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Alles böse Nachbarn?

Im Familienkompass geben vor allem Menschen vom Eigen und aus Zittau an, dass es oft Streit gibt. Dabei geht es meistens um ein Thema.

Übern Gartenzaun ragende Äste führen oft zu Streitereien zwischen Nachbarn.
Übern Gartenzaun ragende Äste führen oft zu Streitereien zwischen Nachbarn. © Matthias Weber/photoweber.de

Über Nachbarschaftsstreitigkeiten kann der Zittauer René Nestler ein Lied singen. Er ist seit drei Jahren Friedensrichter in der Stadt. In dieser Zeit gab es noch nie eine Sprechstunde, in der er vergebens auf zwei "Streithähne" wartete. Meist kann er helfen oder besser schlichten. "Bei uns ist es aber noch lange nicht so schlimm, wie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen", sagt er.

Bei reichlich zwei Dritteln der Streitereien, wegen denen die Leute zu ihm kommen, geht es immer nur um ein Thema: Die Äste der Bäume und Hecken des Nachbarn ragen über den Zaun in das eigene Grundstück. Und der ist nicht gewillt, sie zurückzuschneiden oder kümmert sich nicht darum. 

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Andererseits wollen manche ihre Hecken und Bäume verschneiden, aber der Nachbar lässt sie dafür nicht auf sein Grundstück. Und oft geht es auch um die Höhe der Hecken. Was so banal klingt, kann zu ernsthaften Streitereien führen, bei denen sich die Fronten so verhärtet haben, dass sie beim Friedensrichter landen.

René Nestler kennt die Sprüche, die dann kommen und lässt sich davon nicht beeindrucken. "Ich habe mich schon mal bei Google schlau gemacht", ist ein ganz häufig genannter Spruch, bei dem er schmunzeln muss.

Er findet in Sachsen die Bezeichnung Friedensrichter für diesen ehrenamtlichen Job treffender als Schiedsmann oder -frau, wie es in Deutschland sonst meist heißt. Denn er ist zwar kein Richter, aber das Schlichtungsergebnis wird offiziell anerkannt. 

Dabei gibt René Nestler zu, dass er sich bewusst nicht immer an die gesetzlichen Vorgaben hält. "Wenn eine Hecke vier Meter hoch ist, sie beispielsweise eigentlich nach Gemeindeordnung höchstens 2,80 Meter hoch sein darf und wir uns auf drei Meter einigen, ist das auch in Ordnung", sagt er. Natürlich nur, wenn es keine Hecke an der Straße ist und die Sicht für den Verkehr nicht beeinträchtigt wird. 

"Es gibt Streitereien, die hätte es vor der Wende nicht gegeben", sagt er. Und das hat viele Ursachen. "Manche Leute fühlen sich in der Bundesrepublik halt mehr als angekommen, um es salopp zu sagen", schildert er. Andererseits haben die Grundstücke und Häuser heutzutage auch einen viel höheren Wert. Und auch die Gesetzgebung kommt erschwerend hinzu.

Diese Note haben die Zittauer Befragten ihrer Stadt gegeben. Sie liegen damit noch im Sachsenschnitt.
Diese Note haben die Zittauer Befragten ihrer Stadt gegeben. Sie liegen damit noch im Sachsenschnitt. © SZ Grafik
Beim Thema Wohnen und Wohnumfeld bewerteten die Zittauer die Nachbarschaft unterdurchschnittlich.
Beim Thema Wohnen und Wohnumfeld bewerteten die Zittauer die Nachbarschaft unterdurchschnittlich. © SZ Grafik
Unterrichtsausfall und Gewaltprobleme an Schulen sehen die Befragten in Zittau kritischer als im Sachsenschnitt.
Unterrichtsausfall und Gewaltprobleme an Schulen sehen die Befragten in Zittau kritischer als im Sachsenschnitt. © SZ Grafik
Beim Thema Familienfreundlichkeit gab es zum Großteil keine guten Noten für die Stadt.
Beim Thema Familienfreundlichkeit gab es zum Großteil keine guten Noten für die Stadt. © SZ Grafik
Die Kita-Welt wird insgesamt eher positiv bewertet, nur mit den Öffnungszeiten hadern mehr Befragte als anderswo.
Die Kita-Welt wird insgesamt eher positiv bewertet, nur mit den Öffnungszeiten hadern mehr Befragte als anderswo. © SZ Grafik
Der Mangel an Fach- und Hausärzten ist hier ein größeres Thema als sonst im Freistaat.
Der Mangel an Fach- und Hausärzten ist hier ein größeres Thema als sonst im Freistaat. © SZ Grafik
Das Thema Arbeit wird in Zittau kritisch gesehen.
Das Thema Arbeit wird in Zittau kritisch gesehen. © SZ Grafik

Die oftmals gern angenommene Nachbarschaftshilfe, kann einem mittlerweile sehr teuer kommen, wenn die Berufsgenossenschaft davon erfährt oder jemand einen Tipp gab. Daran müssen sich die Bürger im Osten Deutschlands erst gewöhnen. Nachbarschaftshilfe, so wie sie zu DDR-Zeiten praktiziert und gern angeboten oder angenommen wurde, ist so einfach nach bundesdeutscher Gesetzgebung nicht möglich.

Helfer, die nicht zum Haushalt gehören, müssen bei der Berufsgenossenschaft angegeben und versichert sein. Das gilt auch schon beim Tapezieren, Zaun- oder Schuppenbau. Fällt so ein Helfer nämlich von der Leiter und hat dabei bleibende Schäden erlitten, wird es sonst teuer. Wie heißt es so schön: "Nicht wissen, schützt vor Strafe nicht." Die Kosten für so eine Helferversicherung sind  je nach Stundenzahl nicht hoch und sollten gezahlt werden, rät der Fachmann.

Denn René Nestler ist nicht nur Friedensrichter, sondern auch schon über zehn Jahre Schöffe am Landgericht und Vermögensberater. 

Umfragewerte liegen weit auseinander

Innerhalb des Familienkompasses haben im Altkreis Löbau-Zittau die Umfrageteilnehmer  die Frage nach freundlichen Nachbarn in Zittau auch wesentlich schlechter als anderswo bewertet. Lediglich 68,27 Prozent schätzten das hier als gut oder sehr gut ein - 12,5 Prozent sogar als eher schlecht oder schlecht.

Nur auf dem Eigen wurden hier noch schlechtere Werte erzielt. In Bernstadt, Schönau-Berzdorf und Ostritz lagen die Angaben bei der Frage nach den freundlichen Nachbarn bei nur 55,17 Prozent für gut oder sehr gut und bei eher schlecht oder schlecht bei 13,79 Prozent. 

Super freundlich sind die Nachbarn in dem Gebiet "Zwischen Löbau und Zittau", zu dem Kottmar, Herrnhut, Oderwitz und Mittelherwigsdorf gehören. 89,41 Prozent schätzen das dort mit gut oder sehr gut ein. Und auch das Oberland hat 83,67 Prozent Spitzenwerte erhalten.

Am Ende rangiert Zittau auch bei der Frage: "Nachbarn sorgen sich um Kinder".  58, 41 Prozent der Befragten geben hier an, dass das eher schlecht oder schlecht ist. Nur 19,47 Prozent finden es gut oder sehr gut. 

Auch hier erzielt dagegen das Gebiet "Zwischen Löbau und Zittau", zu dem Kottmar, Herrnhut, Oderwitz und Mittelherwigsdorf gehören, Spitzenwerte mit 41,57 Prozent bei gut oder sehr gut, aber immerhin auch 30,34 Prozent bei eher schlecht oder schlecht. 

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