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Zu oft alles verloren - die Leute wollen Taten sehen

Kritik zum Hochwasserschutz in Spitzkunnersdorf gab es bei der Einwohnerversammlung in der Gemeinde Leutersdorf. Helfen soll ein Pilotprojekt.

So sah es nach dem Gewitter am Muttertag 2017 im Niederdorf in Spitzkunnersdorf aus.
So sah es nach dem Gewitter am Muttertag 2017 im Niederdorf in Spitzkunnersdorf aus. © Archivbild: NEWS5

Genug geredet. Die Spitzkunnersdorfer wollen Taten sehen. Das haben jetzt einige Bewohner des Niederdorfes bei der Einwohnerversammlung zum Hochwasserschutz im Leutersdorfer Ortsteil klar zu verstehen gegeben.

Sechs Hochwasserkatastrophen haben sie seit 2010 hinter sich. Wobei die Jahrhunderthochwasser von 2010 und 2013 in Spitzkunnersdorf noch zweimal übertroffen wurden. Damals sind vor allem Grundstücke und Häuser im Niederdorf zwar auch von den Wassermassen überflutet worden, im Mai und Juni 2017 kamen aber noch riesige Schlammlawinen hinzu.

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Spitzkunnersdorf ist als Höchstrisikogebiet eingestuft

Sachsen hat die besondere Situation in Spitzkunnersdorf erkannt. Hier kommt Hochwasser nicht nur aus den Dorfbächen, sondern sintflutartiger als anderswo bei starken Regenfällen ebenso von den höher gelegenen Wiesen und Feldern binnen weniger Minuten in den tiefer gelegenen Ort geschossen.

Spitzkunnersdorf ist jetzt offiziell ein Höchstrisikogebiet. Deshalb fördert der Freistaat für den Ort ein Pilotprojekt. Ein Risiko-Management-Plan soll Spitzkunnersdorf besser vor Überflutungen jeglicher Art schützen. Torsten Noack, von der Planungsgesellschaft, die den Plan erarbeitet, stellte den Stand der Arbeiten vor.

Erstmals werden mit dem Pilotprojekt in Sachsen die Gefahren durch starke Regenfälle genauso wie durch Hochwasser zusammen betrachtet. 2020 wurden dafür das Einzugsgebiet des Spitzkunnersdorfer Wassers, aber auch kleine Bäche, Gräben und natürliche Barrieren ausführlich vermessen. An einem 3D-Modell wurden am Computer die sintflutartigen Regenfälle und das Hochwasser 2017 dokumentiert und nachgestellt.

Gleichzeitig sind die Bürger nun aufgerufen, ihre Beobachtungen und Schäden noch einmal zu schildern. Mithilfe all der daraus gewonnenen Erkenntnisse werden Hochwasserrisiko- und Gefahren-Karten erstellt.

Torsten Noack sowie Vertreter der Unteren und der Oberen Wasserbehörde stellten sich auch den Fragen der Einwohner. Einige Bürger kritisierten, dass es immer noch keine Regenwasserrückhaltebecken gibt. Auch eine Frühwarnung wird gewünscht.

Das jüngste Beispiel dafür liegt erst wenige Tage zurück. Ein Spitzkunnerdorfer hätte nach den starken Regenfällen vor einer Woche gern gewusst, wenn Feuerwehr und THW im Ort im Einsatz sind, um ein mögliches Dammbrechen der übervollen Mewa-Teiche zu verhindern.

Ortswehrleiter Daniel Radisch versicherte, dass nach Beratung mit dem THW ein Dammbruch zeitig ausgeschlossen wurde. "Sonst wären wir durch den Ort gefahren und hätten die Leute gewarnt", sagt er. Dabei zeichnete sich ein Problem ab. Denn die Gemeinde hätte die Sirene nicht selber auslösen können. Das muss per Funk über das Landratsamt erfolgen.

Aber kennen die Leute überhaupt noch das Warn-Signal für Hochwasser - das fünfmal schnelle Heulen im Takt? Das darf bezweifelt werden. Auch die Hochwasser-Warn-App ist kein Allheilmittel. Wer schaut da schon nachts drauf, hieß es.

Die Bürger wollen aber schnell gewarnt werden. Vor allem im Niederdorf haben zu viele Leute zu oft und zu viel bei Hochwasser verloren. Dabei geht es nicht nur um das Bergen von Möbeln, Wertsachen und Fotoalben.

Ein Mann schilderte, dass er froh wäre, wenn er sein Auto in Sicherheit bringen könnte. Er versteht, dass die Feuerwehr im Einsatz die Straße absperrt und kein Fahrzeug durchlässt. Aber wenn die Leute vorher über Lautsprecher gewarnt würden, könnten einige ihre Autos noch wegfahren.

"Wir haben im Ort für vier Millionen Euro Hochwasserschäden beseitigt, aber für den Hochwasserschutz noch nichts getan", gab Bürgermeister Bruno Scholze (CDU) zu. Auch er hofft, dass es damit losgeht. Als Nächstes wird beim Projekt im Modell die Wirksamkeit der Maßnahmen bewertet.

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