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Kein Anschluss wegen 80 Metern?

Lothar Schmidt aus Ostritz will seine alte Ölheizung durch einen Fernwärmeanschluss ersetzen. Doch so einfach, wie er sich das denkt, ist es nicht.

Lothar Schmidt mit seiner alten Ölheizung. Statt einer neuen würde er gern einen Fernwärmeanschluss haben.
Lothar Schmidt mit seiner alten Ölheizung. Statt einer neuen würde er gern einen Fernwärmeanschluss haben. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Lothar Schmidt heizt sein Haus noch mit Öl - so wie 8,7 Millionen Haushalte in Deutschland. Ginge es nach dem Ostritzer, könnte damit bald Schluss ein. Der 69-Jährige will seine alte Ölheizung austauschen. Diese hat demnächst 30 Jahre auf dem Buckel. Der Staat fordert, dass Verbraucher derart alte Heizungen erneuern müssen.

Nun hat Lothar Schmidt mehrere Möglichkeiten. Er kann sich eine neue Ölheizung einbauen. Ölheizungen gelten aber als die klimaschädlichste Variante der Wärmeerzeugung im Haushalt. Zudem ist deren Einbau nur noch ein paar Jahre möglich: Bis Ende 2025 dürfen sie eingebaut und in Betrieb genommen werden.

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Also lieber ein anderes Heizsystem installieren. Vielleicht eines für erneuerbare Energien, die verstärkt gefördert werden. Ja, dachte sich der Ostritzer. Wenn er schon investiert, dann in ein nachhaltiges System. Mit dem Fernwärmenetz gibt es in der Neißestadt ein solches System. Die Fernwärme wird durch die Verbrennung von Holzhackschnitzeln im Ostritzer Heizkraftwerk gewonnen. "Mit der Fernwärme würde ich etwas teurer kommen, aber das ist nicht entscheidend", sagt Lothar Schmidt.

Anschluss ist nicht wirtschaftlich

Doch so einfach, wie es sich der 69-Jährige denkt, ist es nicht. Beim Heizwerk wurde sein Wunsch, an das Fernwärmenetz angeschlossen zu werden, geprüft. Mit dem Ergebnis, dass ein Anschluss abgelehnt wurde - wegen Unwirtschaftlichkeit.

80 Meter müsste die Leitung bis zu seinem Grundstück verlängert werden. Lothar Schmidt kann nicht verstehen, wieso ein Anschluss an 80 Metern scheitern soll. Die Technischen Werke Ostritz (TWO) als Betreiber des Fernwärmenetzes müssten doch froh über jeden neuen Kunden sein, meint Schmidt.

Es liege nicht nur an den 80 Metern, erklärt die Ostritzer Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos), die auch Geschäftsführerin der TWO ist. Es spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Was kostet der Anschluss und in welchem Zeitraum rechnet sich die Investition für die Gesellschaft? Die Prüfung habe ergeben, dass der Aufwand erheblich sei und die Kosten sich erst Jahre später amortisieren. "Fünf bis zehn Jahre sind optimal, alles darüber ist kritisch", erklärt Marion Prange. Unter der Amortisationsdauer wird die Zeitspanne verstanden, die benötigt wird, um alle ursprünglichen Kosten einer Investition wieder zu erwirtschaften.

Auch neue Leitungen werden verlegt

Dass keine neuen Leitungen verlegt werden, sei nicht der Fall. So wird laut TWO-Geschäftsführerin derzeit geprüft, ob in der Hutbergsiedlung in Ostritz eine größere Leitung verlegt und das Leitungsnetz erweitert werden kann. Neben einigen schon angeschlossenen Häusern gebe es mehrere Reihenhäuser, die noch nicht mit Fernwärme versorgt werden. Die TWO hat alle Nicht-Kunden angeschrieben, ob sie sich einen Fernwärmeanschluss vorstellen könnten. Ein paar Haushalte haben laut Frau Prange Interesse bekundet. Nun müsse geprüft werden, ob deren Anschluss wirtschaftlich ist.

Die Kosten für die Verlegung von Fernwärme-Leitungen sind unter anderem abhängig von der Dimension der Leitung, der Verlegungstiefe, der Oberfläche des Trassenverlaufs und Hindernissen bei der Verlegung wie zum Beispiel Hecken, Wege oder weitere Versorgungsleitungen.

Eine Leitungsverlegung über die Grundstücke von Dritten ist grundsätzlich kein Ausschlusskriterium, erklärt Richard Brendler von der Stadtwerke Görlitz Service GmbH. Die Leitungsverlegung müsse aber im gegenseitigen Einvernehmen stattfinden.

Großteil der Interessenten konnte angeschlossen werden

Was wäre, wenn Lothar Schmidt seine Nachbarn überzeugt, sich auch ans Fernwärmenetz anschließen zu lassen? Dann müsste neu geprüft werden, erklärt Marion Prange. Das bedeute aber nicht, dass der Anschluss dann automatisch wirtschaftlich sei. Bisher hat Lothar Schmidt noch nicht mit seinen Nachbarn gesprochen. Dass es weitere Interessenten gebe, hält er aber für denkbar.

Die TWO ist laut Brendler froh über neue Kunden. "Da Ostritz großflächig mit Fernwärme erschlossen ist, kann ein Großteil der Anschlussbegehren positiv beantwortet werden." Schätzungsweise werden 90 Prozent umgesetzt. In den vergangenen acht Jahren konnte die TWO 22 Neukunden gewinnen. Die meisten wurden kurzfristig ohne viel Aufwand angeschlossen. Wenn eine Entscheidung grenzwertig ist, entscheide der Aufsichtsrat. In ihrer Amtszeit als Geschäftsführerin gab es nur einen solchen Fall, so Frau Prange.

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