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Keine Milde für Pornofotos von Enkeltochter

Das Zittauer Amtsgericht verhandelt bizarre Sex-Fantasien - und urteilt härter als die Staatsanwaltschaft beantragt.

Das Amtsgericht verurteilte einen Mann wegen Kinderpornographie.
Das Amtsgericht verurteilte einen Mann wegen Kinderpornographie. © Sebastian Schultz

Der Mann (67), der am Dienstagnachmittag auf der Anklagebank des Zittauer Amtsgerichts sitzt, präsentiert sich als liebevoller Großvater. "Ich mag Kinder, ich mag meine Enkel", sagt er. Das will so gar nicht zu dem passen, was die Anklage ihm vorwirft: Verbreitung und Erwerb kinderpornographischer Schriften. Und als die Staatsanwältin mit der Verlesung der Anklageschrift fertig ist, ist klar: Wenn auch nur ein Punkt der Anklage stimmt, ist dieser Mann kein liebevoller Großvater - sondern das Grauen.

Laut Anklage war der Zittauer im Sommer 2016 zu Besuch bei der Familie seiner Tochter in Hessen. Dort übernachtete er im Zimmer seiner damals sechsjährigen Enkelin. In einer Nacht war dem Kind das Nachthemd entweder hochgerutscht - oder der Angeklagte hatte es nach oben geschoben. Jedenfalls fertigte er von dem halbnackt vor ihm schlafenden Kind Fotos mit seinem Handy an, "in deren Zentrum das Geschlechtsteil" des Mädchens abgebildet wurde, so die Anklageschrift. Doch das war noch längst nicht alles.

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Zwischen den Pornoaufnahmen frische Brötchen geholt

Denn damit, die Fotos auf seinem Mobiltelefon zu haben, begnügte sich der Angeklagte nicht. Eines davon druckte er sich aus und rahmte es sich sogar ein - versehen mit einem handschriftlichen Kommentar auf dem Foto. Die Achtung der Würde des Mädchens verbietet es, hier den Wortlaut dieses Kommentars wiederzugeben, den die Staatsanwältin vor Gericht verlesen muss. Nur soviel: Der Großvater lässt darin in sexuell abfälligen Worten dem Kind gegenüber seinen Fantasien freien Lauf, was er in dieser Situation am liebsten mit dem hilflosen, schlafenden Mädchen anfangen würde.

Der Mann gesteht den Tatvorwurf ein. Doch was er dazu - für die Anklage zuvor völlig unbekannt - erklärt, macht den Fall immer bizarrer. "Ich habe meiner Enkelin das Nachthemd nicht hochgezogen", beteuert er. Aber er habe von dem Kind insgesamt vier Bilder gemacht - und das in zwei Etappen. "Ich bin früh raus und bin dann zum Bäcker, um frische Brötchen zu holen, danach habe ich die anderen Fotos gemacht", schildert er. Nach jenem Bäckerbesuch sei auch das Foto entstanden, dass er sich später ausgedruckt habe.

"Warum macht man so ein Bild in einen schönen Aufstellrahmen?", will der Richter wissen. Der Angeklagte erklärt, er wisse nicht mehr, warum er das überhaupt gemacht habe. "Ich habe mir schon die schwersten Vorwürfe gemacht", sagt er. Nie im Leben habe er Triebe verspürt, Sex mit Kindern zu haben - ganz im Gegenteil: "Ich bin schon immer absoluter Gegner von Pädophilie", sagt er.

Das absurde Märchen von Gran Canaria

Wie glaubwürdig diese Einlassungen sind, zeigt der zweite Teil der Anklage. Demnach wurde bei einer Durchsuchung in der Wohnung des Mannes im März 2018 eine Computerfestplatte sichergestellt. Darauf gespeichert: Zahlreiche Aufnahmen von entblößten kleinen Mädchen - offensichtlich dazu gebracht, ihr Geschlechtsteil vor der Kamera zu präsentieren. Manche der Fotos zeigen auch, wie Mädchen sexuelle Handlungen an Männern vornehmen. Insgesamt 20 Fotos und deren Inhalt listet die Anklage auf.

