merken
PLUS Zittau

Eklat nach Nazi-Lärm in Ostritz

Das Zittauer Amtsgericht verhandelt wegen des Angriffs auf einen Polizisten in Ostritz - und hat erhebliche Zweifel am Hergang.

In Ostritz versammeln sich immer wieder Nazis - wie hier beim "Schild und Schwert-Festival" im Sommer 2019.
In Ostritz versammeln sich immer wieder Nazis - wie hier beim "Schild und Schwert-Festival" im Sommer 2019. ©  Matthias Weber (Archiv)

Erst hat die Polizei immer Arbeit mit irgendwelchen Nazi-Festen in Ostritz - und ein paar Monate später dann die Justiz. Den jüngsten Fall um ein Geschehen am Rande der damals verbotenen Kampfsportveranstaltung "Kampf der Nibelungen" verhandelte jetzt das Zittauer Amtsgericht. 

Vor Gericht stand eine 30-Jährige aus dem niederbayerischen Landkreis Passau. Die Anklage warf ihr den "tätlichen Angriff auf einen Vollstreckungsbeamten" vor. Wie der Prozess zeigte, hatte diese Anklage der Staatsanwaltschaft nicht wirklich Substanz. Und dass die Polizei es in ähnlichen Fällen beim politisch linksextremen Spektrum mit ganz anderen Kalibern zu tun hat - das gab sogar der Staatsanwalt zu.

Anzeige
Kompetenz in der Vermögensbetreuung
Kompetenz in der Vermögensbetreuung

Geld sicher und gut anlegen? Das ist in Zeiten der Nullzinspolitik nicht einfach. Deshalb sollte man sich gerade jetzt gut beraten lassen.

Lärmen statt kämpfen

Eigentlich sollte Ruhe sein, an jenem 13. Oktober im "Hotel Neißeblick" in Ostritz. Neonazis hatten damals an diesem Wochenende zur Kampfsport-Veranstaltung "Ring der Nibelungen" getrommelt. Die Stadt Ostritz ließ die Veranstaltung damals verbieten und setzte dieses Verbot auch gerichtlich durch. Die Veranstalter hatten daraufhin die "Kampfarena" in einer Halle unter Polizeiaufsicht abbauen müssen. Und auch die meisten Besucher reisten ab - oder kamen erst gar nicht.

Etwa 30 Personen aber waren noch auf dem Gelände. Und die feierten in den Sonntag hinein - mit sehr viel Alkohol und sehr lauter Musik. Das nun rief damals am frühen Sonntagmorgen gegen 1.55 Uhr die noch anwesende Polizei auf den Plan. Bei dem Einschreiten ging es darum, die Musikanlage sicherzustellen, um eine weitere Ruhestörung zu unterbinden

"Fahren Sie mal nach Connewitz"

Ein als Zeuge geladener Polizist schilderte vor Gericht, dass Kollegen die Musikanlage sichergestellt und einen Mann zur Feststellung der Personalien abgeführt hätten. Und genau daran hätte die Angeklagte den Kollegen hindern wollen. Er habe die Frau deshalb weggerisssen und zu Boden gebracht. Auf dem Boden liegend habe die Frau nach ihm getreten und auch mit einem Tritt am Rücken getroffen. Er sei zwar weder verletzt worden, noch sei das schmerzhaft gewesen. Aber: Spürbar sei der Tritt eben doch gewesen - und vor allem auf einem von der Polizei gefertigten Video aufgezeichnet. Die Angeklagte selber erinnerte sich nur noch, dass da "irgendwas mit der Polizei" war. Sie sei erheblich alkoholisiert gewesen - Wodka und Bier.

Weiterführende Artikel

Rechtsrockkonzert in Kleinwelka beendet

Rechtsrockkonzert in Kleinwelka beendet

Am Sonnabend hat die Polizei eine Musikveranstaltung aufgelöst. Sie war nicht genehmigt – und offenbar verfassungsfeindlich.

Wie die Beweisaufnahme ergab, war dieses Geschehen aber keinesfalls auf einem Video festgehalten. Und Amtsrichter Kenklies hatte auch erhebliche Zweifel, ob die Angeklagte in der geschilderten Position überhaupt nach dem Beamten hätte treten können. "Entschuldigung, das ist ja yogamäßig", sagte er und regte daher an, nicht wegen eines "tätlichen Angriffs", sondern allerhöchstens wegen einer einfachen Widerstandshandlung weiterzuverhandeln. Ein Umstand, den der Verteidiger der Frau begrüßte: "Wenn Sie wissen wollen, wie tätliche Angriffe aussehen, dann fahren Sie mal nach Connewitz", sagte er in Richtung des Staatsanwalts und in Anspielung auf die linksextremen Krawalle in Leipzig - und der Staatsanwalt gab ihm mit dieser Einschätzung recht. 

Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage von 150 Euro eingestellt.

Mehr Nachrichten aus Zittau und dem Umland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Löbau und dem Umland lesen Sie hier

Mehr zum Thema Zittau