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Olbersdorfer Familie verliert bei Brand alles

Ein verheerendes Feuer hat am Sonnabend ein Umgebindehaus zerstört. Eine Frau wird schwer verletzt. Jetzt bloß nicht den Mut verlieren!

Das Umgebindehaus von Familie Gläser in Olbersdorf ist bei einem Brand am vergangenen Sonnabend fast völlig zerstört worden.
Das Umgebindehaus von Familie Gläser in Olbersdorf ist bei einem Brand am vergangenen Sonnabend fast völlig zerstört worden. © Matthias Weber/photoweber.de

Am Mittwochmittag stehen Heidemarie und Rainer Gläser zum ersten Mal nach dem Drama vom Sonnabend wieder vor ihrem Haus. Vor dem, was noch übrig ist. Heidemarie Gläser muss sich an der Wäschestange festhalten, damit ihr nicht die Beine wegsacken. Ein Kriminaltechniker hilft ihr auf die Gartenbank.

Heidemarie Gläser ist 71 Jahre alt. Und in diesem Umgebindehaus in Olbersdorf, das jetzt eine Ruine ist, ist sie geboren. Hier hat sie ihr ganzes Leben lang gewohnt. Immer wieder schüttelt sie ungläubig den Kopf, so als könne sie nicht begreifen, was sie da sieht: die verkohlten Balken des Dachstuhls, die wie ein schwarzes Gerippe in den Himmel ragen, die verrußten Dachziegeln, die überall verstreut am Boden liegen, die geborstenen Fenster im Obergeschoss, die nur noch schwarze Löcher sind.

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Am vergangenen Sonnabendnachmittag brannte das Umgebindehaus von Familie Gläser in Olbersdorf. 
Am vergangenen Sonnabendnachmittag brannte das Umgebindehaus von Familie Gläser in Olbersdorf.  © xcitepress
Die schöne Haustür, die Rainer Gläser erst vor Kurzem frisch gestrichen hat, ist heil geblieben.
Die schöne Haustür, die Rainer Gläser erst vor Kurzem frisch gestrichen hat, ist heil geblieben. © Matthias Weber/photoweber.de

"Wir haben das hier oben doch erst alles neu gemacht, die ganze Elektrik, die Heizung", sagt sie leise. "Wir haben so viel Geld reingesteckt." Ihr Sohn kommt und legt ihr den Arm um die Schulter. "Das Wichtigste ist doch, dass wir alle am Leben sind", sagt der 51-Jährige. Jürgen Gläser hat mit seiner Lebensgefährtin und ihrem Sohn auch in diesem Haus gewohnt. Drei Generationen unter einem Dach, so wie das immer schon war in diesem großen, denkmalgeschützten Umgebindehaus, das einst dem Uropa gehörte.

Dass alle am Leben sind, ist wirklich das größte Glück im Unglück der Familie. Jürgen Gläsers Lebensgefährtin liegt mit schwersten Verbrennungen in einer Leipziger Spezialklinik. "Sie wird es schaffen", sagt Jürgen Gläser. "Gott sei Dank! Am Freitag dürfen wir sie besuchen."

Was genau passiert ist am vergangenen Sonnabendnachmittag, das wissen die Gläsers nicht genau. Heidemarie sitzt gerade auf der Gartenbank, als die Nachbarin aufgeregt herüber ruft: "Bei euch brennt es!" Geistesgegenwärtig rennt Heidemarie ins Haus und ruft alle zusammen. Jürgen Gläser sitzt da gerade in der Badewanne. "Ich hab mir nur schnell die Hose angezogen, die überm Bügel hing" erzählt er, "so bin ich raus." Seine Brille lässt er in der Aufregung liegen. Ein Feuerwehrmann wird sie ihm später bringen.

Seine Lebensgefährtin ist da noch oben. Jürgen Glaser hört sie schreien. Sie schafft es im allerletzten Moment die Treppe herunter. Der Notarzt, der sie versorgt, fordert einen Rettungshubschrauber an. Domenic, ihr 19-jähriger Sohn, ist da gerade beim Fußball. Olbersdorf spielt gegen Obercunnersdorf. Domenic sieht den Hubschrauber und die Rauchsäule. "Das ist doch bei euch", hört er jemanden rufen.

Freunde organisieren Spendenaktion

Am Mittwochmittag haben die Kriminaltechniker der Görlitzer Polizeidirektion ihre Arbeit beendet. Den ganzen Vormittag sind sie im Haus gewesen und haben nach der Ursache des verheerenden Feuers gesucht. Fest steht: Es ist in Domenics kleiner Wohnung ausgebrochen. Er hat einen alten Kochherd in der Küche, der mit Holz gefeuert werden kann. "Eine Verpuffung", sagen die Ermittler und gehen von fahrlässiger Brandstiftung aus. Genaues müssten nun die weiteren Untersuchungen ergeben, sagen sie.

Nach den Kriminaltechnikern dürfen auch die Gläsers kurz ins Haus. Jürgen Gläser kommt mit einem verschmorten Autoschlüssel heraus, Domenic hat das Handy seiner Mutter gefunden. Heidemarie hat ein paar Sachen in einen Stoffbeutel gestopft, auch den Hausschlüssel und einen Wecker. Das allermeiste aber ist verbrannt oder vom Löschwasser unbrauchbar geworden.

Die fünfköpfige Familie hat ihr Obdach und ihr Hab und Gut verloren. Das Umgebindehaus, das als das älteste und eines der schönsten in Olbersdorf gilt, hat großen Schaden genommen. Ob es wieder aufgebaut werden kann, ist noch unklar. "Aber wir dürfen jetzt nicht den Mut verlieren", sagt Jürgen Gläser. Seine Eltern nicken tapfer.

Die Familie ist erst einmal in einer möblierten Wohnung der KWV im Olbersdorfer Neubaugebiet untergekommen, in der sie bleiben kann, so lange das nötig ist. "Dass wir in so einer Situation helfen, ist doch selbstverständlich", sagt KWV-Geschäftsführer Karsten Hummel, der beim Feuerwehreinsatz am Sonnabend der Einsatzleiter war. 39 Feuerwehrleute der Freiwilligen Wehren aus Olbersdorf, Zittau und Bertsdorf-Hörnitz waren vor Ort. "Wir versuchen beim Löschen zwar immer, den Schaden so gering wie möglich zu halten", erklärt Hummel. "Diesmal aber konnten wir nicht viel tun."

Die Gläsers sind sehr dankbar für die Hilfe. "Es sind auch gleich Leute gekommen, die uns Sachen gebracht haben", erzählen sie. "Wir hatten ja nur noch das, was wir gerade auf dem Leibe hatten." Die Fußballkumpels von Domenic haben auf der Spendenplattform "betterplace" im Internet eine Spendenaktion für die Familie gestartet.

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"Wir möchten uns bei allen ganz herzlich bedanken", sagen sie. Und auch, wenn das jetzt noch ganz unvorstellbar scheint, haben sie die Hoffnung, irgendwann wieder in das Haus zurückkehren zu können. Die schöne Haustür, die Rainer Gläser erst vor kurzem frisch gestrichen hat, ist vom Brand völlig verschont geblieben. "Das ist ja vielleicht ein Symbol", sagt der 75-Jährige.

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