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Zittau: Was ist mit dem "Stolperstein" passiert?

Der Gedenkstein für Erna Duneck auf der Theodor-Körner-Allee ist beschädigt. Einen antisemitischen Hintergrund gibt es aber nicht.

Der Stein für Erna Duneck ist irreparabel beschädigt und muss ersetzt werden. Dafür werden Spenden gebraucht.
Der Stein für Erna Duneck ist irreparabel beschädigt und muss ersetzt werden. Dafür werden Spenden gebraucht. © Foto: Jan Lange

"Schon wieder?", mag sich mancher fragen. Nachdem vor fünf Jahren die "Stolpersteine" für John, Erna und Dorothea Duneck auf der Theodor-Körner-Allee in Zittau geschändet wurden und ersetzt werden mussten, ist einer der drei Gedenksteine wieder beschädigt.

War es erneut ein Anschlag? Und ist Antisemitismus der Grund dafür? "Nein", betont Felix Pankonin, Projektleiter der Netzwerkstatt der Hillerschen Villa. Die Netzwerkstatt hat das Projekt "Stolpersteine" in Zittau initiiert. Bisher sind 24 solcher Gedenksteine an ehemalige Zittauer Juden im gesamten Stadtgebiet verlegt worden. Die Erinnerungssteine für John, Erna und Dorothea Duneck befinden sich seit Sommer 2015 auf dem Fußweg vor der Theodor-Körner-Allee 13. Bei diesem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Wohnhaus der jüdischen Familie.

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Vermutlich mit einer Schneefräse beschädigt

"Nach eigener Begutachtung des Schadens und in Abstimmung mit der 'Stiftung - Spuren - Gunter Demnig' ist die Beschädigung als Folge von Schneeräumarbeiten bewertet worden", klärt Felix Pankonin auf. Vermutlich wurde der "Stolperstein" mit einer Fräse beschädigt. Solche Vorfälle gibt es laut Stiftung auch andernorts.

Den Schaden bemerkte die "Stolperstein"-Patin und meldete sie der Hillerschen Villa. Die Paten kümmern sich um einen oder mehrere "Stolpersteine", putzen ihn und stellen Blumen oder anderes zu besonderen Anlässen wie der Pogromnacht an den Stein. Für einige Zittauer "Stolpersteine" werden noch Paten gesucht, wie Pankonin informiert.

Neuverlegung in Vorbereitung

Die Frage, ob es eine absichtliche Beschädigung war, ist nicht unberechtigt. Die Schändung der "Stolpersteine" auf der Theodor-Körner-Allee 2016 war nicht der einzige Anschlag dieser Art. So sind im vergangenen Winter "Stolpersteine" in der Äußeren Weberstraße mit Markern beschmiert worden. Auch die Duneck-Steine wurden laut einem Anwohner vor der Schändung schon mehrfach übermalt. Im aktuellen Fall schließt die Hillersche Villa aufgrund der Informationslage aber einen Anschlag aus.

Der "Stolperstein" für Erna Duneck ist irreparabel beschädigt und muss neu gesetzt werden. "Dies ist in Vorbereitung", teilt der Netzwerkstatt-Projektleiter mit. "Wir haben bereits einen neuen Stein für sie und werden diesen gemeinsam mit der Patin setzen."

Dem Anlass entsprechend sei ein Rahmenprogramm geplant, das derzeit wegen der Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden kann. Ein genauer Zeitpunkt der Neuverlegung könne aufgrund der dynamischen Lage noch nicht festgelegt werden. Da die Verlegung ausschließlich durch Spenden finanziert wird, ist die Hillersche Villa über jede finanzielle Unterstützung dankbar.

Die Täter der Attacke von 2016 auf die Duneck-Steine konnten nicht ermittelt werden, das Verfahren wurde eingestellt. Mitarbeiter der Hillerschen Villa vermuteten damals, dass die Schändung der kleinen Denkmale nichts mit den Personen selbst zu tun hatte. Sie seien beschädigt worden, weil sie auf dem Weg der Täter lagen, so die Vermutung.

Dunecks stammten aus Ostpreußen

John Duneck wurde 1893 in Königsberg geboren, seine Frau Erna 1892 in Gilgenburg. Sie betrieben von 1930 bis 1934 ein Schuhgeschäft in der Inneren Weberstraße 17, später in der Frauenstraße 4 ein Schuhwaren- und Textilgeschäft. 1938 sollten jüdische Handelsvertreter durch arische ersetzt werden. Duneck traf es im April 1938. Die Familie zog wahrscheinlich 1938 nach Berlin-Spandau. Von dort wurden John und Erna Duneck 1943 nach Auschwitz deportiert. Tochter Dorothea traf dieses Schicksal kurz zuvor. Dort wurden sie ermordet.

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