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Großschönau plant einen Millionen-Coup

Die Gemeinde hat die einmalige Chance, die Geschichte eines ihrer bedeutendsten Baudenkmale neu aufleben zu lassen - und will sie beim Schopfe packen.

Die 1871 eröffnete Webschule in Großschönau ist ein einzigartiges Denkmal der reichen Textilgeschichte des Ortes. Die könnte jetzt auf ganz neue Weise fortgeschrieben werden. Das Interesse daran ist groß.
Die 1871 eröffnete Webschule in Großschönau ist ein einzigartiges Denkmal der reichen Textilgeschichte des Ortes. Die könnte jetzt auf ganz neue Weise fortgeschrieben werden. Das Interesse daran ist groß. © Matthias Weber/photoweber.de

Nicht alle Großschönauer Gemeinderäte kann Bürgermeister Frank Peuker (parteilos) von seiner Idee gleich überzeugen, die meisten aber sind von Anfang an begeistert: Die Gemeinde hat die einmalige Chance, die Geschichte eines ihrer bedeutendsten Baudenkmale neu aufleben zu lassen. Sie hat auch die Chance, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: eine bedeutende und ortsprägende Industriebrache zu sanieren - und sie zugleich mit einer Nutzung wiederzubeleben, die die reiche Wirtschaftstradition des Ortes nicht nur bewahren, sondern nach heutigen Ansprüchen weiterführen könnte.

Auf ihrer letzten Gemeinderatssitzung entschieden sich die Räte mehrheitlich dafür, die Chance beim Schopfe zu packen - ermöglicht durch einen Millionen-Coup. Läuft es nach Plan, könnte die frühere Oberlausitzer Webschule wieder eine Webschule werden. Aber der Reihe nach:

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Der aus der Gründerzeit stammende Gebäudekomplex, eines der bedeutendsten und prägendsten Baudenkmale in Großschönau, steht leer und soll der Nachwelt erhalten werden. Dafür aber braucht es auch eine neue Nutzung. "Wir wollten das Gebäude und seine Tradition von Anfang an wieder ins Bewusstsein der Menschen zurückholen und vor allem auch sinnvoll nutzen", sagt Bürgermeister Frank Peuker (parteilos).

Mit der Idee, aus der ehemaligen Aula der Berufsschule wieder einen Veranstaltungssaal und einen Ort der Begegnung zu machen, und im Gebäude Räume für Kreativwerkstatten und die Fortführung der reichen Textiltradition des Ortes einzurichten, hatte sich die Gemeinde 2018 an einem Ideenwettbewerb beteiligt und den mit 450.000 Euro dotierten Hauptpreis gewonnen.

Die alte Webschule an der Waltersdorfer Straße ist eines der bedeutendsten und dominantesten Baudenkmale in Großschönau. Die Gemeinde plant, die Gebäude umfassend zu sanieren und neu zu nutzen.
Die alte Webschule an der Waltersdorfer Straße ist eines der bedeutendsten und dominantesten Baudenkmale in Großschönau. Die Gemeinde plant, die Gebäude umfassend zu sanieren und neu zu nutzen. © Matthias Weber

Das Projekt wird bereits diskutiert. In einem kreativen Prozess, an dem im vorigen Jahr Textilexperten aus ganz Deutschland und auch Einwohner der Gemeinde beteiligt waren, wurden die Ideen schon konkretisiert. "Wir könnten das jetzt mit dem Preisgeld so angehen", sagt der Bürgermeister. "Wir haben jetzt aber auch aus einer anderen Richtung die Chance bekommen, die Sache größer anzugehen."

Die neue Chance für Großschönau steckt im "Kohlefonds", dem Milliarden-Topf, mit dessen Hilfe der Strukturwandel in der Lausitz in den kommenden Jahren und Jahrzehnten gestemmt werden soll. Großschönau will auch diesen Topf anzapfen und wird jetzt Anträge auf Fördermittel aus zwei verschiedenen Fördertöpfen stellen. Zum einen sollen die Kosten für die umfassende Sanierung des Gebäudekomplexes gedeckt werden, zum anderen der Personalbedarf für die künftige Nutzung. Den finanziellen Eigenanteil der Gemeinde würde das Preisgeld decken.

Das zuständige sächsische Ministerium für Regionalentwicklung hat der Gemeinde bereits signalisiert, dass dieses Vorgehen möglich ist. An der Webschule könnte dann - neben dem Veranstaltungssaal und den Kreativwerkstätten - künftig vielleicht auch wieder der Nachwuchs für die Textilindustrie ausgebildet werden, und zwar passgenau für die Unternehmen und nach heutigen Berufsbildern. Die Geschäftsführer von Damino und Frottana hätten jedenfalls bereits großes Interesse an dem Vorhaben angemeldet, sagt der Bürgermeister. Die Webschule liegt ja auch direkt zwischen den beiden großen Textilbetrieben an der Waltersdorfer Straße.

Hier würde sich dann auch der Kreis zur Geschichte schließen: Die Großschönauer Unternehmerschaft hatte die Berufsschule 1871 gegründet, um den eigenen Fachkräfte-Nachwuchs zu sichern. Auszubildende kamen damals aus ganz Europa und sogar bis aus dem fernen Russland.

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