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Oybiner Dorfladen-Betreiber gibt auf

Zwei Jahre nach der Eröffnung schließt Frank Fetzko seinen "Lebens-Mittel-Punkt" in Oybin wieder. Rechnet sich so ein Geschäft im Gebirgsort wirklich nicht?

Zwei Jahre nach der Eröffnung schließt Frank Fetzko seinen "Lebens-Mittel-Punkt" in Oybin.
Zwei Jahre nach der Eröffnung schließt Frank Fetzko seinen "Lebens-Mittel-Punkt" in Oybin. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Über die Mittagszeit kommt ein einziger Kunde. Er tauscht einen Kasten Bier und kauft eine Packung Eier. "Ist ja schade, dass sie wieder zumachen", sagt der Oybiner. Aber auch von seinen gelegentlichen Einkäufen kann Frank Fetzko nicht leben.

Es hat sich in Oybin schon herumgesprochen, dass der kleine Dorfladen in der Straße der Jugend zum Jahresende endgültig wieder schließt. Betreiber Frank Fetzko hat den Mietvertrag schon gekündigt und mit dem Ausverkauf begonnen. Im Internet bietet er die gesamte Ladeneinrichtung zum Verkauf an - vom Tresen bis zum Werbeaufsteller vor der Tür.

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Dabei hatte der Zittauer große Pläne, als er den Laden fast auf den Tag vor zwei Jahren neu eröffnet hat. Der neue Name sollte Programm sein: Ein "Lebens-Mittel-Punkt" sollte der Tante-Emma-Laden in Oybin und für die Oybiner werden. Ein Treffpunkt zum Plauschen, ein Ort, an dem alle wichtigen Dinge des täglichen Bedarfs zu kriegen sind.

Frank Fetzko hatte sich um Produkte aus der Region bemüht, um Menschel-Limo, Eier vom Bauern oder Mehl aus der Berthold-Mühle, aber damit allein hat er seinen Laden nicht zu etwas Besonderem machen können. Und vom Schnell-noch-mal-was-holen allein kann ein Geschäft nicht leben.

"Es rechnet sich nicht", stellt Fetzko nun nach zwei Jahren endgültig fest. Jedenfalls nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. Zu der Erkenntnis war er auch vor einem Jahr schon mal gekommen. Doch da hatten ihm die Oybiner ein paar Tipps und Ratschläge gegeben, wie er es besser machen könnte. Sogar ein Berater von der IHK war da.

Er hätte doch zum Beispiel schon früh um sieben öffnen sollen und nicht erst um neun, lautete einer der Vorschläge. Dann hätten vielleicht viel mehr Oybiner bei ihm frische Brötchen zum Frühstück geholt. Doch Frank Fetzko hat ihn nicht umgesetzt. Gut gemeint, sagt der 51-Jährige, aber personell wäre das in seinem Ein-Mann-Betrieb gar nicht drin gewesen.

Der Lebens-Mittel-Punkt ist kein Mittelpunkt für die Oybiner geworden. Das Besondere in Fetzkos Laden war nicht besonders genug, um die Kunden für mehr als Schnell-noch-mal-was-holen in das Geschäft zu locken. Auch Fetzkos Vorgänger Wolfgang Märkisch hatte das kleine Lebensmittelgeschäft aufgegeben, weil es sich nicht gerechnet hatte.

Aber rechnet sich so ein Dorfladen im Zittauer Gebirge wirklich nicht? Oybins Bürgermeister Tobias Steiner (SPD) will das nicht glauben. "Ich finde es sehr schade, dass Herr Fetzko es nicht geschafft hat, seine gute Idee auch richtig umzusetzen", sagt Steiner. Und er sei auch weiterhin der Meinung, dass Oybin als Gebirgs- und Tourismusort einen solchen Tante-Emma-Laden braucht - auch weil es im Ort keinen Bäcker und keinen Supermarkt gibt.

Zwar sei es Sache des Vermieters, was nach dem Auszug des Lebensmittelgeschäfts mit dem Ladenlokal wird, sagt Tobias Steiner, als Bürgermeister wolle er sich aber weiter dafür einsetzen, dass es wieder ein Tante-Emma-Laden werden könnte - vielleicht einer mit Café und Leseecke.

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