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Pilotprojekt zum Hochwasserschutz

Gegen die Angst der Leutersdorfer und Spitzkunnersdorfer vor neuen Überschwemmungen wird ein Plan erarbeitet - der nun vorgestellt wird.

Alle Wohn- und Nebengebäude von Cornelia Specht standen im Mai 2017 einen Meter unter Wasser. Zurück blieben eine dicke Schlammschicht und viele Schäden. Die Spitzkunnersdorfer wünschen sich seither einen Hochwasserschutz.
Alle Wohn- und Nebengebäude von Cornelia Specht standen im Mai 2017 einen Meter unter Wasser. Zurück blieben eine dicke Schlammschicht und viele Schäden. Die Spitzkunnersdorfer wünschen sich seither einen Hochwasserschutz. ©  Matthias Weber (Archiv)

Bei starken Regenfällen schauen vor allem die Spitzkunnersdorfer sorgenvoll aus ihren Fenstern. Schon sechs Hochwasserkatastrophen haben sie seit 2010 hinter sich. Wobei die Jahrhunderthochwasser von 2010 und 2013 punktuell in Spitzkunnersdorf sogar noch zweimal übertroffen wurden.

Damals sind vor allem die Grundstücke und Häuser an der Dorfstraße im Niederdorf zwar auch von den Wassermassen überflutet worden, im Mai und im Juni 2017 kamen dann aber noch riesige Schlammlawinen hinzu.

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Die Angst sitzt den Bürgern deshalb bei jedem Wolkenbruch ständig im Nacken. Die Spitzkunnersdorfer warten immer noch auf Lösungswege. Um die zu finden, gibt es jetzt eine Einwohnerversammlung zu dem Thema. Die findet am 22. Juli um 19 Uhr in der Turnhalle in Leutersdorf, in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 24, statt. "Wir sind mit dem Veranstaltungsort nach Leutersdorf ausgewichen, weil wir hier mehr Platz haben", sagte Bürgermeister Bruno Scholze (CDU) auf der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Seit 2018 besitzt der Leutersdorfer Ortsteil eine Wasserwehr. Regenwasserrückhaltebecken fehlen aber immer noch. Im Juni 2020 hatte die Gemeinde Leutersdorf eine Planungsgesellschaft damit beauftragt, einen Hochwasser-Risiko-Managementplan inklusive eines Starkregen-Risiko-Managementes für das Spitzkunnersdorfer Wasser zu erstellen.

Das Vorhaben ist sachsenweit ein Pilotprojekt und wird zu 90 Prozent gefördert. Erstmals werden damit die Gefahren durch starke Regenfälle genauso wie durch Hochwasser zusammen betrachtet.

Im Frühjahr 2020 wurde dafür das Einzugsgebiet des Spitzkunnersdorfer Wassers ausführlich vermessen. Ziel der Planung ist es, die Schäden durch die sintflutartigen Regenfälle und das Hochwasser 2017 zu dokumentieren, Hochwasserrisiko und Gefahrenkarten zu erstellen.

Die Entwürfe liegen jetzt vor

Mittlerweile liegen die Entwürfe für Gefahren- und Risikokarten vor. Sie sollen jetzt noch mit der Unteren und der Oberen Wasserbehörde abgestimmt werden. Danach gilt es Maßnahmen zu finden, mit denen die Situation vor Ort wirkungsvoll verbessert werden kann.

Zu Beginn der Einwohnerversammlung und der anschließenden Diskussionsrunde mit den Bürgern gibt es einen Vortrag, in dem der jetzige Planungsstand sowie die bereits entwickelten Gefahren- und Risikokarten vorgestellt werden. Die Einwohner sollen ihre Schäden melden und sich an der Suche nach sinnvollen Maßnahmen beteiligen und einbringen. Im nächsten Planungsschritt werden die Maßnahmen im Modell nachgebildet und dessen Wirksamkeit bewertet.

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Die Bürger sollen mit dem Risikomanagementplan künftig besser über die bestehenden Gefahren und Risiken informiert werden. Bei der Einwohnerversammlung haben die Bürger auch die Gelegenheit, mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen und Fragen zu stellen. Bürgermeister Bruno Scholze hofft, dass möglichst viele Bürger teilnehmen.

Das Pilotprojekt könnte ebenso anderen Regionen in Sachsen und darüber hinaus mit ähnlichen Schadensbildern helfen.

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