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Einbrüche in Zittau: Die Wut eines Unternehmers

Die Grenze ist offen - die Kriminalität wieder da. Der Chef der Zittauer Baufirma Osteg zweifelt an der Polizei.

Die Inhaber der Zittauer Firma Osteg Jan Wildenhain (l.) und Marc Matthäi sind sauer, denn wiederholt waren Diebe auf dem Geschäftsgelände.
Die Inhaber der Zittauer Firma Osteg Jan Wildenhain (l.) und Marc Matthäi sind sauer, denn wiederholt waren Diebe auf dem Geschäftsgelände. © Matthias Weber/photoweber.de

Zittau. Die Corona-Pandemie hat den Menschen viel abverlangt. Doch mancher hat wenigstens einen Teil der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus begrüßt: die Schließung der Grenzen zu Polen und Tschechien. Denn die Polizei registrierte während der Zeit geschlossener Grenzen auch einen signifikanten Rückgang der grenzüberschreitenden Kriminalität. Doch kaum sind die Grenzen wieder offen, geht's auch wieder los. Weit oben auf der Wunschliste von Dieben stehen Baumaschinen. Immer wieder betroffen ist das Zittauer Straßen- und Tiefbau-Unternehmen Osteg. Dessen Chefs fragen nun verzweifelt: Wo ist die Polizei, wenn man sie braucht?

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Der jüngste Fall liegt erst einige Tage zurück. Nachts dringen unbekannte Täter auf das direkt an der polnischen Grenze gelegene Osteg-Firmengelände an der Friedensstraße in Zittau ein. Dort gelingt es ihnen, einen Radlader zu starten. Offensichtlich mit der Bedienung der Baumaschine überfordert, rumpeln die Täter mit der Vorderachse über eine vor dem Fahrzeug abgelegte Lader-Schaufel in den Grundstückszaun und fahren sich so fest. Die Täter entkommen unerkannt, hinterlassen mehrere tausend Euro Schaden - wieder einmal.

Zweifel am Auftrag der Polizei

"Kaum ist die Grenze offen, geht das wieder los", klagt Osteg-Mitinhaber Jan Wildenhain und zweifelt am Auftrag der Polizei. "Als die Grenze hier wegen Corona dicht war, gab es immer genügend Polizei, um an der Grenze zu kontrollieren", sagt er. Demonstrationen gegen die Maßnahmen, etwa die Ringspaziergänge, seien mit großem Polizeiaufgebot begleitet worden. "Auch um Ausgangsbeschränkungen durchzusetzen, war die Polizei immer präsent", so Wildenhain. Bloß um die Menschen vor Einbrüchen und Diebstahl zu schützen - dafür fehle der Polizei offenbar die Kraft.

Fälle wie der vor einigen Tagen füllen bei Jan Wildenhain seit 2017 zwei Aktenordner. Vom Dieselklau bis zum Verschwinden von teuren Baumaschinen - über 100 Fälle hat er in diesen Ordnern aufgelistet. Die Schadenssumme: sechsstellig. Und längst nicht alle dieser Schäden waren versichert. "Manche Maschine bekommt man überhaupt nicht mehr versichert oder aber nur zu Prämien, dass es sich nicht lohnt", sagt Wildenhain. Und: Viele Baumaschinen bekommt man auch nur schlecht gesichert. Denn anders als Autos haben etwa Bagger oder Radlader eines Herstellers oft identische Tür- und Zündschlüssel. "Solche Schlüssel können sich auch die Täter für maximal 75 Euro im Internet bestellen", sagt Wildenhain und ruft eine Seite des Online-Handelsriesen Amazon auf. Für 4,61 Euro gibt's da etwa einen Schlüsselsatz für Baumaschinen des Herstellers Hitachi.

Die Dreistigkeit der Diebe

Betroffen von Diebstählen sind in großer Zahl auch die noch schwerer zu schützenden Baustellen. "Nur einen Tag nach der Grenzöffnung zu Tschechien im Mai war auf einer unserer Baustellen in Herrnhut eine große Menge Diesel aus Maschinen verschwunden", sagt Wildenhain. Und er hat auch schon die Erfahrung gemacht, dass es keine Lösung ist, die Fahrzeuge mit leerem Tank abzustellen. "Da wurde uns dann schon von den Tätern als Rache dafür, dass sie keine Beute gemacht haben, Sand in die Tanks geschüttet", erzählt er. Und an manchen Baustellen sind Diebe teils besonders dreist. "An einer Baustelle an der Schrammstraße in Zittau haben Diebe schon am helllichten Tage mit unserem eigenen Bagger eine Rüttelplatte auf einen Hänger verladen und sind auf und davon", schildert Wildenhain.

Die neueren und sehr teuren Baumaschinen hat Osteg mittlerweile mit GPS-Ortungssendern ausgestattet. Immerhin: In einem Fall gelang es, so einen Radlader jenseits der polnischen Grenze ausfindig zu machen und zurückzuholen. "Aber das kostet für den ganzen Fuhrpark 25.000 Euro pro Jahr", sagt Jan Wildenhain. Auch auf dem Betriebsgelände an der Friedensstraße hat Osteg sicherheitstechnisch aufgerüstet. Zur Neißeseite sichert ein stacheldrahtbewehrter Zaun das Gelände. Den Zaun rundum säumen große Findlinge, um ein Durchbrechen zu erschweren. "Aber mit den Geräten, die die Diebe hier stehlen wollen, können sie solche Findlinge ja auch zur Seite schaffen", schildert Wildenhain das Problem.

Die Fahndungserfolge der Polizei

Dass die Polizei untätig sei, wie Jan Wildenhain beklagt, ist freilich nicht so. Die bei der Polizeidirektion Görlitz eingerichtete "Soko Argus" kann tatsächlich erhebliche Erfolge gegen Eigentumskriminalität verbuchen. Der Eindruck von Wildenhain sein Unternehmen betreffend ist dennoch ein anderer. "Da ist mal ein Polizist freudestrahlend hier reingekommen und hat verkündet, man habe einen Täter erwischt", erzählt er - dabei habe es sich um einen Jugendlichen gehandelt, der ein paar Warnbaken mit Graffiti beschmiert hatte.

In einem anderen Fall seien tatsächlich drei Polen als Tatverdächtige dingfest gemacht worden. Hier bekam Wildenhain dann aber von der Staatsanwaltschaft die Mitteilung, dass das Ermittlungsverfahren in Deutschland eingestellt worden sei - weil wegen dieses Vorgangs bereits in Polen gegen die Männer ermittelt werde.

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