merken
PLUS Zittau

Bäckermeister gibt schweren Herzens auf

Nach 57 Jahren ist die Feinbäckerei Henke in Oderwitz geschlossen.

Zwei Generationen der Feinbäckerei Henke in Oderwitz - (von links) Bäckermeister Gert Scholtz, seine Frau Irena Scholtz-Henke, ihre Schwester Annett Neumann und ihre Mutter Hannelore Henke.
Zwei Generationen der Feinbäckerei Henke in Oderwitz - (von links) Bäckermeister Gert Scholtz, seine Frau Irena Scholtz-Henke, ihre Schwester Annett Neumann und ihre Mutter Hannelore Henke. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Gert Scholtz und seiner Frau Irena Scholtz-Henke ist der Schritt nicht leicht gefallen. Ein Familien-Unternehmen gibt man nicht gern auf. Aber aus gesundheitlichen Gründen ist der Bäckermeister nun dazu gezwungen gewesen.

57 Jahre hat die Familie die Bäckerei in der Unteren Dorfstraße in Niederoderwitz geführt. Zusammen mit seiner Frau Hannelore hatte Altmeister Karl-Heinz Henke die Bäckerei am 1. Januar 1964 übernommen. Sie war einst von Heinrich Knobloch 1898 gegründet worden und wurde danach von mehreren Bäckern geführt.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Altmeister Karl-Heinz Henke in den 1980er Jahren in der Backstube.
Altmeister Karl-Heinz Henke in den 1980er Jahren in der Backstube. © privat

"Unsere Eltern haben die Bäckerei mit viel Herzblut, Kraft und Leidenschaft zum Bäckerhandwerk erfolgreich durch manchmal bewegte Zeiten geführt", schildern Irena Scholtz-Henke und ihre Schwester Annett Neumann. Während der Vater in der Backstube stand, verkaufte die Mutter im Laden Brot, Semmeln, Kuchen, Torten und Gebäck. "Ich war das Mädchen für alles", sagt Hannelore Henke.

2002 ist Karl-Heinz Henke dann in Rente gegangen und sein Schwiegersohn Gert Scholtz übernahm das Geschäft mit seiner Frau Irena. Dafür hatte der heute 57-Jährige extra ein paar Jahre vorher einen neuen Beruf gelernt und 1999 seinen Bäckermeister gemacht.

Und ihre Zeit sollte noch bewegter werden als die der Eltern. "Wir hatten wirklich alles durchgemacht", sagt Irena Scholtz-Henke. Am 13. Juli 2006 brach in der Backstube ein Feuer aus und Henkes darüberliegende Wohnung und das Dach wurden stark beschädigt. Bis auf die Grundmauern musste damals alles abgerissen werden. Im Februar 2007 war alles wieder aufgebaut und die Bäckerei konnte eröffnet werden.

Am 13. Juli 2006 stand die Bäckerei in Flammen.
Am 13. Juli 2006 stand die Bäckerei in Flammen. © privat

Und beim Jahrhunderthochwasser 2010 stand der Keller unter Wasser. Noch schlimmer aber, die Flut hatte die Bachmauer weggerissen. Die mussten sie wieder aufbauen.

"Unser Roggenmischbrot war der Renner", ist sich die Familie einig. Beliebt bei den Kunden ist auch Henkes Schwarzwälder-Kirsch-Torte gewesen, berichtet Konditorin Irena Scholtz-Henke, ebenso der Mohnstriezel-Stollen, Rosinen-Stollen, Käse- und Klecks-Kuchen.

Der Mohnstriezel-Stollen ist sogar jedes Jahr über Bekannte bis nach Südafrika verschickt worden. Das müssen sie nun noch Absagen. Und Henkes Kleckskuchen haben schon Sachsens Ministerpräsident a.D. Kurt Biedenkopf und Gunther Emmerlich probiert. Den bekommen die Gäste nämlich immer bei den Veranstaltungen des Verein Nikolaikirche Spitzkunnersdorf.

Gert und Irena Scholtz-Henke sind froh, dass ihre Filiale beim Edeka "nah & gut" in Oderwitz die Eibauer Bäckerei Füssel problemlos übernommen hat. "Das hat uns sehr geholfen", sagt Gert Scholtz. Das Ehepaar dankt auch all ihren Kunden für ihre jahrelange Treue und den Mitarbeitern.

Einen Nachfolger für die Bäckerei haben sie leider nicht gefunden. Ein Teil der Backstuben-Einrichtung ist schon weg. Die alte Brotmaschine hat sich beispielsweise eine Bäckerei als Schauobjekt geholt. Der Kneter stammt noch aus dem Jahr 1908 und ist voll funktionsfähig.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]ächsische.de oder [email protected]ächsische.de

Mehr zum Thema Zittau