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Taut das Eis in der Jonsdorfer Eishalle?

Dem Tourismusmagneten im Zittauer Gebirge droht das Aus. Wie die anderen Gebirgsorte jetzt das Kirchturmdenken vergessen - und helfen wollen.

Beliebter Treffpunkt, wichtige Sportstätte, großer Tourismusmagnet: die Eisarena in Jonsdorf.
Beliebter Treffpunkt, wichtige Sportstätte, großer Tourismusmagnet: die Eisarena in Jonsdorf. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Aufsichtsratssitzung der Jonsdorfer Kultur- und Tourismusgesellschaft vorige Woche ist lang. Aufsichtsräte und Geschäftsführer müssen eine schwerwiegende Entscheidung treffen:  Abtauen oder nicht? Der neuerliche November-Lockdown ist ein harter Schlag für das Unternehmen, das schon nach der Corona-bedingten Schließung in diesem Frühjahr in eine finanzielle Schieflage geraten ist. Die Einnahmen aus der Eislauf-Saison sollten der Betreibergesellschaft wieder etwas Luft verschaffen. Wenigstens etwas Luft.

Doch vorerst muss die Arena wieder schließen. "Dabei hatten wir sehr große Hoffnungen in die Eissaison gesetzt", sagt Geschäftsführer Maik Tempel. Die muss er mit den neuerlichen Corona-Maßnahmen zumindest für den November wieder begraben. 

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"Aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt", sagt Tempel. Und deswegen haben die Aufsichtsräte auch entschieden: Das Eis wird vorerst nicht wieder abgetaut. So kann die Arena wenigstens weiter für den Sportunterricht genutzt werden. Und sie kann vor allem sofort wieder öffnen, wenn die Coronaschutz-Anordnungen das wieder erlaubt.

Bis zu 10.000 Euro kostet es, die Eisdecke einen Monat lang zu erhalten, es würde aber noch einmal rund 10.000 Euro zusätzlich kosten, wenn das Eis jetzt abgetaut und nach dem Lockdown wieder neu aufgespritzt werden müsste. "Wir haben in der Hoffnung entschieden, dass wir im Dezember wieder öffnen können", sagt der Geschäftsführer.

Oybin und Olbersdorf sagen Unterstützung zu

Dabei geht es in der Jonsdorfer Kur- und Tourismusgesellschaft, die die Eishalle betreibt, gerade buchstäblich um jeden Cent. Die Gemeinde hat als kommunaler Gesellschafter nicht mehr die Kraft, den Betrieb der Einrichtung zu finanzieren. Gibt es bis zum Jahresende keine Lösung, droht eine Insolvenz.

Das aber darf nicht passieren! Darin sind sich im Zittauer Gebirge alle einig. "Die Eisarena ist schließlich ein Tourismusmagnet, von dem das ganze Gebirge profitiert", so sagt es der Oybiner Hotelier und Gemeinderat Conrad Siebert. "Wir müssen also über den eigenen Tellerrand sehen und zusammenarbeiten", findet er und hat das so auch ins Protokoll der jüngsten Oybiner Gemeinderatssitzung schreiben lassen: Der Bürgermeister soll prüfen, wie die Oybiner den Jonsdorfern helfen können.

Conrad Siebert schlägt beispielsweise eine Art interkommunalen Tourismus- und Dienstleistungsbetrieb vor, in dem Oybiner und Jonsdorfer Einrichtungen unter einem Dach gemanagt werden könnten - am Ende mit gewinnbringenden Synergieeffekten für beide Seiten. 

Den Oybiner Bürgermeister muss Conrad Siebert nicht überzeugen. "Die Jonsdorfer Bürgermeisterin hat unsere Unterstützung", sagt Tobias Steiner (SPD) klipp und klar. Es habe auch schon Gespräche gegeben, wie genau es künftig mit den touristischen Einrichtungen weitergehen könnte. "Wir sollten uns alle bewusst sein, dass wir hier im Zittauer Gebirge eine Region sind, in der wir alle gemeinsam über den eigenen Kirchturm hinaus denken und handeln müssen", sagt Steiner.

Sein Amtskollege in Olbersdorf sieht das genauso:  Andreas Förster (FDP) hatte schon vor anderthalb Jahren den Vorschlag gemacht, gemeinsam im größeren Rahmen zu denken und dafür beispielsweise den Zweckverband Allwetterbad Großschönau, in dem der Landkreis Görlitz und die Gemeinden Großschönau, Hainewalde und Bertsdorf-Hörnitz zusammenarbeiten, auf den ganzen Naturpark zu erweitern. Großschönaus Bürgermeister und Verbandsvorsitzender Frank Peuker (parteilos) will sich dazu allerdings noch nicht äußern.

Vielleicht sogar eine ganz neue Eissporthalle?

Jonsdorfs Bürgermeisterin freut sich sehr über den Tenor der Diskussionen. "Ich bin sehr positiv gestimmt und frohen Mutes, dass wir eine Lösung finden", sagt Kati Wenzel (Freie Wähler). Nun käme es vor allem darauf an, schnellstmöglich konkret zu werden.

Eine Entscheidung darüber, wie eine künftige Zusammenarbeit aussehen kann, soll  möglichst noch bis zum Jahresende fallen. Neben der Aufweitung des Zweckverbands Allwetterbad steht auch die Gründung eines weiteren Zweckverbands zur Diskussion. Konkrete Vorschläge soll die landkreiseigene Entwicklungsgesellschaft liefern. 

Der Landkreis selbst sieht sich allerdings nicht in der Verantwortung: „Aus unserer Sicht wäre eine finanzielle Beteiligung des Landkreises rechtlich nicht zulässig", so sagt es Karl Ilg, der Leiter des Kommunalamts. "Wir haben der Gemeinde aber beratende Unterstützung angeboten.“

In den Diskussionen wird es auch um einen millionenschweren Investitionsbedarf gehen. Die Eishalle ist dringend sanierungsbedürftig. Und wenn schon über eine große Lösung diskutiert wird, sagt Kati Wenzel, dann auch über die Frage: Sanierung oder Neubau? Und da hat ein Neubau, wie man hört, keine schlechten Chancen.

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