Auch diese Taten räumt der Angeklagte ein - und liefert auch dafür geradezu absurde Erklärungen. Das Ganze sei nämlich nur ein Zufall gewesen, ein Versehen gewissermaßen. "Ich habe im Januar 2018 im Internet nach Seiten über Gran Canaria gesucht", erklärt der Mann - für eine Urlaubsreise. Und beim Surfen sei er dann ganz unabsichtlich auf jene Kinderporno-Seite geraten. Und ja, er habe sich die 20 Fotos heruntergeladen. "Warum haben Sie die Fotos heruntergeladen? Um das Hotel wiederzufinden?", fragt Richter Kai Ronsdorf und macht dem Mann klar, dass er ihm kein Wort glaubt: "Wissen Sie, ich nutze auch schon seit vielen Jahren das Internet und suche dort auch oft nach Urlaubszielen. Aber ich bin dabei noch nie zufällig auf eine Porno-Seite gelangt", sagt der Richter, und: "Es kann nicht zufällig sein, dass Sie Interesse an Kindern haben?"

Alles kam durch perverses Protzen ans Licht

Die Glaubwürdigkeit des Mannes wird zusätzlich dadurch erschüttert, wie die ganze Sache mit den Fotos der Enkelin und den anderen Kinderpornofotos überhaupt aufgeflogen ist. Im Frühjahr 2018 nämlich chattete er in einer Facebook-Gruppe mit dem Namen "Inzest". Dort schilderte er - wahrheitswidrig - regelmäßig sowohl mit seiner Mutter als auch seiner kleinen Tochter Sex zu haben - auch gemeinsam und immer einvernehmlich. Das war offenbar auch einem Mitglied dieser Facebook-Gruppe zu heftig. Es kam zu einer Anzeige, Ermittlungen und schließlich der Hausdurchsuchung, bei der dann auch die Fotos der Enkeltochter auftauchten.

"Ich habe da bloß ein bisschen provoziert", sagt der Mann vor Gericht. In Wahrheit käme es ihm nie in den Sinn, sexuelle Handlungen an Kindern vorzunehmen oder auch Inzest zu üben. "Inzest ist ja verboten", sagt er - und die Teilnahme an jener Gruppe begründet er damit, sich bloß mal informiert haben zu wollen, was in solchen Gruppen abgeht.

Urteil wesentlich härter als Forderung der Anklage

Die Staatsanwältin fordert in ihrem Plädoyer eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, zuzüglich 1.000 Euro Geldauflage, zahlbar an eine gemeinnützige Einrichtung. Sie sieht es als strafmildernd an, dass der Mann bislang nicht vorbestraft ist und die Taten auch schon lange zurückliegen. Der Verteidiger stellt keinen Antrag, bittet jedoch um ein "mildes Urteil".

Für Milde oder gar eine Strafaussetzung zur Bewährung sieht Amtsrichter Kai Ronsdorf dagegen keine Veranlassung. "Wenn ich mir anhöre, wie Sie hier rumgeeiert und was für Geschichten Sie mir erzählt haben", sagt er. Der Umstand, dass zwischen den Fotos von seiner Enkelin ein Besuch beim Bäcker gelegen habe, könne gar zu einer weiteren Anklage führen - weil es so nicht mehr eine Tat war, sondern zwei unterschiedliche. Und was seine Ausführungen auf der Facebook-Seite "Inzest" betreffe: "Auf solche Ideen kommt man normalerweise nicht - jedenfalls nicht zum Provozieren."

Das Gericht verurteilt den Mann zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten - ohne Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Kai Ronsdorf gibt dem Verurteilten mit auf den Weg: "Sie können sich für die Kollegen vom Landgericht ja noch etwas anderes ausdenken."

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