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Wo es jetzt herrliche Loipen gibt

Überall zwischen Hochwald und Bieleboh legen engagierte Wintersportfreunde gerade die schönsten Skiwanderwege an - ein Segen in Corona-Zeiten.

Bernd Herford (l.) vom Lückendorfer Förderverein präpariert mit Gleichgesinnten den Skihang am Johannisstein und die Skiwege in Oybin und Lückendorf. Hagen Gnauk von den "Ski-Hagens" und Sohn Kalle freut das.
Bernd Herford (l.) vom Lückendorfer Förderverein präpariert mit Gleichgesinnten den Skihang am Johannisstein und die Skiwege in Oybin und Lückendorf. Hagen Gnauk von den "Ski-Hagens" und Sohn Kalle freut das. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ganz oben liegt immer noch Schnee. Jede Menge sogar! Bernd Herford hat das Raupengerät aus der Garage gefahren. Den kleinen Skilift hier oben am Johannisstein darf er zwar nicht anschalten - das verbietet ihm Sachsens Corona-Schutzverordnung, aber niemand verbietet ihm, den Kindern wenigstens den Hang zu ebnen. Und die Kinder stapfen dankbar in Scharen hinauf.

Bernd Herford ist der Chef des Lückendorfer Fördervereins. Gemeinsam mit einem halben Dutzend enthusiastischer Wintersportfreunde aus dem Verein kümmert er sich ehrenamtlich um Pisten und Rodelhänge, um Loipen, Ski- und Winterwanderwege in und um Lückendorf und Oybin bis nach Jonsdorf.

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Sobald die erste Schneeflocke fällt, sind Herford und seine Vereinskollegen unterwegs - sehr zur Freude der Wintersportfreunde aus der Region, die wohl noch nie so zahlreich auf die Brettl gestiegen sind wie in diesem Winter. "Das ist gerade wie Winterurlaub ohne Urlauber", hat Bernd Herford festgestellt. "Wenn man sich hier umschaut, sind gefühlt mehr Wintersportler unterwegs als zu besten Urlaubszeiten."

Rund 150 unbezahlte Arbeitsstunden haben die Vereinsmitglieder seit Januar schon geleistet, ganz zeitig frühmorgens oder noch spätabends, damit der Neuschnee über Nacht verdichtet wird. "Wir sehen jetzt abends auch immer mehr ,Glühwürmchen', Langläufer, die mit Stirnlampen unterwegs sind", erzählt Bernd Herford.

Zu den "Glühwürmchen", die sich riesig über den Einsatz der Vereinsmitglieder freuen, gehört auch Hagen Gnauk von den "Ski-Hagens", dem Sportausrüster in den Zittauer Mandau-Höfen. Gnauk ist mit seinem Sohn Kalle gekommen und will Bernd Herford überraschen. Er hat einen symbolischen Scheck gemalt: 200 Euro haben die "Ski-Hagens" für die Vereinsmitglieder gesammelt. "Wir wollten einfach mal Danke sagen für das Engagement", sagt Hagen Gnauk. "Das ist ja nicht selbstverständlich."

Bernd Herford freut das sehr. Zwar bezahlt der Oybiner Fremdenverkehrsbetrieb den Benzin und die Technik, die Vereinsmitglieder aber arbeiten unentgeltlich. "Wir sind glücklich über jede Spende", sagt der Vereinsvorsitzende. "Das funktioniert auch über unsere Internetseite."

Von der Karasekhöhle zum Richterberg

Nicht nur im Zittauer Gebirge schlagen jetzt engagierte Wintersportfreunde dem Corona-Lockdown ein Schnippchen. Auch anderswo wachsen jetzt Dank eines großen ehrenamtlichen Engagements ganz neue Skiwanderwege über verschneite Wiesen und Felder.

Rund um die Forstenschanze und die Karasekhöhle und auf dem Hochplateau um den Richterberg bei Seifhennersdorf beispielsweise spuren drei Mitglieder des TSV Spitzkunnersdorf ehrenamtlich kilometerweite Runden. "Wir dachten uns, wenn schon niemand ins Isergebirge oder in die Alpen fahren kann, dann machen wir es den Leuten doch wenigstens hier so schön wie möglich", sagt Friedhart Seidel, einer der drei Ehrenamtlichen.

Wenn's sein muss, setzt er sich sogar nachts auf den 20 Jahre alten Spurschlitten Marke Eigenbau und zieht das Loipengerät über die Felder, damit die Skifahrer am nächsten Morgen beste Bedingungen vorfinden. "Unser Loipengerät stammt noch aus den 1980er Jahren", erzählt Friedhart Seidel, "es läuft noch tadellos."

Ein paar Kilometer weiter, zwischen Neugersdorf und Leutersdorf, spurt ehrenamtlich Johannes Herzog aus Neugersdorf mit seinem privaten Spurgerät. Rund um den Kottmar sind Mitglieder des Skiclubs im Einsatz, Mitglieder vom Bertsdorfer Skiverein spuren rund um Bertsdorf, Andreas Böhmer aus Großschönau sorgt für die Skiwanderwege um Lausche und Weberberg. So viel ehrenamtliches Engagement gab es wohl noch nie.

Von Schönbach auf den Bieleboh

Zu den ehrenamtlichen Spurenlegern im Oberlausitzer Bergland gehört der Schönbacher Tischlermeister Thomas Hiekisch. "Das Schneemobil ist ein Erbstück vom Vater", erzählt er. "Der hat das früher immer gemacht." Jetzt zieht Thomas Hiekisch los, sobald genügend Schnee liegt. Er dreht seine Runden um den Seidelberg bei Dürrhennersdorf, über die Felder rund um Schönbach oder hinüber nach Beiersdorf. "Je nachdem, wie das Wetter ist und wieviel Zeit ich habe", schmunzelt er.

Langläufer nehmen seine Arbeit dankend an. Sie ziehen zu Hunderten ihre Bahnen auf den Wegen, die Thomas Hieckisch präpariert. Der Schönbacher ist mit seinem Engagement übrigens nicht der einzige. Am Fuße des Bieleboh in Beiersdorf sind sogar richtig professionelle Doppelspuren über die Felder gezogen. Wer diese fantastischen Loipen gezogen hat, bleibt ein Geheimnis.

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