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Corona: Steht der Eurohof vor dem Aus?

Auf zwei Drittel der versprochenen Stornokosten-Hilfe wartet das Schullandheim in Hainewalde immer noch. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.

Daniela Günther, die Leiterin des Schullandheimes Eurohof Hainewalde hofft, dass jetzt wieder Klassenfahrten gebucht werden.
Daniela Günther, die Leiterin des Schullandheimes Eurohof Hainewalde hofft, dass jetzt wieder Klassenfahrten gebucht werden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Endlich waren mal wieder richtig viele Kinder da. Aber die vergangene Woche war eine Ausnahme im Eurohof in Hainewalde. Umso mehr freute sich Daniela Günther, als sie am Mittwoch gleich drei Klassen mit insgesamt 88 Kindern einer Oberschule in Rauschwalde im Schullandheim begrüßen konnte. Damit ist der Eurohof wenigstens in dieser Woche bis auf vier Plätze ausgebucht gewesen. "Das ist super, dass die Kinder alle aus einer Schule kommen. Wir haben ein gut funktionierendes Hygiene-Konzept erarbeitet. Das passt", sagt die Leiterin des Schullandheimes.

Dank eines Crowdfunding-Projektes mit der Sparkasse kann im Eurohof in Hainewalde der Grillplatz mit einem Brotbackofen gebaut werden.
Dank eines Crowdfunding-Projektes mit der Sparkasse kann im Eurohof in Hainewalde der Grillplatz mit einem Brotbackofen gebaut werden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ansonsten treibt es Daniela Günther aber die Sorgenfalten auf die Stirn, wenn sie sich die Buchungszahlen anschaut. Durch die Corona-Pandemie brachen im März auf einen Schlag die Buchungen weg. Schon im Voraus hagelte es danach bis Jahresende nur Stornierungen. Das Land Sachsen versprach zu helfen. Doch die Hilfe ist zum Großteil noch nicht angekommen.

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Dabei hatte sich damals schon nach acht Wochen für das Hilfspaket eine Experten-Kommission gebildet, schildert Daniela Günther. Für das Hainewalder Schullandheim sind seither aber immer noch etwa zwei Drittel der Stornokosten offen. Für den Eurohof bedeutet das 50.000 Euro, mit denen sie nicht wirtschaften können.

Das ist viel Geld für eine Einrichtung, die von einem rund 20 Mitglieder starken Verein - dem Eurohof Dreiländereck Sachsen - getragen wird. Die Mitarbeiter sind alle auf Kurzarbeit und werden je nach Bedarf bei Buchungen eingesetzt. Eigentlich ist um diese Zeit Hochsaison im Eurohof. Bei den Schulen sind die vielseitigen Angebote, die es hier gibt, beliebt für mehrtägige Kennenlernfahrten für die 5. und 6. Klassen. "Inzwischen sind jetzt Klassenfahrten ja wieder möglich. Aber den Eltern und Schulen ist das anscheinend noch zu heiß oder sie wollen nun den ausgefallenen Unterricht nachholen", berichtet die Leiterin des Schullandheimes.

Jetzt wäre eigentlich Hochsaison

Dabei sind solche Kennenlernfahrten wichtig für die neu gebildeten 5. Klassen, schildert die Diplom-Pädagogin. Davon wird jetzt aber nicht Gebrauch gemacht. Auch langjährige Kunden, darunter viele große Schulen, haben ihre Buchungen für ihre 5. Klassen abgesagt. Bei einigen betrifft das sogar Reservierungen bis zum Schuljahresende, berichtet Daniela Günther. Auch die Anmeldungen von andere Stammgästen, wie etwa die Kinder-Diabetes-Gruppen, bleiben bislang aus.

Für das Schullandheim bedeutet das große Unsicherheit. Für November liegt bisher keine und für Dezember auch nur die Buchung von einer Klasse vor. Sonst sind es drei pro Monat. 

Also müssten jetzt, obwohl die schon vor Monaten zugesagten Hilfsgelder immer noch nicht ausgezahlt sind, längst wieder neue Anträge auf Unterstützung gestellt werden. Aber das ist mittlerweile wegen Missbrauchs einiger Täter noch schwieriger geworden. "Bundesmittel beantragen kann man jetzt nur noch über einen Steuerberater", sagt die Leiterin des Eurohofes. Das kostet wiederum mehr Geld und Zeit. 

Daniela Günther ärgert sich auch darüber, in welch kurzen Abständen die ständig neuen Corona-Verordnungen kommuniziert werden. Die Hygiene-Auflagen, die seit dem 1. September gelten, wurden beispielsweise erst einen Tag zuvor bekannt gegeben. "Das  heißt für uns, fast die Nacht durcharbeiten, damit alles eingehalten wird", schildert die Leiterin des Schullandheimes.

"Wir sind noch nicht existenzgefährdet. Aber es wird immer schwieriger, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Eine richtige Planung ist fast unmöglich", schildert sie. Das betrifft ebenso das Personal. Im Mai ist der Hausmeister in Rente gegangen. "Ich habe mich bisher nicht getraut, die Stelle neu zu besetzen", sagt sie. Im Januar ist zudem ein Kollege gegangen. Bei rund zehn Mitarbeitern macht sich das schon bemerkbar.

Größte Investition auf Eis gelegt

Wegen Corona hat der Eurohof jetzt auch nur eine Mitarbeiterin für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) eingestellt. Sonst sind es zwei gewesen. Mit FÖJ-lern hat der Eurohof bisher gute Erfahrungen gemacht. 2017 hat hier so ein ökologisches Jahr auch Daler Radzhabov aus Tadschikistan gemacht. Der Kontakt zu dem Sprach-Fan ist danach nie abgerissen. Im August hat er jetzt in Rechlin an der Mecklenburgischen Seenplatte über die IHK seinen Kaufmann für Tourismus und Freizeit gemacht und arbeitet nun dort. 

Weil die Einnahmen fehlen, sind auch geplante Investitionen auf Eis gelegt. Dabei müssten bei allen Gebäuden die Dächer dringend neu gedeckt werden. Auch der Spielplatz sollte überarbeitet werden. Dank Fördermittel wird in diesem Jahr an einem Gebäude aber wenigstens der geforderte zweite Fluchtweg angebaut. "Der Bauantrag ist eingereicht. Ich hoffe, dass wir mit den Arbeiten im November beginnen können", sagt sie.

Bis Ende Februar sind die Mitarbeiter erst einmal auf Kurzarbeit. Auch in den Winterferien gibt es übrigens wieder ein Ferienlager im Eurohof in Hainewalde. "Reise durch die Galaxie" heißt dann das Motto vom 15. bis zum 19. Februar 2021. Das Ferienlager im Olymp ist für Kinder von acht bis 16 Jahren in den Sommerferien super  angenommen worden. "Hier buchen die Familien ja selbst für ihre Kinder. Und unter den Corona-Auflagen waren wir mit 40 Kindern ausgelastet", schildert Daniela Günther.

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