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Wie Frau L. zu ihrem Corona-Test kommt

Vor dem Friseurbesuch schnell noch kostenlos testen lassen? Vielerorts in der Region Löbau-Zittau ist das schlicht unmöglich. Ein Erfahrungsbericht.

Schön wär's! In der Region Löbau-Zittau sind Schnelltest-Möglichkeiten für die Einwohner rar. In manchen Orten gibt es überhaupt keine.
Schön wär's! In der Region Löbau-Zittau sind Schnelltest-Möglichkeiten für die Einwohner rar. In manchen Orten gibt es überhaupt keine. © Robert Michael/dpa

Frau L. geht nun doch nicht zum Friseur. Und auch nicht Schuhe kaufen und nicht zur Fußpflege. Frau L. hat aufgegeben. "Dann bleib ich eben zu Hause und schneide mir die Haare alleine", sagt die Rentnerin genervt. Frau L. ist 82 Jahre alt und hat Corona hinter sich. Zehn Tage lang ist kein Essen in ihrem Körper geblieben, zehn Tage lang hat sie im Krankenhaus am Tropf gehangen. Jetzt geht es ihr wieder gut, sagt die rüstige Dame, und jetzt hat sie Antikörper.

Aber sie hat kein ausgefülltes Formular, dass ihr zeitnah einen negativen Corona-Schnelltest bescheinigen könnte. Frau L. wohnt nämlich in Großschönau. Und in Großschönau gibt es - bis jetzt - kein Corona-Schnelltestzentrum. Es gibt - bis jetzt - überhaupt im ganzen Ort keine einzige Möglichkeit, an einen kostenlosen Test zu kommen. Aber mit dem Problem sind die Großschönauer nicht alleine.

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Auch in den Nachbarorten Hainewalde, Waltersdorf und Bertsdorf-Hörnitz haben die Einwohner keine kostenlosen Test-Möglichkeiten. Nur in acht der insgesamt 25 Städte und Gemeinden des Altkreises Löbau-Zittau können sich die Einwohner zurzeit bei verschiedenen Anbietern unentgeltlich testen lassen - so wie es ihnen die Corona-Schutzverordnung anbietet, die die Tests ja auch zunehmend zur Bedingung für Einkäufe oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen macht.

Frau L. könnte im Internet nachsehen, wo es für sie die nächstgelegene Schnelltest-Möglichkeit gäbe. Auf der Seite des Landkreises hat das Gesundheitsamt alle derzeitigen Anbieter im Landkreis aufgelistet. Dort könnte Frau L. erfahren, dass sie zum Beispiel nach Jonsdorf fahren könnte. In Jonsdorf bietet Zahnarzt Dietrich Koppe die Tests in seiner Praxis an, weil sich sonst im Ort keine andere Möglichkeit gefunden hat. Sie könnte auch nach Olbersdorf fahren, wo die Johanniter Unfallhilfe zusammen mit der Gemeinde ein Testzentrum im "Kaffeetippl" eingerichtet hat. Aber Frau L. ist nicht so bewandert mit dem Internet.

Auch eine Frage der Vergütung

Für die Anbieter der kostenlosen Schnelltests steht aber auch die Frage der Vergütung. Die Kosten werden über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) pauschal erstattet. Nicht-ärztliche Einrichtungen wie Pflegedienste oder Apotheken bekommen für jeden Abstrich zwölf Euro, für die Sachkosten und das Testmaterial sechs Euro, erklärt ein KV-Sprecher. Nicht für jeden rechnet sich das.

Auch nicht für die beiden Apotheken in Großschönau, in denen Frau L. sich kostenlos testen lassen wollte. "Wir haben dafür weder die räumlichen, noch die personellen Möglichkeiten", sagt Dr. Cornelius Hempel, Filialleiter der Großschönauer Lausche-Apotheke. "Die Nachfrage ist enorm", weiß der Apotheker. "Wir haben uns auch lange mit der Frage beschäftigt, uns an die Apothekenkammer und das Gesundheitsamt gewandt. Aber wir müssten ein Testzentrum einrichten, das können wir nicht leisten, und das würde sich für uns auch nicht rechnen." Dr. Hempel gibt auch zu bedenken, dass es in erster Linie Aufgabe von Apotheken ist, die Menschen mit Medikamenten zu versorgen.

Aber irgendwo muss Frau L. doch mal zu ihrem Schnell-Test kommen. "Es gibt doch Selbsttests zu kaufen", sagt der Nachbar. "In der Apotheke, bei Aldi, bei Lidl und sonst wo." Aber erstens, sagt Frau L., traut sie sich nicht so richtig, das selber zu machen, und zweitens müsste sie die Selbsttests ja auch bezahlen. Letzteres würde sie auch aus Prinzip nicht wollen, sagt sie: "Der Herr Spahn hat uns doch versprochen, dass wir uns jede Woche kostenlos testen lassen können, sogar mehrmals in der Woche. Dann muss das doch auch möglich sein."

Großschönau richtet Testzentrum ein

In ihrer Not hat Frau L. auch im Gemeindeamt angerufen. "Eigentlich ist die Gemeinde dafür nicht zuständig", hat ihr Hauptamtsleiter Peter Pachl erklären müssen. Aber der Bürgermeister und er würden das Problem genauso sehen und seien schon dran an einer Lösung für die Gemeinde.

Inzwischen ist für Großschönau eine Lösung gefunden. Wie in Olbersdorf wird ein Testzentrum eingerichtet, das Mitarbeiter der Johanniter Unfallhilfe betreiben werden. Ab nächster Woche sollen sich Einwohner aus Großschönau und Umgebung dann immer dienstags und donnerstags von 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr kostenlos testen lassen können. Nur ein Ort muss noch gefunden werden.

"Es war gar nicht einfach, das zu organisieren", sagt Pachl. Aber eine solche Lösung, bei der Gemeinde und Anbieter zusammenarbeiten, könnte er sich auch für andere Orte vorstellen, in denen es bisher keine Anlaufstellen gibt. "Vor allem für Senioren, die nicht sehr mobil sind und sich Selbsttests auch nicht zutrauen, ist das doch wichtig", sagt er. Frau L. jedenfalls freut sich sehr über das Angebot. Damit kann sie nächste Woche nun doch zum Friseur gehen.

Update, 16. April, 10.30 Uhr: Das Schnelltestzentrum in Großschönau sollte ursprünglich im Casino der Ludwig-Jahn-Sportstätte eingerichtet werden, wie es auch in der früheren Version dieses Artikels zu lesen war. Das ist der Gemeinde aber untersagt worden, weil in der Turnhalle Schulsport stattfindet, teilt der Bürgermeister mit. Das Casino hätte zwar einen extra Eingang und extra Räumlichkeiten, Schulgelände dürfen laut einer Verordnung des Kultusministeriums aber derzeit generell nicht von Personen ohne einen Negativ-Test betreten werden: Die Gemeinde bemüht sich, schnellstmöglich einen neuen Ort für das Testzentrum zu finden.

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