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Zittauer Gebirge künftig ohne Abfalleimer?

Keine Papierkörbe mehr an Park- und Rastplätzen - das ist der Plan im Naturpark. Die Meinungen darüber sind geteilt. Aber ein Problem ist viel größer.

Regelmäßig liest Landwirt Henrik Sell den Müll von seinen Grünflächen am Waltersdorfer Butterberg, den Wanderer nach ihrer Rast hinterlassen.
Regelmäßig liest Landwirt Henrik Sell den Müll von seinen Grünflächen am Waltersdorfer Butterberg, den Wanderer nach ihrer Rast hinterlassen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Henrik Sell hat sich Gummihandschuhe angezogen und bückt sich fluchend. Er sammelt  Tempotaschentücher auf und Bonbonpapier, ein zusammengeknülltes Stück Alufolie,  die Folie einer Zigarettenschachtel. Wenigstens keine Flaschen und Büchsen diesmal. Aber das ist für Sell nur ein minimaler Trost. "Wenn ich den Dreck hier nicht auflese, haben ihn die Kühe im Futter", schimpft der Landwirt aus Saalendorf.

Es ist ein idyllisches Fleckchen, dieser kleine Rastplatz hier am Fuße des Waltersdorfer Butterbergs. Von der Bank, die hier am Wanderweg steht, reicht der Blick weit ins Land. Das lädt geradezu ein zum Rasten und Schauen. "Und zur Picknickpause", seufzt Henrik Sell.

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Die saftigen Wiesen hier am Fuße des Butterbergs sind sein Land, hier wächst das Futter für die Rinder in seinem Stall. "Wenn sie den Dreck mitfressen, werden sie krank", sagt der Landwirt. Also liest er ihn auf.

An der Bank mit der schönen Aussicht steht nämlich schon seit Längerem kein Papierkorb mehr. Dafür ein Schild, das die Wanderer in freundlich gereimten Worten darauf hinweist, die Reste ihres Picknicks doch bitte wieder mitzunehmen.

"Der gesunde Menschenverstand müsste doch meinen, dass das selbstverständlich ist", sagt Henrik Sell. "Da brauchte es doch nicht mal ein Hinweisschild." Aber am gesunden Menschenverstand zweifelt der Landwirt ab und an. Und deswegen hat er sich als Gemeinderat in Großschönau auch dagegen ausgesprochen, die Papierkörbe an den Park- und Rastplätzen im Zittauer Gebirge komplett zu entfernen.

Ein Schild am Rastplatz am Waltersdorfer Butterberg bittet Wanderer, die Reste vom Picknick wieder mit nach Hause zu nehmen. Offensichtlich interessiert das nicht jeden.
Ein Schild am Rastplatz am Waltersdorfer Butterberg bittet Wanderer, die Reste vom Picknick wieder mit nach Hause zu nehmen. Offensichtlich interessiert das nicht jeden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

So nämlich ist es der Plan im Naturpark. Und Naturpark-Geschäftsführer Peter Pachl ist auch überzeugt davon, dass er funktioniert. "In den Alpen steht doch auch nirgends ein Abfallbehälter, und jeder nimmt seinen Müll ganz selbstverständlich wieder mit nach Hause", sagt Pachl. "Warum sollte das denn im Zittauer Gebirge anders sein?"

Ja, warum eigentlich? Dafür hat auch Landwirt Sell keine Erklärung. Und anderswo, am erst neu gebauten Rastplatz an den Kelchsteinen in Oybin zum Beispiel, geht es ja auch. Dort ist bereits bewusst auf Papierkörbe verzichtet worden. Nur selten bleibt dort mal eine Flasche stehen oder Papier liegen, sagt Tobias Schebesta vom Oybiner Bauhof.

Die Bauhofmitarbeiter der Gebirgsgemeinden sind diejenigen, die die Papierkörbe an den Wanderparkplätzen und Rastplätzen regelmäßig leeren müssen. "Ein immenser Arbeits- und Zeitaufwand", sagt Schebesta. Er hat die Erfahrung gemacht, dass die Papierkörbe eher noch zum Müllentsorgen verleiten. "Wir holen hier auch regelmäßig irgendwelchen Hausmüll raus, Abfälle, die garantiert nicht von einem Picknick übrig sind", erzählt Tobias Schebesta. "Je mehr Abfallbehälter, desto mehr Müll", sagt er. Deshalb sei auch er für das Projekt "papierkorbfreies Gebirge".

Sofa und Fernseher am Waldweg

Unterstützung bekommt Naturpark-Geschäftsführer Peter Pachl auch von den Mitarbeitern des Zittauer Forstbetriebs. Revierförsterin Denis Goldhahn erzählt, dass sich auf den Rastplätzen rund um die Abfallbehälter oft noch mehr Müll sammelt, vor allem Flaschen, die dann einfach neben die Behälter gestellt werden nach dem Motto: Irgendwer wird das schon entsorgen.

Dieses Bild hat Revierförsterin Revierförsterin Denis Goldhahn am Mittwochmorgen beim Forsthaus Lückendorf gemacht.
Dieses Bild hat Revierförsterin Revierförsterin Denis Goldhahn am Mittwochmorgen beim Forsthaus Lückendorf gemacht. © Denis Goldhahn

Spätestens nächstes Jahr sollen die Papierkörbe, die es im und am Wald noch gibt, allesamt abgebaut werden. "Wir wollen stattdessen an den Waldparkplätzen Infotafeln mit freundlichen Piktogrammen aufstellen, die in allen Sprachen verständlich sind", kündigt Pachl an. "Ein freundliches Hinweissystem, wie man sich im Wald verhält."  

Wenn es um Müll im Wald geht, sind die Papiertaschentücher für Revierförsterin Denis Goldhahn allerdings das geringste Problem. Mit Abstand schlimmer ist der Sperrmüll, der meistens gleich in der Nähe von Einfahrten und Waldparkplätzen abgelagert wird: Autoreifen, Sofas, Fensterrahmen, Fernseher und ganze Säcke voller Hausmüll. "Das wird immer schlimmer", sagt die 36-Jährige. Letzte Woche hat jemand eine tote Katze am Waldweg abgelegt.

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"Und manche denken auch, sie könnten ihren Grünschnitt aus dem Garten im Wald entsorgen", sagt sie. "Die Leute wissen wahrscheinlich nicht, dass sie damit viel Schaden anrichten, weil sich dadurch Pflanzen im Wald verbreiten, die hier gar nicht hingehören." Sie würde da gerne mal einen erwischen, sagt sie. Illegales Müllentsorgen im Wald kann nämlich ziemlich teuer werden.

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