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Die etwas andere Landwirtschaft

Gemeinsam säen, pflanzen und ernten - diesem Prinzip verschreiben sich junge Leute am Stadtrand von Zittau. Sie haben große Pläne.

Das Feld am Stadtrand von Zittau wird gemeinsam bewirtschaftet (Foto: Elisa, Tim, Benjamin und Lukas, v.l.n.r.)
Das Feld am Stadtrand von Zittau wird gemeinsam bewirtschaftet (Foto: Elisa, Tim, Benjamin und Lukas, v.l.n.r.) © Foto: Jan Lange

Mit Schwung schaufelt Lukas Stöckmann das Gras auf die Schubkarre. Das Gärtnern macht dem jungen Mann sichtbar Freude. Mit akkurat gemähten Wiesen, exakt gestutzten Hecken und schnurgeraden Beeten will er aber nichts zu tun haben. Auf der Fläche am Pfaffenbach ist alles etwas anders. Hier darf das Gras einfach wachsen. Obst und Gemüse sind nicht in verschiedenen Beeten voneinander getrennt. Monokultur ist ein Fremdwort für Lukas Stöckmann. Ihm ist die Vielseitigkeit wichtig - auch beim Gärtnern.

Das Grundstück am Stadtrand von Zittau bewirtschaftet er nicht allein. Eine Reihe junger Leute ist mit Spaten, Sense oder den eigenen Händen zugange. "Gemeinsame Landwirtschaft" (GeLaWi) nennt die Gruppe ihr Projekt. Ein solidarisches Prinzip steckt dahinter: Die jungen Leute säen, pflanzen und ernten gemeinsam. Jeder bringt Arbeitsleistung ein und teilt sich dann mit den anderen die Erträge. Ihr Antrieb: Sie wollen sich gesund mit Bio-Lebensmitteln aus nachhaltigem Anbau ernähren.

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Das Prinzip funktioniert über Vertrauen. "Es geht nicht, dass einer bei der Aussaat nicht dabei ist, aber bei der Ernte", meint Lukas Stöckmann, der auch Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Vereins "Kraut & Rüben" ist.

Ihr Projekt orientiert sich an der Solidarischen Landwirtschaft - kurz SoLawi. Deren Prinzip beruht darauf, dass mehrere private Haushalte die Kosten eines Bauernhofes tragen, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. In der Regel werden die Höfe von Landwirten betrieben und die Mitglieder unterstützen sie, in dem sie Anteile erwerben. Auch im Landkreis Görlitz gibt es solche Zusammenschlüsse.

Lukas Stöckmann und seine Mitstreiter sind keine professionellen Landwirte, sie bewirtschaften das Grundstück freiwillig in ihrer Freizeit. Je nach Zeitbudget kommen die Mitglieder einmal oder mehrmals in der Woche vorbei, um mit anzupacken.

5.000 Quadratmeter werden bewirtschaftet

Zu tun gibt es viel. Das Grundstück ist 1,5 Hektar groß. Nur etwa ein Drittel davon wird bewirtschaftet, der Rest ist vor allem Wald. Aber auch hier musste erst mal aufgeräumt werden. Früher gab es eine Bauwagensiedlung, die immer mal bewohnt war, manchmal wurde hier auch nur gefeiert. Entsprechend sah das Gelände aus, als es die jungen Leute erwarben. Unmengen Müll holten sie heraus. Sieben bis acht Container füllten sich damit. Nun ist es wieder ein Biotop.

Alle Spuren der Vergangenheit wurden aber nicht beseitigt. Zwei alte Bauwagen sind erhalten worden, ein dritter wurde neu aufgebaut. Anschließend begannen sie, die Wiese landwirtschaftlich zu nutzen. Die Fläche wird nach den Prinzipien der Permakultur, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft bewirtschaftet.

Da nicht die komplette Fläche immer bewirtschaftet werden kann, wurde sie geteilt. Hinten haben die Hobbygärtner eine Streuobstwiese angelegt. Sie benötigt nicht viel Pflege, im Frühjahr werden die Bäume verschnitten, im Herbst steht die Ernte an.

Im vorderen Teil befinden sich die Beete. Zuletzt sind hier drei Reihen Kartoffeln gepflanzt worden. "Wir sind damit etwas spät dran", weiß Lukas Stöckmann. Frühkartoffeln können bereits ab Mitte März gepflanzt werden, mittelfrühe und späte Kartoffeln folgen von Mitte April bis Mitte Mai.

So sieht das neue Gewächshaus aus.
So sieht das neue Gewächshaus aus. ©  privat

Seit Kurzem gibt es auch ein Gewächshaus. Auch das unterscheidet sich von den in Gärten üblichen Gewächshäusern in seiner Form. So haben die jungen Leute immer wieder neue Vorhaben, die es umzusetzen gilt. Einen Brunnen wollen sie noch bohren. Ob sich das dieses Jahr umsetzen lässt, werde sich zeigen, meint Lukas Stöckmann.

Gruppe arbeitet weitgehend manuell

Die Gruppe arbeitet weitgehend manuell. Das ist nicht immer einfach - gerade wenn man zwei Stunden in der Sonne gegen das Gras "gekämpft" hat, meint Stöckmann. 2020 borgten sie sich einige Schafe aus, auch dieses Jahr gibt es die tierische Unterstützung. Langfristig können sie sich eine eigene Tierhaltung vorstellen.

Eine Handvoll Leute machte anfangs mit. Während der Corona-Pandemie stieg die Zahl der Mitstreiter an. Zwischen acht und 35 Leute kommen regelmäßig vorbei. Vielen geht es dabei weniger um das geerntete Obst und Gemüse, sondern darum, etwas zu lernen oder sich ausprobieren zu können, meint Lukas Stöckmann.

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