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Oybin: Was passiert mit der Hochwaldbaude?

Seit Jahren dringt Wasser in die Grundmauern des Berggasthauses. Der steile Felsenhang muss dringend notgesichert werden - sonst droht Gefahr.

Torsten Grundmann ist der Wirt und Pächter der großen Baude auf dem Oybiner Hochwald. Das Grundstück samt Grundmauern gehört der Stadt Zittau.
Torsten Grundmann ist der Wirt und Pächter der großen Baude auf dem Oybiner Hochwald. Das Grundstück samt Grundmauern gehört der Stadt Zittau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Das Schneeschippen ganz oben auf dem Hochwald ist ein Kraftakt. Torsten Grundmann braucht den ganzen Vormittag, bis er alle Wege und Treppen um seine Baude freigeschaufelt hat. Die ersten Mittagsgäste könnten kommen. Wenn sie dürften!

Grundmann rammt die Schippe in den Schneehaufen und zieht die Jacke aus. Alles Mist! Seit zwei Monaten kann auch die große Baude auf dem Oybiner Hochwald keine Gäste mehr empfangen. Dabei ist der zweithöchste Berg des Zittauer Gebirges nach wie vor ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Vor allem in diesen Tagen, wenn es sich zum ersten Mal in diesem Winter lohnt, den Schlitten mitzubringen.

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Seit zwei Monaten verdient Torsten Grundmann so gut wie kein Geld mehr. Von den Novemberhilfen, die wenigstens einen Teil seiner entgangenen Einnahmen decken sollen, hat er bisher nur einen ersten Abschlag erhalten. Für den Dezember ist noch gar nichts gekommen. Und jetzt werden die Gaststätten auch noch den ganzen Januar geschlossen bleiben. Das ist zwar noch nicht offiziell ausgesprochen, "aber wer glaubt denn jetzt noch etwas anderes", fragt Torsten Grundmann mit zusammengebissenen Zähnen.

Und trotzdem macht sich der Wirt jeden Tag auf den Weg zum Gipfel. Er muss nach dem Rechten sehen - und er muss heizen, damit ihm hier oben die Leitungen nicht einfrieren. Ein großer Aufwand für nahezu nichts. Aber das ist das geringere Problem, das Torsten Grundmann irgendwie in den Griff kriegen wird.

Das noch viel größere Problem für den 45-Jährigen ist der bauliche Zustand der Baude - oder besser der Zustand unter der Baude: Seit Jahren ist bekannt, dass Baufehler beim Wiederaufbau der Baude nach einem Brand im Jahr 1937 und bei späteren Sanierungsarbeiten zu DDR-Zeiten dazu geführt haben, dass ständig Wasser in die Grundmauern und in den steilen Hang eindringt, auf dem die Baude wie ein Vogelnest thront.

Aus dieser Perspektive ist das Problem gut zu erkennen: Die Hochwaldbaude steht auf einer steilen Grundmauer. Eindringendes Wasser hat die Gründung instabil werden lassen. Eine Sicherung ist dringend nötig.
Aus dieser Perspektive ist das Problem gut zu erkennen: Die Hochwaldbaude steht auf einer steilen Grundmauer. Eindringendes Wasser hat die Gründung instabil werden lassen. Eine Sicherung ist dringend nötig. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Genaue Baugrunduntersuchungen haben das ganze Ausmaß des Schadens Anfang letzten Jahres ans Licht gebracht: Im Hang gibt es bereits Unterspülungen, Ausspülungen, Hohlräume. Der Baugrund ist mittlerweile derart instabil, dass sich in den Mauern der Baude schon Risse gebildet haben.

Eine Notsicherung der Gründung und eine Entwässerung ist deshalb dringend erforderlich - und sollte auch schon vor Monaten angegangen werden. Zuständig dafür aber ist nicht Torsten Grundmann als Erbpächter der Baude, sondern die Stadt Zittau, zu deren Grundbesitz auch der Hochwald gehört.

Schon Anfang letzten Jahres hatte die Stadt mit den Planungen für die Sicherung des Baugrunds begonnen. Das Vorhaben an dem steilen Berghang aber ist kompliziert und teuer. Der beauftragte Bauplaner schätzt die Kosten auf mindestens eine Million Euro - im günstigsten Fall.

Als finanzielle Unterstützung hatte der Freistaat der Stadt Fördergeld aus dem ehemaligen SED-Vermögen in Aussicht gestellt, das die DDR-Staatspartei auf Schweizer Konten gebunkert hatte. Aber offenbar gibt es noch Probleme mit dem Fördermittelantrag.

Kurz vor Weihnachten, sagt Grundmann, habe es im Zittauer Rathaus ein "großes Gespräch" gegeben, an dem auch Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) und der Zittauer Landtagsabgeordnete Stephan Meyer (CDU) teilgenommen haben. Über Inhalt und Ergebnis ist bisher nichts bekannt. Es bestehe noch "weiterer Abstimmungsbedarf innerhalb der Verwaltung", heißt es auf Nachfrage aus dem Zittauer Rathaus.

Torsten Grundmann wird langsam unruhig. "Es vergeht ein Monat nach dem anderen, ohne dass etwas passiert", sagt er. "Dabei hätte ich gerade jetzt die Zeit wunderbar nutzen können." Denn im Zuge der Baumaßnahmen sollen in der Baude auch die Küche und der Toilettenbereich saniert werden. Zudem dränge der Denkmalschutz auf zusätzliche Brandschutzmaßnahmen.

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