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Sie würden gern ein altes Haus sanieren

Familie Ritter ist viel rumgekommen in der Welt. Jetzt ist sie wieder in Ostritz und gehören zu immer mehr Leuten, die es zurück in die Heimat zieht.

Familie Ritter zog es wieder in die Heimat. Und die Ärztin und der Bergbau-Ingenieur fühlen sich mit ihren Kindern bereits wohl in Ostritz. Zum richtigen Glück fehlt ihnen aber noch etwas.
Familie Ritter zog es wieder in die Heimat. Und die Ärztin und der Bergbau-Ingenieur fühlen sich mit ihren Kindern bereits wohl in Ostritz. Zum richtigen Glück fehlt ihnen aber noch etwas. © Matthias Weber/photoweber.de

Annerose und Robert Ritter sind angekommen. Zusammen mit ihren drei Kindern haben sie mit Ostritz das gefunden, was sie suchen. Zumindest fast. Perfekt wäre es jetzt für sie, wenn sie in der kleinen Stadt an der Neiße noch ein Baugrundstück oder ein bezahlbares altes Haus zum Sanieren finden würden.

Seit dem 18. März 2020 ist Robert Ritter wieder in seiner Heimatstadt. Der 36-Jährige hat schon viel gesehen von der Welt. Beruflich war der Bergbau-Ingenieur unter anderem in Australien, China, Südafrika, Chile und Kanada. Auch in der Mongolei, Indonesien und Indien hat er Tagebau-Projekte mit aufgebaut.

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Und auch seine Frau Annerose ist in ihrer Studienzeit unter anderem in Spanien gewesen. Seit aber ihre Kinder da sind, wollen sie sesshaft sein. Johann, der Älteste ist jetzt fünf Jahre alt, sein Bruder Jonas vier und die kleine Hannah ein Jahr. Die letzten Jahre hat Familie Ritter deshalb schon in Dresden gewohnt.

Dort aber eine schöne große Wohnung zu finden oder gar ein Grundstück zum Bauen ist teuer. Außerdem ziehen die jungen Eltern eine Kleinstadt einer Großstadt vor. Denn auch Annerose kommt mit Spremberg aus einer solchen. Ihre Wahl ist aber schnell auf Ostritz gefallen. "Das Umfeld hier passt einfach gut", sagen sie. Hier haben sie schon einen Freundeskreis, darunter junge Rückkehrer-Familien wie sie. Es gibt hier eine Schule, Kitas, ein Bad und viele engagierte Leute, zählen Annerose und Robert Ritter auf. Anerkennend reden sie vom Friedensfest, der Mewa-Bad-Initiative und anderen kulturellen Angeboten, deren Mitglieder jedes Jahr toll was auf die Beine stellen.

Ärztin hilft ehrenamtlich beim Testen im Pflegeheim

Die beiden Großen fühlen sich wohl in der Kita und Johann wird in diesem Jahr in die Schkola gehen. Als Bergbau-Ingenieur kann Robert Ritter in Ostritz zwar nicht arbeiten, aber er wollte sowieso einen beruflichen Wechsel. Er hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und ist jetzt bei seinen Groß-Cousins in der Bäckerei Geißler Personalleiter und kümmert sich zudem um die Warenwirtschaft und die Finanzen.

Ritters wohnen im Pfarrhaus der evangelischen Kirche. Direkt nebenan befindet sich das Pflegeheim. Ganz selbstverständlich half Annerose dort ehrenamtlich aus, als Helfer für die Corona-Tests der Besucher gebraucht wurden. Die 40-Jährige ist Ärztin. Nach ihrer Elternzeit wird sie bestimmt schnell wieder einen Job in der Umgebung finden.

Ihre Wohnung im Pfarrhaus ist nicht von Dauer. Sobald ein neuer Pfarrer kommt, wird sie für ihn gebraucht. Die Familie würde sich aber wünschen, keine neue Wohnung im Ort suchen zu müssen. Ein Eigenheim bauen oder ein altes Haus zu sanieren, würde sie reizen. "Jedes Kind hätte dann ein eigenes Zimmer. Auch ein Garten zum Spielen wäre für sie wünschenswert", schwärmt Annerose Ritter.

Die Ostritzer Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) freut sich nicht nur über diese Rückkehrer-Familie. Denn Ritters sind nicht die Einzigen, die nach Wohnungen und Baugrundstücken in der Stadt suchen. Sieben weiteren Bauwilligen versucht die Stadt derzeit bei der Suche nach einem Haus oder Bauland zu helfen.

"Der Bedarf nach Wohnraum ist in der Stadt hoch", berichtete Gundel Mitter von der Bauverwaltung auf der Stadtratssitzung im März. Es gibt Anfragen von Leuten, die wegen Arbeit oder Studium wegzogen und nun gern wieder nach Ostritz zurückkommen würden. Sogar Väter hätten sich deswegen bei der Stadt für Wohnungen beziehungsweise Baugrundstücke erkundigt.

"Wir hatten Anfragen, wo Leute erzählten, dass sie nicht nach Görlitz, Zittau oder Löbau wollen, in eine kleinere Stadt wie Ostritz aber schon", schildert sie. Die Stadt bemüht sich deshalb, auf ihrer Homepage eine ständig aktualisierte Liste von kommunalem Bauland oder Häusern, die zum Verkauf stehen, zu veröffentlichen. Gern würde sie dabei auch auf die privaten Verkaufsobjekte oder Grundstücke hinweisen. Um hierbei aber auf dem laufenden Stand zu sein, braucht sie die Mithilfe der Bürger. Verkaufswillige könnten sich deshalb gern bei der Stadt melden.

Ostritz hat mehr Zuzüge als Wegzüge

In jüngster Vergangenheit hat die Stadt Interessenten mit Bauland oder Häusern auch schon helfen können, wie beispielsweise An der Halde und in der Julius-Rolle-Straße. "Wir hören bei den Anfragen aber auch oft, dass die Vorstellungen für den Verkaufspreis bei privaten Verkäufern zu hoch sind", berichtet Marion Prange. Die Stadt selber richtet sich beim Verkaufspreis nach dem Verkehrswertgutachten.

Parallel nimmt in Ostritz auch der Leerstand an Wohnungen ab. Beim kommunalen Wohnungsunternehmen "Bauen und Wohnen" wurden 2020 etwa zehn Wohnungen mehr vermietet, als im Vorjahr, berichtet die Bürgermeisterin.

In den vergangenen fünf Jahren sind mehr Bürger nach Ostritz gezogen, als von der Stadt weg. Insgesamt 463 Zuzüge stehen seit dieser Zeit 428 Wegzügen gegenüber. Im vergangenen Jahr gab es sogar bei 98 Zuzügen nur 56 Wegzüge. Allerdings ist die Einwohnerzahl von Ostritz seit 2016 trotzdem gesunken und zwar von 2.390 auf 2.245. Das liegt aber daran, dass deutlich weniger Kinder geboren werden, als Leute sterben.

Mit noch mehr jungen Familien, die nach Ostritz ziehen, könnte sich das wieder ändern.

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