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Menschel-Limo zieht aus Hainewalde weg

Die Firma braucht zusätzlichen Platz, denn die rote Brause ist nicht mehr nur im Osten beliebt. Zudem sind auch neue Sorten wie die Gurken-Limo ein Verkaufsschlager.

Der Geschäftsführer der Menschel-Limo GmbH Stefan Kubitz denkt schon jetzt an höhere Produktionszahlen.
Der Geschäftsführer der Menschel-Limo GmbH Stefan Kubitz denkt schon jetzt an höhere Produktionszahlen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die "rote Limo" ist seit je her das Markenzeichen der Menschel-Limo GmbH in Hainewalde. Seit Generationen ist das schon so. Kaum einer in den neuen Bundesländern, der sie nicht kennt. Seit 1899 wird sie in einem Umgebindehaus und einem kleinen Fabrikgebäude daneben in Hainewalde produziert, abgefüllt und wenn es nicht gerade Frost gibt, größtenteils im Hof gelagert. Täglich werden hier zwei bis drei der inzwischen insgesamt 16 Limo-Sorten abgefüllt.

Bald aber zieht Menschel-Limo mit seinen zwölf Mitarbeitern weg aus Hainewalde. Schon im Sommer nächsten Jahres kommt die beliebte Limonade dann aus Großschönau. "Wir müssen uns unbedingt vergrößern und vor allem die Produktion ausbauen", sagt Geschäftsführer Stefan Kubitz. Für die Kunden soll sich dabei nichts ändern. "Wir werden nach wie vor unsere 16 Sorten anbieten", sagt er. Selbst das Etikett mit dem alten Umgebindehaus und dem Produktionsgebäude daneben wird nicht verändert. Und selbstverständlich gibt es die Limo auch weiterhin vor allem in der 0,33-Liter-Flasche.

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"Wir haben keinen Grund, dass alles zu ändern. Wir brauchen wegen der hohen Nachfrage nur mehr Platz", sagt Stefan Kubitz. Der Getränke-Hersteller aus der Oberlausitz hält ebenso an der alten Rezeptur fest und auch daran, ausschließlich Menschel-Limo in Glasflaschen oder im Fass in den Handel zu bringen. "In unserer Limo gibt es keine Süßstoffe und keine Konservierungsstoffe. Und das schmeckt man auch", sagt er.

Wegen der großen Nachfrage ist der Firmenstandort in Hainewalde nun zu klein.
Wegen der großen Nachfrage ist der Firmenstandort in Hainewalde nun zu klein. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
In den ehemaligen Firmensitz der Großschönauer Maschinenfabrik (Magro) in der Waltersdorfer Straße zieht die Menschel-Limo GmbH ein.
In den ehemaligen Firmensitz der Großschönauer Maschinenfabrik (Magro) in der Waltersdorfer Straße zieht die Menschel-Limo GmbH ein. © privat

Natürlich geht auch Corona an dem Unternehmen nicht spurlos vorüber. Im vergangenen Jahr wurden hier 8.000 Hektoliter von der beliebten Brause produziert. In diesem Jahr werden es nur reichlich 7.000 sein. Die rote Himbeer-Limo ist nach wie vor der große Renner. Aber auf Platz zwei in der Beliebtheitsskala hat die Gurken-Limo inzwischen die Waldmeister-Brause abgelöst. Insgesamt 16 Limo-Sorten gibt es bei Menschel.

Schuld am geringeren Absatz ist die gesunkene Nachfrage nach Fass-Brause. "Überall sind doch zwei Drittel der Feste wegen Corona ausgefallen", schildert der Geschäftsführer. Und auch die Schließung der Gaststätten und Hotels macht sich bemerkbar.

Dennoch steigt das Interesse an Menschel-Limo. Die Firmenkapazitäten sind jedoch am alten Standort in Hainewalde ausgereizt. Bereits vor eineinhalb Jahren wollte sich deshalb das Unternehmen gleich nebenan auf der Wiese vergrößern. "Aber dann hat uns die Forstbehörde einen Strich durch die Rechnung gemacht, obwohl sie anfangs keine Einwände hatte", berichtet Stefan Kubitz.

