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Wenn der Bräutigam plötzlich wegrennt

Zwei Traumhochzeiten sind am Wochenende in der Schmalspurbahn am Bahnhof Bertsdorf gefeiert worden - einige Überraschungen inklusive.

Christin und Christian Tessmann geben sich das Ja-Wort im Hochzeitswaggon der Zittauer Schmalspurbahn am Bahnhof Bertsdorf.
Christin und Christian Tessmann geben sich das Ja-Wort im Hochzeitswaggon der Zittauer Schmalspurbahn am Bahnhof Bertsdorf. © Järschel-Fotografie

Für Christin Tessmann hat sich ein Traum erfüllt. "Ich habe mir schon als Kind gewünscht, auf dem Oybin zu heiraten", sagt die 34-jährige Waltersdorferin und geborene Rößner. Am Sonnabend hat sie in der Heimat ihren Christian geheiratet. Denn inzwischen lebt sie in Bruckberg im Landkreis Ansbach bei Nürnberg.

Sie und ihr Mann Christian schwärmen schon bei den Vorbereitungen. "Es war eine Traumhochzeit. Schöner hätte es für uns nicht sein können", erzählt der 41-Jährige. Eigentlich wollten sie in Zittau heiraten, mit der Schmalspurbahn ins Gebirge fahren und dann in Oybin feiern. Aber dann haben sie im Internet auf der Seite der Zittauer Schmalspurbahn (Soeg) gesehen, dass man sich sogar in der Bahn trauen lassen kann.

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Christin und Christian Tessmann vor einer Lok der Zittauer Schmalspurbahn.
Christin und Christian Tessmann vor einer Lok der Zittauer Schmalspurbahn. © Järschel-Fotografie
Das sächsisch-fränkische Hochzeitspaar mit ihrem Sohn.
Das sächsisch-fränkische Hochzeitspaar mit ihrem Sohn. © Järschel-Fotografie
Für Christin Tessmann hat sich ein Kindheitstraum erfüllt - heiraten auf dem Berg Oybin.
Für Christin Tessmann hat sich ein Kindheitstraum erfüllt - heiraten auf dem Berg Oybin. © Järschel-Fotografie
Zittaus Standesbeamtin Petra Wießner hat am Wochenende ihre letzten Trauungen im Hochzeitswaggon vollzogen.
Zittaus Standesbeamtin Petra Wießner hat am Wochenende ihre letzten Trauungen im Hochzeitswaggon vollzogen. © Matthias Weber/photoweber.de

"Wir hätten nie gedacht, dass das klappt", gesteht der frisch gebackene Ehemann. Am Valentinstag 2020 hatte er seiner Christin den Antrag gemacht. Sie waren sich sicher, dass das für eine Anmeldung für eine Trauung in der Schmalspurbahn zu spät ist. "Es ist ja nur an einem Tag im Jahr möglich. Und dann haben wir noch den 10 Uhr-Termin bekommen. Das war perfekt", schildert er. 2013 haben sich die beiden kennengelernt. Seit 2015 sind sie ein Paar. Ihr Sohn Friedrich ist jetzt knapp eineinhalb Jahre alt.

"Ich war so aufgeregt. Es ist wie im Traum. Man steht total neben sich. Und es fällt einem schwer, das alles zu realisieren", erzählt Christin Tessmann. Und dann rennt auch noch ihr Bräutigam weg, als sie schon vor der Standesbeamtin stehen. Sie hatten im Zug auf dem anderen Bahngleis die Ringe liegen lassen.

Auch der Bräutigam kann nervös sein

Sie dachte, er hat sie und er, dass sie oder der Opa die Ringe hat. Doch der stolze Opa war voll mit seinem Enkel beschäftigt. Sie wussten aber, dass der Zug nicht weg ist. Sie hatten ja den Sachsenzug für ihre Hochzeit gemietet. "Komisch war es aber schon. Die Leute am Bahnhof sahen ja, dass ich der Bräutigam bin und plötzlich wegrenne", schmunzelt er. Daran werden sie sich wohl ewig erinnern.

Dem Bräutigam steht es halt auch zu, nervös zu sein. Seiner Christin ist es auch nicht entgangen, dass er beim Aussteigen aus dem Zug keine Ansteckblume mehr am Jackett trug. Die liegt jetzt irgendwo im Gleisbett. Weil ihr Friedrich schlief, haben sie ihn im Kinderwagen gelassen und Christian stand mit ihm auf der Aussichtsplattform des Zuges. Und weil jemand von den Gästen mal mit rauskam und es eng war, sind die Blumen halt abgegangen. "Ich habe kurz überlegt, ob ich abspringe und sie hole, aber wenn ich dann hätte nicht mehr aufspringen können, wäre es das gewesen", schildert er.

Cool finden die beiden Zittaus Standesbeamtin Petra Wießner. "Man muss schon irgendwie ein Freak sein, hier zu heiraten, hat sie gesagt", erzählt Christin Tessmann. Damit spielte sie auf die Enge im Waggon und die hölzernen Sitzbänke an. "Aber das ist es doch", sagt das Ehepaar. Deshalb fanden sie auch die Hin- und Rückfahrt im über 100-jährigen Sachsenzug vom Bahnhof Bertsdorf nach Oybin, wo sie ihre Zimmer gemietet hatten, herrlich.

