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Die Lage in den Krankenhäusern ist ernst

Die Pflegekräfte in Zittau und Ebersbach arbeiten längst bis an ihre Belastungsgrenze. Eine Corona-Prämie aber bekommen sie nicht.

© Rolf Vennenbernd/dpa (Symbolbild)

Eine Krankenschwester schickt eine kurze Botschaft aufs Handy: Nur wenige Worte, die alles sagen: Wir sind müde. Wir sind frustriert. Wir sind ausgebrannt. Aber wir sind noch da!

Im Klinikum Oberlausitzer Bergland arbeiten sie und die anderen Pflegekräfte längst an ihrer Belastungsgrenze. "Dass jetzt sogar die Bundeswehr zur Unterstützung eingesetzt ist, zeigt die Ernsthaftigkeit der Lage." Mehr muss Geschäftsführer Steffen Thiele nicht erklären. "Was die Mitarbeiter hier gerade leisten, ist enorm und wirklich außergewöhnlich", sagt er. Und er spricht sogar von einem "nahezu übermenschlichen Einsatz" der Ärzte und Pflegekräfte in der gegenwärtigen Situation.

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Der Belegungsgrad in den Häusern liegt derzeit deutlich über dem Jahresdurchschnitt. Die Anzahl der stationär behandelten Corona-Patienten wechselt täglich - und wächst. In den letzten Tagen waren es an den beiden Standorten immer mehr als 65 Corona-Kranke, immer auch mehr als zehn von ihnen auf den Intensivstationen. "Das strapaziert und belastet alle Strukturen", sagt Klinikum-Sprecherin Jana-Cordelia Petzold. Es gibt ja auch noch viele weitere Krankheitsbilder, die in den Kliniken und auf den ITS behandelt werden.

100 Betten für Corona-Patienten

Neben den Intensivstationen sind in Zittau und Ebersbach inzwischen jeweils zwei Stationen ausschließlich für die Behandlung der Covid-19-Patienten freigelenkt worden. Um Personal und Bettenkapazitäten sinnvoll einzusetzen, wurden zudem weitere "normale" Stationen vorübergehend freigeräumt. "Das betrifft beide Ambulanzstationen an den Standorten und drei Pflegestationen", sagt Jana-Cordelia Petzold. So könne das Personal für die viel betreuungsintensivere Versorgung der Corona-Patienten gebündelt werden. Insgesamt stehen in Ebersbach und Zittau jetzt 100 Betten auf den Corona-Stationen zur Verfügung.

Mittlerweile werden auch geplante Operationen und Untersuchungen, bei denen es medizinisch vertretbar ist, zeitlich nach hinten verschoben, bestätigt Petzold. Das seien solche ohne Notfall- oder Akutsituation, zum Beispiel das Einsetzen einer Knie- oder Hüftgelenks-Prothese. Die Sprecherin betont ausdrücklich, dass die Sofort- und Akutversorgung der Patienten aktuell nicht gefährdet sei, sagt aber im selben Atemzug, dass das "nur und ausschließlich durch das hohe Engagement der Ärzte und Pflegekräfte" gewährleistet sei.

Mit dem Novembergehalt werden die Mitarbeiter wie in den vergangenen Jahren auch eine Jahressonderzahlung - ein Art Weihnachtsgeld - erhalten. Die Sonderzahlung im Sommer, die an das Geschäftsergebnis geknüpft ist, haben sie in diesem Jahr aber nicht erhalten.

Und auch von der politisch großartig angekündigten Corona-Prämie für alle Pflegekräfte in ganz Deutschland sehen die Krankenhausmitarbeiter in Zittau und Ebersbach nichts. "Das Klinikum erfüllt die dafür festgelegten Kriterien nicht", erklärt Jana-Cordelia Petzold. "Das ist für uns alle sehr ärgerlich. Unsere Mitarbeiter hätten diese Prämie mit Sicherheit verdient."

Hätten! "Uns macht das ziemlich traurig", sagt die Krankenschwester, deren Name hier nicht genannt werden soll. "Überall schüttet die Wirtschaft Corona-Prämien aus - an Mitarbeiter in Banken, Industriebetrieben und Verwaltungen. Und wir erfüllen die Bedingungen nicht? Das muss uns mal jemand erklären."

Die Krankenschwester spricht nicht nur für sich, sondern auch für ihre Kolleginnen und Kollegen auf den Stationen: "Wir sind trotzdem motiviert", sagt sie, "für unsere Patienten. Jeder kann sicher sein, dass er von uns professionell betreut und behandelt wird. Es stellt sich aber die Frage, unter welchen Bedingungen das Personal es aushalten wird und vor allem, wie lange."

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde am 22. November, 18.40 Uhr geändert. In einer früheren Version fehlte die Aussage, dass die Mitarbeiter eine Sonderzahlung am Jahresende erhalten.

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