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Ostritzer Unterschriften-Affäre beendet

Mit einer gemeinsamen Erklärung distanziert sich der Stadtrat von der Ehrenbürgerschaft Hitlers - doch nicht alle Unterschriften sind als solche erkennbar.

Unleserliche und verwirrend platzierte Unterschriftenkürzel auf der Urkunde sorgten für einen Irrtum.
Unleserliche und verwirrend platzierte Unterschriftenkürzel auf der Urkunde sorgten für einen Irrtum. © Stadt Ostritz

Über 75 Jahre ist Adolf Hitler nun tot - doch in Ostritz sorgte er jetzt noch wegen eines unappetitlichen Details in der Stadt-Chronik für eine Unterschriften-Affäre. Im Sommer wurde die Stadt darauf aufmerksam, dass der Nazi-Diktator immer noch in der Liste der Ehrenbürger geführt wird. Mit einer von allen Stadträten unterschriebenen und der Chronik hinzugefügten Erklärung wollte sich die Stadt von dieser Ehrenbürgerschaft distanzieren. Doch auf der Erklärung fehlte scheinbar die Unterschrift eines in jener Stadtrats-Sitzung anwesenden Stadtrates. Daraufhin gab's Streit - der in der jüngsten Stadtrats-Sitzung am Donnerstag beigelegt wurde.

Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) hatte auf SZ-Anfrage gemutmaßt, dass AfD-Stadtrat Thomas Homilius nicht unterzeichnet haben könnte. Ein Irrtum, wie sich schnell herausstellte - denn tatsächlich hatten alle anwesenden Stadträte unterschrieben. Der Irrtum wurde begünstigt durch zwei unleserliche Paraphen. Eine davon stammt von Thomas Homilius, die zweite von Thomas Göttsberger. Und Göttsbergers Paraphe ist genau zwischen dem abgekürzten Vornamen und dem (leserlichen) Nachnamen des Stadtrats Deckwart platziert - und ist so nur schwer als separate Unterschrift zu erkennen.

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Unterschriften-Liste neu und leserlich erstellt

Bürgermeisterin Prange hatte sich sofort nach Bekanntwerden des Irrtums in einem Schreiben an alle Stadträte gewandt und sich bei Thomas Homilius entschuldigt. Doch damit allein wollte Homilius die Sache nicht auf sich bewenden lassen. Zur jüngsten Stadtratssitzung am Donnerstagabend reichte er eine Anfrage ein. "Warum sagen Sie, dass meine Unterschrift nicht drauf sei. Können Sie mir das erklären?", fragte er die Bürgermeisterin.

Marion Prange betonte erneut, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt habe. "Dafür habe ich mich am Tag des Bekanntwerdens persönlich bei Ihnen entschuldigt", sagte sie an Homilius gewandt. "Ich bin jetzt seit zwölf Jahren Bürgermeisterin", setzte Prange zu einer weiteren Erklärung an, worauf Homilius in den Saal rief: "Zu lange!" Die Bürgermeisterin betonte erneut, keine böse Absicht verfolgt zu haben, kritisierte aber zugleich auch die Stadträte Homilius und Göttsberger für ihre unleserlichen Paraphen. "Bei so einer Sache so eine Unterschrift ...", sagte Prange. Thomas Homilius hatte wegen der Sache ursprünglich erwogen, die Stadt zu verklagen, erklärte nun aber an die Bürgermeisterin gewandt: "Sie haben sich bei mir entschuldigt, damit ist die Sache für mich erledigt."

Weil jene Erklärung zur Ehrenbürgerschaft Hitlers in der Chronik der Nachwelt erhalten bleiben soll, will die Stadt aber künftige Unterschriften-Missverständnisse vermeiden. Deshalb wurde die Unterschriftenliste neu erstellt - mit einer markierten Zeile für jeden Stadtrat. "Wie für die Kinder in der 1. Klasse", kommentierte Marion Prange das, und: "Ich würde bitten, dass jeder in der Zeile, und wirklich nur in der Zeile unterschreibt, damit es jeder lesen kann."

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