Auch die Turnhalle im Ort war keine Option

Danach war auch der Umzug in die Hainewalder Turnhalle ein Thema. Aber dagegen haben sich wiederum die Gemeinderäte ausgesprochen, weil die Turnhalle dann nicht mehr für den Weihnachtsmarkt, das Oktoberfest oder für Ausstellungen von Tierzüchtern in Frage käme.

"Im Nachhinein müssen wir jetzt sagen, ist die Großschönauer Immobile, in die wir unseren Firmensitz verlegen, die beste Lösung", sagt Stefan Kubitz. Es kommt die Firma auch günstiger als ein Neubau. Menschel-Limo zieht in den ehemaligen Firmensitz der Großschönauer Maschinenfabrik - kurz Magro. Erst in diesem Jahr war das Ende des traditionsreichen Maschinenbau-Unternehmens an der Waltersdorfer Straße gekommen. Ein Teil der Maschinen steht noch in der Produktionshalle. Aber hier gibt es mit dem Altbesitzer Manfred Grützmacher eine gute Zusammenarbeit, so dass das kein Problem ist, schildert Stefan Kubitz. Die Abstimmungen darüber laufen ja auch erst seit etwa zwei Wochen.

Die Gebäude von Magro sind in Ordnung. Das Grundstück ist voll erschlossen und besitzt eine gute Zufahrt, die wesentlich besser ist, als die schmale Straße am bisherigen Firmenstandort in Hainewalde. In der künftigen Produktionshalle des Getränke-Herstellers müssen lediglich Leitungsanschlüsse verlegt werden. "Eigentlich ist für unsere Produktion schon eine der vier Hallen ausreichend", sagt er. Aber so ist auch gleich das Problem mit den Lager-und Leergutflächen geklärt.

Mitte nächsten Jahres will Menschel-Limo am neuen Firmenstandort in Großschönau produzieren. Die Brause wird dann mit neuen Maschinen hergestellt. Die derzeitigen sind 50 Jahre alt und haben ihre beste Zeit hinter sich. Zumal die Produktionszahlen ständig wachsen.

"Wir haben unsere Absätze in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt", sagt der Geschäftsführer. Das kommt daher, dass die Hainewalder Brause nun auch in Supermärkten wie Rewe und Edeka erhältlich ist, aber ebenso in immer mehr kleineren Geschäften. Menschel-Limo gibt es längst nicht mehr nur in Sachsen und in den anderen neuen Bundesländern. Selbst auf der ostfriesischen Insel Norderney sind die Himbeer-, Gurken-, Waldmeister- und die anderen Limo-Sorten zu haben.

Aber: Der Menschel-Markt bleibt in Hainewalde

Und dabei will es das Unternehmen nicht belassen. Weil es die Produktion bisher nicht hergab, mussten bereits andere Interessenten vertröstet werden. Am neuen Standort in Großschönau sollen wesentlich mehr Flaschen und Fässer abgefüllt werden. Die Investitionssumme liegt im unteren siebenstelligen Bereich. Der Fördermittelantrag wird gerade gestellt. Übrigens: Der Menschel-Markt in der Talstraße in Hainewalde bleibt weiter bestehen, so der Geschäftsführer.

Bürgermeister Jürgen Walther (parteilos) hatte lange gehofft, die ungedeckten Betriebskosten für die Turnhalle und die Ausbau-Pläne der Firma Menschel-Limo unter einem Hut zu bringen. "Das ist leider nicht gelungen", sagt er. Ihm wäre es natürlich lieber gewesen, wenn das Unternehmen im Ort geblieben wäre.

"Aber mit der jetzigen Lösung, mit dem Standort im Nachbarort und gleichzeitig der Nutzung einer leer stehenden Immobilie hat es so noch einen guten Effekt gegeben", sagt er.

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