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Flutschäden so schlimm wie 2010 und 2013

Mittelherwigsdorf hat ein großes Problem, in Bertsdorf-Hörnitz könnten die Schäden in die Millionen gehen, in Oderwitz rettet die mobile Wassersperre einen Dreiseithof.

Die Hauptstraße war in Mittelherwigsdorf überflutet. Der Bach drückte das Wasser in Häuser und Keller. 1,50 Meter stand der Heizungskeller der Grundschule unter Wasser.
Die Hauptstraße war in Mittelherwigsdorf überflutet. Der Bach drückte das Wasser in Häuser und Keller. 1,50 Meter stand der Heizungskeller der Grundschule unter Wasser. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Randvoll ist der Dorfbach am Sonnabend nach den starken Regenfällen in Mittelherwigsdorf gewesen. Stellenweise wurden Straßen überflutet, liefen Keller voll. Straßen, Fußwege und Brücken wurden beschädigt. Auf der Gemeinderatssitzung am Montagabend gab Bürgermeister Markus Hallmann (Freier Wählerverein) einen ersten Überblick über das Ausmaß der Schäden in den vier Ortsteilen, zu denen auch Eckartsberg, Oberseifersdorf und Radgendorf gehören.

"Ich will es nicht klein reden, wenn ich sage, dass wir im Verhältnis zu der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg noch glimpflich davon gekommen sind. Ich weiß, auch die Familien bei uns, denen das Haus oder die Keller vollgelaufen sind, machen gerade Schlimmes durch", sagt er.

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Gleich am Wochenende und auch noch am Montag war er in den Ortsteilen unterwegs, um sich die Schäden anzusehen und mit betroffenen Bürgern zu reden. In Eckartsberg war die Geschwister-Scholl-Straße vom Konsumwehr bis etwa Höhe Eichenwäldchen überflutet. "Das Wasser kam nicht vom Eckartsbach, sondern von der anderen Seite von den Hängen herunter", schildert der Bürgermeister. Auch die Anwohner an anderen Straßen mit Hanglage im Ortsteil hatten Land unter vor und in ihren Grundstücken. Wie hoch die Schäden bei den privaten Grundstücksbesitzern sind, lässt sich im Moment noch nicht sagen.

Der Eckartsbach in Oberseifersdorf überschwemmte hier ein Grundstück. Auch im Mittelherwigsdorfer Ortsteil musste die Feuerwehr Keller auspumpen und Sandsäcke verteilen.
Der Eckartsbach in Oberseifersdorf überschwemmte hier ein Grundstück. Auch im Mittelherwigsdorfer Ortsteil musste die Feuerwehr Keller auspumpen und Sandsäcke verteilen. © Holger Gutte

Betroffen sind ebenso die Mittelherwigsdorfer. Hier stand das Wasser an einigen Straßenabschnitten 40 Zentimeter hoch und floss in einige Häuser. Die Schäden an den Straßen und Wegen kann die Gemeinde mit den Mitarbeitern vom Bauhof beseitigen. Vor einem viel größerem Problem steht die Gemeinde nun aber bei der Grundschule.

Zu den zwölf Kellern, die allein in Mittelherwigsdorf ausgepumpt werden mussten, gehörte der in der Grundschule. Hier stand am Sonnabend der Heizungskeller 1,50 Meter unter Wasser. "Das Blockheizkraftwerk und die gesamte Heizung sind hin. Wir müssen schnellstmöglich sehen, wie wir bis zum Herbst die Heizung wieder in Gang kriegen", sagt Markus Hallmann.

Die ist noch gar nicht so alt. Das Blockheizkraftwerk hat die Schule mit Strom und Wärme versorgt. 50.000 Euro hat allein das Gerät gekostet. Nun rechnet der Bürgermeister mit einer hohen fünfstelligen Summe, um den Schaden in der Schule beheben zu können. Der Strom ist für die Schule kein Problem. Der kann ebenso über das normale Netz bezogen werden.

Während in Eckartsberg das neue Regenrückhaltebecken fast leer blieb, lief es in Oberseifersdorf über und überschwemmte die Straße. "Hätte es auch nur eine Stunde länger geregnet, wäre das Ausmaß der Schäden in unserer Gemeinde verheerend gewesen", schildert Markus Hallmann.

Allein am Dorfbach bis 900.000 Euro Schaden

Für seinen Amtskollegen Günther Ohmann in Bertsdorf-Hörnitz ist es das schon. "Die Schäden, die wir von den Hochwasserkatastrophen 2010 und 2013 am Dorfbach behoben hatten, haben wir jetzt wieder", sagt er. Der Bürgermeister schätzt den Schaden an Bachmauern, unterspülten Brücken und Böschungen auf etwa 800.000 bis 900.000 Euro. Das ist aber erst einmal nur sehr grob geschätzt.

Schwer betroffen ist auch eine Mauer, wodurch eine Garage nun notgesichert werden muss. Mehrere Keller sind in der Gemeinde vollgelaufen und wurden von der Feuerwehr leer gepumpt. Auch das Erdgeschoss stand in einigen Häusern unter Wasser. "Wir haben Bürger, die mussten jetzt schon wieder ihre Möbel rausstellen, weil sie abgesoffen sind", schildert er.

Die Gemeinde hat sich vorgenommen, jedes Jahr eine Brücke zu sanieren. Aber jetzt wurden ja die Fördermittel dafür extrem gestrichen. "Seit Jahren kämpfen wir auch um Fördermittel für Regenwasserrückhaltebecken. Aber dafür ist einfach kein Geld da", ärgert sich Günther Ohmann. Drei sollen dem Ortsteil Bertsdorf bei Hochwasser helfen. Das Becken am Sportplatz ist sogar schon geplant. Ohne Fördermittel kann sich die Gemeinde solche Projekte aber nicht leisten. Zwei sind zudem links und rechts im Bereich der Oberdorfstraße/Viebig vorgesehen. Außerdem ist in Hörnitz unterhalb der Koitsche ein größeres Rückhaltebecken geplant. Die hätten der Gemeinde jetzt geholfen. Wann es Geld dafür gibt und ob sie überhaupt gebaut werden, kann der Bürgermeister nicht sagen.

Bewährungsprobe für mobile Wassersperre

In Oderwitz haben Feuer- und Wasserwehr erstmals ihre gerade erst gekaufte mobile Wassersperre eingesetzt. Diesmal allerdings nicht, wie noch bei der Vorführung in der vergangenen Woche im Landwasser, sondern an Land. Dank der Wassersperre konnte in der Oberherwigsdorfer Straße verhindert werden, dass das Hochwasser in einen Dreiseithof fließt und an ihm vorbeigeleitet werden.

Zwischen Sonnabend 15.40 Uhr und Sonntag 2 Uhr hatten die Kameraden 27 kleinere Einsätze. Überflutungen gab es vom Ortsausgang bis zum Sandbüschel. "Ein Schwerpunkt war zudem am Weiher, einem alten Seitenarm vom Landwasser", berichtet Gemeindewehrleiter Alexander Pollier.

An einer Stelle ist der Zufluss verrohrt. Solche Wassermassen wie am Sonnabend schafft das Rohr nicht. Der Feuerwehr gelang es aber mit abpumpen, vier vom Wasser bedrohte Häuser zu schützen. Statt 20 Zentimeter betrug der Pegel des Landwassers in Niederoderwitz 1,18 Meter, schildert Alexander Pollier.

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