Natürlich ging es dann mit der gesamten Hochzeitsgesellschaft aus Sachsen und Franken auf den Berg Oybin. Und eine Rundfahrt mit dem Gebirgsexpress durch das Gebirge gab es auch, bevor in Oybin gefeiert wurde. 

Ihre letzte Trauung im Hochzeitswaggon

Als Standesbeamtin Petra Wießner nach der Trauung aus dem Hochzeitswaggon aussteigt, wischt sie sich die Tränen weg. Diesmal bekommt auch sie von der Soeg Blumen. Denn wenige Minuten später wird sie zum letzten Mal ein Paar im Hochzeitswaggon trauen. Ende Februar geht sie in Ruhestand. 2.830 Ehepaare hat sie seit 1977 getraut. Seit 2013 gehören auch die Trauungen im Boahnl dazu. "Wenn sich ein Paar im Zug das Ja-Wort gibt, ist das etwas ganz Besonderes", sagt sie.

Das finden auch Barbara und Volker Döring aus Dresden. Die beiden 66-Jährigen sind 2013 die ersten gewesen, die im Hochzeitswaggon des legendären Sachsenzuges getraut wurden. Seitdem kommen sie zu jeder Zug-Hochzeit her, um den Brautpaaren zu gratulieren.

Die zweite Hochzeit mit Überraschung

Heiko Firle und Conny Gärtig - jetzt ebenfalls Firle - waren das zweite Hochzeitspaar, das sich am Sonnabend im Waggon des legendären Sachsenzuges das Ja-Wort gab. 
Heiko Firle und Conny Gärtig - jetzt ebenfalls Firle - waren das zweite Hochzeitspaar, das sich am Sonnabend im Waggon des legendären Sachsenzuges das Ja-Wort gab.  © Matthias Weber/photoweber.de
Für Heiko und Conny Firle spielte der Spielmannszug der Großschönauer Feuerwehr.
Für Heiko und Conny Firle spielte der Spielmannszug der Großschönauer Feuerwehr. © SZ/Holger Gutte
Heiko und Conny Firle fuhren nachher ihre Gäste in diesem Ikarus durch das Gebirge.
Heiko und Conny Firle fuhren nachher ihre Gäste in diesem Ikarus durch das Gebirge. © SZ/Holger Gutte
Der Hochzeitswaggon von innen.
Der Hochzeitswaggon von innen. © SZ/Holger Gutte
Barbara und Volker Döring heirateten am 14. September 2013 als erste im Boahnl. Seitdem kommen sie zu jeder Hochzeit und gratulieren den Paaren.
Barbara und Volker Döring heirateten am 14. September 2013 als erste im Boahnl. Seitdem kommen sie zu jeder Hochzeit und gratulieren den Paaren. © Matthias Weber/photoweber.de
Barbara und Volker Döring bei ihrer Trauung am 14. September 2013. 
Barbara und Volker Döring bei ihrer Trauung am 14. September 2013.  © Schöntube

Eine Stunde nach der ersten Hochzeit wird der Bräutigam der zweiten Zug-Hochzeit am Wochenende für seine Liebste sogar wortbrüchig. "Ich habe immer gesagt, dass ich nie heiraten werde", gesteht Heiko Firle. Deshalb hat der 50-Jährige auch seiner Braut keinen Antrag gemacht. "Aber ich habe ihn gefragt", erzählt Conny Gärtig, die nun auch Firle heißt.

Das ist allerdings schon zwei Jahre her. Die beiden wollten erst einmal Cornelia Gärtigs neues Geschäft in Jonsdorf aufbauen. Sie betreibt dort den Jonsdorfer Eckladen. Die beiden kennen sich schon seit 2013. Sie sind Vereinsmitglieder beim Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahn. Heiko Firle ist inzwischen deren Vorsitzender.

Logisch, dass da für die beiden nur eine Trauung im Hochzeitswaggon des legendären Sachsenzuges in Frage kam. Obwohl, die Idee dazu kam von Cornelia Gärtig, gesteht sie. Als Helfer haben die beiden mit dem Verein schon einige Trauungen im Waggon erlebt. Deshalb hat sich Heiko Firle für seine Braut etwas Besonders einfallen lassen.

Bräutigam fährt den Oldtimer-Bus selbst

Als sie aus dem Waggon aussteigt, spielte der Spielmannszug der Großschönauer Feuerwehr. Freudestrahlend sah sie Heiko Firle an. Sie hatte ihren Liebsten doch noch unter die Haube gebracht. 

Heiko Firle kutschierte seine Gäste übrigens höchst persönlich nach der Trauung durch das Gebirge, bevor dann in Jonsdorf gefeiert wurde. Dafür hatte er extra seinen Kumpel Lars Gersten eingeladen. Und der kam mit seinem Bus-Oldtimer - einem Ikarus 256 - aus Mügeln zur Hochzeit.

Die Hochzeitsreise wollen sich beide Brautpaare noch aufheben. Corona hat den beiden Paaren ihre Traumhochzeiten aber nicht vermiest. Und was beide nicht bemerkten, den Sekt zum Anstoßen für ihre Gäste schenkte Barbara Döring ein. "Das lasse ich mir nicht nehmen", sagt sie. Und die Mitarbeiter der Zittauer Schmalspurbahn und des Interessenverbandes lassen sie da gern gewähren. Übrigens 2021 können sich wieder zwei Paare am 18. September im Hochzeitswaggon trauen lassen.       

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