzt verschwand das Fahrzeug bei jenem Einbruch (SZ berichtete).

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Von seinem historischen Rennwagen bleiben Ingolf Sieber nur Fotos an der Wand seines Büros.
Von seinem historischen Rennwagen bleiben Ingolf Sieber nur Fotos an der Wand seines Büros. © Matthias Weber/photoweber.de

Rennleidenschaft seit Jugendtagen

Der 57-jährige Großschönauer Unternehmer hat seit Jugendtagen Benzin im Blut. "Damals in der DDR bin ich Kart gefahren. Da musste man sehr kreativ und begabt sein, um sich die Fahrzeuge herzurichten", erinnert er sich. "Mit Freunden sind wir auch oft zu den Auto- und Motorradrennen nach Brünn gefahren", sagt er. Später geriet das Hobby ein wenig in Vergessenheit. Mit Autos hat er aber auch beruflich zu tun. In Großschönau ist er Inhaber des Autoteile-Großhandels "PV Sieber".

Und vor einigen Jahren fing's dann wieder an im Gasfuß zu jucken. Er besuchte Rennen wie das "Oberlausitzer Dreieck" oder das Lückendorfer Bergrennen. "Ich habe dann in verschiedenen Portalen nach Rennfahrzeugen gesucht", sagt Sieber. Und entdeckt hat er schließlich ein Fahrzeug, das zu einer in den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts legendären Rennserie gehörte: der "Formel V" (auch "Formel Vau" genannt) - im Grunde genommen VW-Käfer im Renn-Anzug.

In dieser Formel fuhr schon Niki Lauda

Ursprünglich in den USA begründet kamen in den 60ern die ersten Fahrzeugbausätze nach Deutschland und Westeuropa. Und die "Formel V" listete in dieser Zeit berühmte Fahrernamen auf. Formel-1-Legende Niki Lauda sammelte in dieser Rennserie seine ersten Erfolge und auch der spätere Formel-1-Weltmeister Keke Rosberg. "Das Auto von Niki Lauda fährt heute sogar noch in unserem Historischen Verein", erzählt Sieber. In der DDR war diese Rennserie damals weitgehend unbekannt - und ist es in Ostdeutschland bis heute. "Mein Sohn und ich waren die einzigen Ostdeutschen in der Formel", sagt er.

Gut ein Dutzend Hersteller dieser Rennwagen gab es damals. "Meiner ist ein ,Fuchs Formel V 1300'", erzählt Ingolf Sieber. Hersteller Heinz Fuchs war in den 60ern erst Konstrukteur bei Porsche und wurde dann zu einem der bedeutendsten Hersteller der damaligen "Formel V"-Rennwagen. Und obwohl Motor, Getriebe und Achsen "bloß" vom VW-Käfer stammen, können sich die Fahrleistungen sehen lassen. "Mit seinen 120 PS bringt der es auf 200 Stundenkilometer Spitze", sagt Sieber. Das reichte immerhin für eine Rundenzeit von 2:11 Minuten auf dem Hockenheimring - genau eine Minute langsamer als Rekordhalter Sebastian Vettel im Formel-1-Boliden.

Der Rennwagen verschwand in diesem Transport-Anhänger.
Der Rennwagen verschwand in diesem Transport-Anhänger. © privat

Für die Täter nutzlos - für Sieber unersetzlich

Nun ist er gestohlen, der Rennwagen und Ingolf Sieber fragt sich: Warum bloß? "Die Täter können mit dem Fahrzeug nichts anfangen", sagt er. Auf der Straße könne man ihn nicht bewegen und mit einem gestohlenen Auto bei einem Rennen auftauchen - ein Ding der Unmöglichkeit. "Und so ein Einzelstück ist ja unverkäuflich. Wer würde so ein Fahrzeug ankaufen?", sagt er. Sieber glaubt ohnehin, dass sein Rennwagen ein zufälliger "Beifang" der Täter war. "Die waren auf die Wohnmobile aus und haben dann gleich noch den Hänger hinten dran gehängt", sagt er. Und: "Das waren keine Amateure, sondern Profis." Denn die Halle sei mit extra verstärkten Toren gesichert und auch der Anhänger sei noch extra angekettet gewesen.

Mehr als dem reinen wirtschaftlichen Wert des Rennwagens von 15.000 bis 20.000 Euro trauert Ingolf Sieber etwas anderem nach. "Mein Sohn Toni und ich haben mit diesem Wagen zu einem gemeinsamen Hobby gefunden. Das ist es, was mir besonders weh tut, so ein gemeinsames Hobby schweißt zusammen." Und klar, könne man so einen Rennwagen wieder beschaffen, aber: "Das ist nicht einfach durch ein anderes Fahrzeug zu ersetzen, weil man eine emotionale Bindung daran hat. Da ist alles, was man auf und neben der Strecke damit erlebt hat", sagt er.

Eine Hoffnung bleibt Ingolf Sieber: Dass auch die Täter schnell erkennen, dass sie mit dieser Beute gar nichts anfangen können und den Hänger samt Rennwagen einfach irgendwo abstellen. Toni Sieber hat auch mit Fotos auf mehreren Internetseiten Suchanzeigen nach dem verschwundenen Hänger und Rennwagen gestartet - bislang ohne Erfolg.

Ingolf Sieber fuhr mit dem 45 Jahre alten Monoposto seit 2011 Rennen in der "Formel V".
Ingolf Sieber fuhr mit dem 45 Jahre alten Monoposto seit 2011 Rennen in der "Formel V". © privat

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