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Menschenauflauf vor dem Haus des MP

Michael Kretschmer ist im Zittauer Gebirge von Corona-Kritikern aufgesucht worden, hat ihre Fragen beantwortet und die Polizei arbeitslos gemacht.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer im Frühjahr im Garten seines Umgebindehauses in Waltersdorf.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer im Frühjahr im Garten seines Umgebindehauses in Waltersdorf. © Rafael Sampedro (Archiv)

Einfach bei der Familie ein paar Stunden vom Alltagsstress abschalten - das wollte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Wochenende an seinem Zweitwohnsitz in Waltersdorf im Zittauer Gebirge. Doch heute Vormittag war es damit schnell vorbei. Gegen 10.30 Uhr standen plötzlich immer mehr Leute vor seinem Umgebindehaus. "Ich war gerade beim Schneeschieben, als mich einige Leute ansprachen", schildert Michael Kretschmer. "Ich habe kein Problem damit, wenn mich Leute privat in meiner Freizeit ansprechen. Und ich kann auch verstehen, dass sie Fragen haben." Dennoch hat er dann schnell die Diskussionen am Gartenzaun beendet. "Als sich eine Frau eine Mund-Nasen-Bedeckung mit der Reichskriegsflagge umband, war für mich Schluss. Eine Reichskriegsflagge ist das Gegenteil von all dem, was unser demokratisches Land ausmacht", sagt er.

"Haben über 70-Jährige kein Recht zum Leben?"

Zuvor hatte er sich jedoch den Fragen der Anwesenden gestellt. "Es gab Fragen und Ablehnungen zu den Corona-Maßnahmen. Und ich habe versucht, zu erklären, dass es eben nicht, wie mir einige weismachen wollten, nur eine Grippe ist", schildert der Ministerpräsident. Er berichtete ihnen von seinem Besuch im Zittauer Klinikum zwischen Weihnachten und Neujahr. Dort wurden die an Covid-19-Erkrankten gefragt, welche Behandlung sie sich wünschten. "Wir wollen einfach nur leben", war der Tenor, der meist älteren Menschen, so Kretschmer. "Und wenn man mir dann in solchen Diskussionsrunden sagt, dass ältere Menschen nun mal sterben, kann ich das nicht nachvollziehen", berichtet er. "Haben über 70-Jährige kein Recht zum Leben", hat er dann auch am Sonntag einen der Anwesenden in Waltersdorf gefragt.

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Auch Fragen zur Impfpolitik wurden ihm in Waltersdorf gestellt. Dass es beispielsweise nur eine Notzulassung für den Impfstoff gibt, wurde unter anderem vorgebracht. "Das ist schlichtweg falsch", sagt Michael Kretschmer. Er hat in den etwa 30-minütigen Gesprächen versucht zu erklären, warum das seine Zeit braucht. Und er bietet bei ernsthaften Fragen auch eine Gesprächsrunde dazu via Internet an.

Anwohner informierten die Polizei

Weil es immer mehr Menschen wurden, informierten um 10.38 Uhr schließlich Anwohner die Polizei von dem Auflauf am Grundstück des Ministerpräsidenten. "Wir sind vor Ort gewesen, brauchten aber nicht eingreifen", schildert der Diensthabende am Sonntag im Lagezentrum der Görlitzer Polizeidirektion. Etwa 30 Leute hatten sich am Grundstück in Waltersdorf versammelt. "Alles lief friedlich ab und gegen 11 Uhr waren die Leute auch schon wieder weg", hieß es.

Das bestätigt gegenüber der SZ auch eine Waltersdorferin, die gerade bei ihrer Morgenrunde an Michael Kretschmers Haus vorbeikam. "Ich bin stehen geblieben, weil mich die Gespräche interessierten", sagt sie.

Noch am Sonntag hatte auch CDU-Landtagsabgeordneter Stephan Meyer von der Menschenansammlung am Grundstück des Ministerpräsidenten gehört. Er ist froh, dass alles friedlich verlief. Denn zu Weihnachten hatte er selbst privat ein unschönes Erlebnis. "Am ersten Weihnachtsfeiertag hat mir jemand Masken vor die Haustür geworfen", sagt er.

Wie die Polizeidirektion im Nachgang berichtet, kam es am Sonntag nach deren bisherigen Erkenntnissen zu keinen strafbaren oder ordnungswidrigen Handlungen gegenüber dem Ministerpräsidenten. "Eine Vielzahl der versammelten Bürger trug jedoch keinen Mund-Nasen-Schutz und hielt nur teilweise die erforderlichen Abstände ein", hieß es. Die Beamten stellten die Identitäten der noch anwesenden 45- bis 50-jährigen Deutschen fest. Weiterhin fertigten die Polizisten eine Anzeige wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Sie gehen also davon aus, dass es kein zufälliges Treffen vor dem Haus des MP war, sondern eine gezielt verabredete Versammlung.

Laut Corona-Verordnung darf sich Kretschmer in seinem Wohnbereich, der nicht näher definiert ist, aufhalten. Das Haus im Zittauer Gebirge ist neben einer Dresdner Adresse sein Zweitwohnsitz. Bereits während der ersten Corona-Welle waren dazu Fragen aufgetaucht.

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