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Lebt ein zweites Murmeltier bei uns?

Nach den ersten drei Beobachtungen zwischen Großhennersdorf, Oderwitz und Ruppersdorf gibt es jetzt eine Sichtung bei Eibau.

Dieses Murmeltier wurde in den Wald- und Feld-Gebieten zwischen Großhennersdorfer, Oderwitzer und Ruppersdorfer Flur gesehen.
Dieses Murmeltier wurde in den Wald- und Feld-Gebieten zwischen Großhennersdorfer, Oderwitzer und Ruppersdorfer Flur gesehen. © Björn Lange

Als Robert Breuer mit seiner Tochter am Wochenende den Ebersbacher Weg in Eibau lang fährt, stutzt er. An der Wiese, auf der sie Heu gemacht haben, stehen zwei Frauen und beobachten etwas. Robert Breuer hält an und schaut ebenfalls in die Richtung. "Da ist irgend etwas auf der Wiese", sagt ihm eine der beiden Frauen.

Jetzt sieht er es auch. Er filmt es mit dem Handy, so gut es bei der Entfernung geht. Was da über die Wiese rennt, kann er auch nicht sagen. "Gerade bei uns in Eibau gesehen … ich würd's für ein Murmeltier halten" postet er auf Facebook. Und er erhält viele Kommentare darauf. Manche tippen auf einen Nutria, andere auf ein Murmeltier - bis hin zu einem Biber oder Marderhund gehen die Vermutungen. Wobei letzteres sehr unwahrscheinlich ist. Nicht nur wegen der zu kleinen Beine.

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Bereits Ende Mai ist ein Murmeltier bei Großhennersdorf entdeckt worden. Anja Dutschke hatte es bei einer Gassi-Runde in den Wald- und Feld-Gebieten zwischen Großhennersdorf, unterhalb vom Langen Berg, in Richtung Ruppersdorfer Flur gesehen. Berry, ihr Labrador-Mischling, hatte es im hohen Gras aufgescheucht. Wenig später ist das Murmeltier auch von Björn Lange aus seinem Auto heraus auf einem anderen Weg in der Nähe gefilmt und fotografiert worden.

Die SZ hatte daraufhin das Video und das Foto an einen Experten für Murmeltiere geschickt. Dr. Fredy Frey-Roos ist Wildbiologe an der Universität für Bodenkultur in Wien und dem Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft in Österreich. Er kennt sich bestens aus mit Murmeltieren. Und er bestätigt, dass da zwischen Großhennersdorf, Oderwitz und Ruppersdorf eindeutig ein Murmeltier in freier Wildnis lebt.

Am Montag hat er sich auch das neue Video von Robert Breuer angeschaut. "Ja, es ist eindeutig wieder ein Murmeltier. Ich würde sogar sagen, es ist dasselbe Tier", berichtet er der SZ am Telefon. Er kann sich nicht vorstellen, dass hier zwei Einzeltiere zu Hause sind. Murmeltiere leben in Hochgebirgen. Ihre natürlichen Lebensräume befinden sich in den Alpen, den Karpaten und der Hohe Tatra.

Dr. Fredy Frey-Roos hält es für sehr wahrscheinlich, dass das Murmeltier in der Oberlausitz von irgendwo ausgebüxt ist oder ausgesetzt wurde. Im Naturschutz-Tierpark Görlitz werden sechs Alpenmurmeltiere gehalten. "Alle sind da", berichtet die Kuratorin des Tierparks, Catrin Hammer. Die SZ hatte sie am Montag, wie auch schon vor einigen Wochen bei der ersten Sichtung eines Murmeltieres, angerufen.

Catrin Hammer, wie auch Fredy Frey-Roos halten es für möglich, dass das Murmeltier inzwischen von Großhennersdorf bis nach Eibau gewandert ist. "Zwei Kilometer am Tag sind für das Tier kein Problem", sagt der österreichische Wildbiologe. Und die Görlitzer Tierpark-Kuratorin fügt hinzu: "Murmeltiere sind zwar standorttreu, aber wenn sie auf Suche nach Artgenossen oder einen geeigneten Platz für einen Bau sind, können sie schon so eine Strecke schaffen."

Murmeltiere sind Kolonie-Tiere. Sie brauchen die Gemeinschaft. In der Kolonie schützen sie sich auch gegenseitig vor ihren natürlichen Feinden. Und die gibt es unter anderem mit Wolf, Marderhund, Fuchs und Adler auch in der Oberlausitz.

Bei der Analyse des ersten, Ende Mai gedrehten Videos, ist Fredy Frey-Roos auch die spezielle Fellfärbung aufgefallen. "Das ist sehr wahrscheinlich kein Murmeltier aus den Alpen. So eine Fellfärbung haben die Murmeltiere in den Karpaten", sagt der Wildbiologe.

Erneut in Großhennersdorf aufgetaucht

Wegen des Murmeltiers ist auch schon Gerd Hummitzsch von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes in Großhennersdorf gewesen. Denn einige Tage, nach denen es Anja Dutschke und Björn Lange unabhängig voneinander gesehen hatten, wurde es am anderen Ende von Großhennersdorf erneut gesichtet.

"Das Tier scheint gestresst zu sein - auch, weil es allein ist", vermutet Gerd Hummitzsch. Er hofft, dass es für sich irgendwann mal einen Bau baut. Dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, mal ein paar Fellhaare oder Kot von dem Tier zu finden. Damit wäre dann eine genetische Untersuchung möglich.

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"Erst einmal ist es doch ein gutes Zeichen, dass das Murmeltier überhaupt noch lebt", schildert der österreichische Wildbiologe. Er macht sich aber auch Sorgen wegen der Nahrung für das Tier. Mal abgesehen von ein paar Käfern sind Murmeltiere Vegetarier. Sie fressen aber nicht einfach Gras. "Sie brauchen bestimmte Kräuter mit speziellen Fettsäuren, die es in Hochgebirgen gibt", erzählt er. Die kommen im Löwenzahn zwar auch vor, aber das allein reicht nicht zum Anfüttern für den langen Winterschlaf, den die Nager halten.

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