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Kinderkriegen in Corona-Zeiten

705 Babys wurden 2020 im Klinikum Oberlausitzer Bergland geboren - auch unter erschwerten Bedingungen. Beeinflusst das Virus die Geburtenzahlen?

Lino heißt das erste Baby 2021 am Klinikum-Standort in Ebersbach: Mutter Franziska Freiberg freut sich mit Hebamme Anne Goldberg und dem Chefarzt der Ebersbacher Frauenklinik, Jacek Glajzer.
Lino heißt das erste Baby 2021 am Klinikum-Standort in Ebersbach: Mutter Franziska Freiberg freut sich mit Hebamme Anne Goldberg und dem Chefarzt der Ebersbacher Frauenklinik, Jacek Glajzer. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Der kleine Lino schlummert selig in Mamas Armen. Dass der Doktor sie jetzt gerade sehen will, ist dem Neugeborenen völlig egal. Dass seine Mama schon wieder diese Maske im Gesicht hat, offenbar auch. Masken müssen sein in Corona-Zeiten.

"Man gewöhnt sich dran", sagt Franziska Freiberg. "Aber bei der Entbindung wäre das gar nicht gegangen." Ein Kind gebären und dabei einen Mund-Nasen-Schutz tragen? Das kann sich auch Jacek Glajcer nicht vorstellen. "Das ersparen wir den werdenden Müttern", sagt der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Ebersbacher Krankenhaus. "Wir tun hier alles dafür, den Frauen die Entbindung so angenehm wie möglich zu machen - auch unter Corona-Bedingungen." Schließlich sei eine Geburt ein einzigartiges und einschneidendes Erlebnis für eine Frau, vielleicht das bedeutendste in ihrem Leben, erklärt der Chefarzt.

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Franziska Freiberg ist dem Team auf der Ebersbacher Entbindungsstation sehr dankbar dafür. Dafür hat sie auch einen Corona-Schnelltest über sich ergehen lassen. "Zwar unangenehm, aber halb so schlimm", sagt sie. Auch ihr Mann Robert musste sich testen lassen, ehe er sie zur Entbindung begleiten durfte. "Wir testen alle Patienten - das gehört zu unserem Hygienekonzept", erklärt der Chefarzt. Damit könne dann auch gewährleistet werden, dass die Entbindung so normal wie möglich ablaufen kann - selbstverständlich auch mit der Anwesenheit der Väter.

Zahl der Neugeborenen bleibt stabil

Der kleine Lino, geboren am 4. Januar, ist das erstes Baby des Jahres 2021 in Ebersbach. Drei weitere werden ihm hier an diesem Tag noch folgen. Es geht munter weiter mit dem Kinderkriegen. Hebamme Anne Goldberg freut das. Die Zahl der Geburten ist auf einem stabilen Niveau:

705 Kinder sind im vorigen Jahr im Klinikum Oberlausitzer Bergland zur Welt gekommen: 188 Mädchen und 204 Jungen auf der Entbindungsstation in Ebersbach - darunter auch ein Zwillingspaar, 158 Mädchen und 155 Jungen in Zittau, darunter sechsmal Zwillinge. Es sind insgesamt fast genauso viele Kinder wie im Jahr 2019, das mit insgesamt 722 Neugeborenen in die Klinikum-Statistik eingegangen ist.

Ob und wie sich das Coronavirus und die damit zusammenhängenden Einschränkungen auf die Geburtenzahlen auswirken, das könne man bisher nicht beurteilen, sagt Anne Goldberg. Die Hebamme, die in Ebersbach-Neugersdorf auch im Stadtrat sitzt, glaubt nicht, dass jetzt womöglich mehr Kinder geboren werden, weil die Eltern im Lockdown mehr Zeit hatten.

"Wir haben uns eher darüber gefreut, dass es nicht weniger werden", sagt sie. Für viele bedeute der Lockdown ja auch berufliche Einschränkung, Kurzarbeit, finanzielle Sorgen, womöglich sogar der Verlust der wirtschaftlichen Existenz. "Dass sich die Oberlausitzer trotzdem nicht unterkriegen lassen und weiter Kinder bekommen, das ist doch wunderbar."

Schwierige Situation auch für die Hebammen

Auch für Franziska und Robert Freiberg spielte die Corona-Situation für den Kinderwunsch keine Rolle. Während der Schwangerschaft habe dann schon eher die Sorge vor einer Ansteckung eine größere Rolle gespielt. Aber Hebamme Anne Goldberg kann die werdenden Mütter beruhigen. Bisher, sagt sie, sei für Mutter und Kind immer alles gutgegangen.

Franziska Freiberg wird die Wochenstation schon nach drei Tagen verlassen. Zuhause wartet neben dem Papa ja auch noch die neunjährige Lina. "Sie hat schon eine riesengroße Sehnsucht nach ihrem kleinen Bruder", erzählt ihre Mutter. Denn bisher konnten Lina und auch die Großeltern das Kind nur übers Videotelefon sehen.

Auch das hängt mit der Corona-Situation zusammen. Besuch ist auf der Wochenstation nur von einer Person, meistens dem Vater, für eine Stunde am Tag erlaubt. "Wir versuchen deshalb, die Frauen nur so kurz wie möglich hierzubehalten - drei Tage ist das Ziel", erklärt Chefarzt Glajzer. "Die Frauen bekommen, wenn möglich, auch alle ein Einzelzimmer."

Leicht ist die Situation auch für die Hebammen nicht, besonders nicht für die Ebersbacher, die hier alle Freiberufler sind. Die Personalsituation im Kreißsaal ist angespannt, Geburtsvorbereitungskurse finden über Videokonferenzen statt, Hausbesuche sind auf das Notwendigste reduziert, Nähe ebenso. Dabei ist Nähe gerade vor, während und nach der Entbindung für die Mütter sehr wichtig. "Aber wir selber haben ja auch die Verantwortung, niemanden anzustecken", sagt Anne Goldberg.

Trotz allem aber bleibt Müttern wie Franziska Freiberg auch die Entbindung unter Corona-Bedingungen in guter Erinnerung: "Man merkt, dass hier alle alles dafür tun, es uns so angenehm wie möglich zu machen", sagt die 32-Jährige. "Es ist gemütlich und familiär. Das tut wirklich gut." Und im Zimmer - alleine mit ihrem Baby darf sie die Maske ja auch absetzen.

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