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Kostenloser Coronatest? Nicht so einfach!

Am Montag hatte die vom Bundesgesundheitsminister angekündigte Kampagne noch so ihre Anlaufprobleme. Ein Selbstversuch am Morgen.

Ein bisschen unangenehm, aber auszuhalten. Corona-Schnelltest bei Schwester Annette vom Herzlichen Betreuungsteam aus Jonsdorf.
Ein bisschen unangenehm, aber auszuhalten. Corona-Schnelltest bei Schwester Annette vom Herzlichen Betreuungsteam aus Jonsdorf. © Matthias Weber/photoweber.de

Der Montag beginnt mit der Ankündigung aus dem Gesundheitsministerium: Ab jetzt kann sich jeder einmal wöchentlich kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Für mich könnte der Start dieser neuesten Corona-Schutz-Kampagne passender nicht sein. Für einen Termin am Montagnachmittag brauche ich nämlich gerade ein aktuelles Testergebnis.

Ich rufe also gleich am Morgen in meiner Hausarzt-Praxis an. Doch die Sprechstundenhilfe bedauert: "Tut mir leid", sagt sie. "Wir haben noch gar keine genauen Informationen, wie das abgerechnet werden soll." Am Freitagnachmittag sei zwar ein Schreiben kommen, dass das ab Montag so sein soll, aber noch ohne konkrete Hinweise für die Praxen.

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Deswegen müsse ich vorerst noch für den Schnelltest bezahlen, wenn es dafür keine gesundheitliche Indikation gibt. 30 Euro kostet das bei meinem Hausarzt. Ich würde auch eine ordentliche Rechnung bekommen. "Aber es kommen ja fast stündlich neue Informationen", tröstet die Sprechstundenhilfe. "Vielleicht wissen wir am Nachmittag schon mehr."

Es ist wohl auch diesmal wieder so eine Hauruck-Aktion, wie wir sie bei den Maßnahmen in den stufenweisen Lockdown hinein und wieder hinaus schon ein paar Mal erlebt haben: Erst kommt die große politische Ankündigung, danach erst die administratorische Handlungsanweisung für diejenigen, die die angekündigten Maßnahmen umzusetzen haben.

Mein Eindruck bestätigt sich wenig später auch in der Apotheke: "Es ist leider noch nicht definitiv geklärt", sagt mir die Mitarbeiterin. Ich könne mich gerne auf das Coronavirus testen lassen - allerdings immer noch kostenpflichtig für 25 Euro. Man hoffe auf Klärung in den nächsten ein, zwei Tagen. Auch die Selbst-Tests, die es jetzt für alle zu kaufen geben soll, kann sie mir noch nicht anbieten - die Lieferung ist noch nicht angekommen.

Ich frage beim Sprecher der Hausärzte im Landkreis Görlitz, dem Oderwitzer Allgemeinmediziner Gottfried Hanzl, nach. Und siehe: Er testet seine Patienten bereits seit dem Morgen kostenlos. Am Freitagnachmittag, 17 Uhr, sei die Mitteilung, wie das abzurechnen ist, bei ihm eingegangen, bestätigt er.

Das bestätigt auch die Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Sachsen. Man habe am Freitag per E-Mail oder Fax alle sächsischen Vertragsärzte zur neuen Testverordnung informiert, sagt Katharina Bachmann-Bux, fügt aber gleich hinzu, dass nur dann getestet werden könne, wenn auch genügend Tests zur Verfügung stünden.

Und auch Dr. Hanzl bittet mich deshalb um Verständnis. Die Testkapazitäten in seiner Praxis reichen eben auch nur für die Patientin seiner Praxis. Da könne er keine Ausnahme machen. Das verstehe ich natürlich.

Aber was wird nun aus meinem Termin im Betreuten Wohnen an der Zittauer Brunnenstraße? Ich frage vorsichtig beim Träger nach. "Kein Problem", sagt mir Reiner Mönch, Geschäftsführer des Herzlichen Betreuungsteams, das neben dieser auch noch drei weitere betreute Wohneinrichtungen in Zittau und Olbersdorf und einen Pflegedienst in Jonsdorf betreibt.

Beim Herzlichen Pflegedienst wird nämlich auch regelmäßig getestet: Nicht nur Mitarbeiter und Patienten, sondern nach Vereinbarung auch Gäste wie beispielsweise die Angehörigen von Bewohnern des Jonsdorfer Awo-Pflegeheims, die den Test als "Besuchserlaubnis" brauchen. Für sie kostet das zehn Euro.

Ehe ich die Bewohner im Betreuten Wohnen besuche, wird Schwester Annette mich also schnell noch testen, verspricht mir der Geschäftsführer. Und es geht auch ganz fix: Einmal das Stäbchen in den Rachen, dann tief in die Nase - ein bisschen unangenehm, aber auszuhalten. Nach einer Viertelstunde dann das Ergebnis auf der kleinen Testkassette - und ich kann beruhigt zum Termin mit den alten Leutchen gehen.

48 Stunden ist mein Schnelltest jetzt gültig. Bis ich den nächsten brauche, hoffe ich mal, dass dann die Abrechnungshinweise und auch genügend Testmaterial für die kostenlosen Schnelltests in Hausarztpraxen und Apotheken angekommen sind.

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