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Wie Produkt-Piraten Zittauer Studenten abzocken wollen

Die Hochschule Zittau/Görlitz verkauft als Image-Werbung Kleidungsstücke mit dem Hochschul-Logo. Auf dieses Geschäft hatten es nun Fälscher abgesehen.

Modeartikel mit dem Logo der Hochschule Zittau/Görlitz sind beliebt bei Studenten.
Modeartikel mit dem Logo der Hochschule Zittau/Görlitz sind beliebt bei Studenten. © Hochschule Zittau-Görlitz

Die Idee der Hochschul-Mode schwappte vor ein paar Jahren aus den USA nach Deutschland über. Dort ist es seit Jahrzehnten unter Studenten Tradition, einen Pullover oder ein T-Shirt mit dem Logo oder Wappen ihrer Universität zu tragen. Für die Anbieter ist das längst ein Milliarden-Geschäft geworden. Selbst Touristen kaufen solche Merchandising-Artikel besonders von Elite-Unis von Weltruf wie Harvard, Yale, Princeton oder Columbia gerne als Souvenir. Auch die Hochschule Zittau/Görlitz bietet ein breites Sortiment solcher Artikel an. Und obschon deren Logo kein weltbekanntes Markenlabel ist, wurde die Hochschule jüngst Opfer von Produkt-Piraten, die mit gefälschten Kleidungsstücken an das Geld von Studenten wollten.

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Rund 100 Produkte listet der "Campus Shop" der Hochschule auf, von der College-Jacke über die bei der Jugend populären "Hoodies" (Kapuzen-Pullis), T-Shirts, Polo-Shirts bis zu Baby-Stramplern aus Bio-Baumwolle. "Die mit Abstand beliebtesten Artikel sind die Hoodies und die Gürteltaschen", sagt Hochschul-Sprecherin Antje Pfitzner. Und bei der Erweiterung des Sortiments könne man auch sehr spontan reagieren. "Als die Corona-Pandemie aufkam, hatten wir sehr schnell Masken mit Hochschul-Logo im Shop", so Pfitzner. Ein wirkliches Geschäft ist der Handel mit den Merchandising-Artikeln nicht. "Im Jahr 2021 hatten wir bis jetzt rund 170 Bestellungen, die meistens aus mehreren Artikeln bestehen", sagt Pfitzner. Dennoch sieht die Hochschule darin ein wichtiges Instrument zur Image-Bildung. Denn wer solche Pullis oder T-Shirts trage, zeige damit seine besondere Verbundenheit mit der Hochschule Zittau/Görlitz.

Alle deutschen Hochschulen betroffen

Die Hochschule verdient mit der Mode zwar nichts - sie macht aber auch keinen besonderen Aufwand. "Der Campus Shop läuft nur online, auch wenn wir gerne irgendwann auch mal einen Verkaufsraum hätten", sagt Pfitzner. Die Hochschule bevorrate selbst keinen einzigen der Artikel. Jeder einzelne würde nur auf Bestellung angefertigt und geliefert. Dafür arbeitet die Hochschule mit einem Leipziger Anbieter zusammen, der sich wie einige andere in der Republik auf solche Uni-Mode spezialisiert hat und auch die Zahlungsabwicklung übernimmt. "Das war ganz wenig Arbeit, außer dass wir die Logo-Designs erstellt haben und wir bestimmen auch, in welchen Farben die Artikel angeboten werden", erklärt Antje Pfitzner - weil nicht jede Farbe passe zum gewünschten Markenauftritt.

Und überhaupt nicht zum gewünschten Auftritt passen Produkt-Piraten, die über Werbung in sozialen Medien im Internet gefälschte Artikel verkaufen wollen. "Wir sind darauf aufmerksam geworden über den Bundesverband Hochschulkommunikation. Dort hat ein Mitglied das gemeldet", sagt Pfitzner. Und schnell habe sich gezeigt: Sämtliche deutschen Hochschulen sind betroffen. Auch einige Absolventen der Hochschule hätten sich gemeldet, weil sie gemerkt hatten, dass da Produkt-Piraten am Werk sind. "Das hat uns insofern gefreut, als dass es sehr für die Bindung der Ehemaligen an die Hochschule spricht", sagt Pfitzner.

Wie Internet-Werber potenzielle Käufer finden

Die Werbung der Fälscher war auch verräterisch. "Die haben nicht mal unser Logo verwendet, sondern sich irgendetwas selbst zusammengebastelt", sagt Pfitzner. Ansonsten sei die Kampagne aber durchaus professionell gewesen - denn die Werbung ploppte überwiegend auf den Computerbildschirmen von Personen auf, die sich auch tatsächlich für solche Produkte der Hochschule interessieren könnten - also etwa Studenten oder Ehemalige. "Da kam dann auf Facebook eine Anzeige: Kauf Dir ein Hoodie von der Hochschule Zittau/Görlitz mit einem entsprechenden Foto und natürlich ein Link zu einem Internet-Shop", sagt Antje Pfitzner.

Möglich machen diese gezielte Online-Werbung sogenannte "Cookies". Das sind kleine Dateien, die sich beim Besuch vieler Internetseiten herunterladen. Man kann diese Cookies ablehnen - dann aber ist es oft nicht möglich, eine Seite vollständig zu nutzen. Und mit dem Zulassen dieser Cookies hinterlässt man im Netz eine Fährte seiner Interessen, die gezielt von Unternehmen aufgespürt wird, die im Netz Werbung betreiben. Jeder kennt das Phänomen: Sucht man im Netz etwa nach einer Reise nach Spanien, bekommt man kurz darauf Werbeanzeigen von Reiseanbietern, spanischem Wein oder Kochbüchern spanischer Küche eingeblendet. Und wer im Netz zum Beispiel die Seite der Hochschule anklickt oder vielleicht auch die einer Studentenkneipe, wird dadurch von Werbe-Profis als potenzieller Käufer der Hochschul-Hoodies identifiziert.

Auch wenn die Fälscher nicht das echte Logo verwendet haben, ist die Werbung schon deshalb illegal, weil sie ohne Erlaubnis gewerblich den Namen der Hochschule verwendet und vorgegaukelt hat, ein Produkt dieser Hochschule zu verkaufen. Die Hochschule wollte unbedingt vermeiden, dass durch solche Anzeigen irgendjemand getäuscht und zum Kauf eines gefälschten Produkts verleitet wird. "Wir haben den Anbieter angeschrieben und der hat die Artikel auch tatsächlich sofort aus dem Sortiment genommen", sagt Antje Pfitzner. Für die Hochschule sei der Fall damit erledigt. Ob irgendjemand ein Produkt mit dem gefälschten Logo der Hochschule Zittau/Görlitz auf diesem Wege erworben hat, weiß die Hochschul-Sprecherin nicht. Auch nicht, inwieweit die Kampagne der Produkt-Piraten bei anderen Hochschulen Erfolg hatte.

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