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Oybin holt legendäre Märchenspiele zurück

Große Ritterspiele wird es auf der Naturbühne am Fuße der Oybiner Burg wohl nicht mehr geben. Dafür aber bald ein ganz besonderes Kleinod.

Modellbauer Sebastian Sonsalla wird das bekannte Oybiner Krippenspiel restaurieren und später auch betreiben.
Modellbauer Sebastian Sonsalla wird das bekannte Oybiner Krippenspiel restaurieren und später auch betreiben. © Matthias Weber/photoweber.de

Sebastian Sonsalla hat Hartnäckigkeit und Überredungskunst gebraucht. Aber jetzt scheint der Coup gelungen. "Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass alles klappt und auch nichts mehr schief geht", sagt der Modellbauer, der am Fuße des Berg Oybin in seiner "Oberlausitzer Miniwelt" berühmte Bauwerke im Maßstab 1:50 nachbaut.

Diesmal aber geht es um etwas anderes: Um ein Kleinod, einen Schatz, der nach fast zwei Jahrzehnten wieder dorthin zurückkehren soll, wo er hingehört: Sebastian Sonsalla und die Gemeinde Oybin holen die legendären Oybiner Märchenspiele zurück, jenes mechanische Krippenspiel, das seit 1937 Generationen von Kindern und Erwachsenen im Kurort begeisterte.

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2004 waren das "Waldfest der Tiere" und die anderen Darstellungen des Holzschnitzers Paul Riedel aus dem Kurort weggezogen. Der Tauchritzer Unternehmer Hans-Jürgen Rafelt hatte die Märchenspiele vor einer drohenden Zwangsversteigerung gerettet und dem geschnitzten Wunderwerk ein neues Zuhause in einem Garten in der Nähe des Berzdorfer Sees gegeben.

"Waldfest der Tiere" heißt diese wunderschöne Szene, die bald wieder in Oybin zu sehen sein soll.
"Waldfest der Tiere" heißt diese wunderschöne Szene, die bald wieder in Oybin zu sehen sein soll. © privat

Nun aber will Rafelt sich zur Ruhe setzen. Anfang vorigen Jahres hatte er der Gemeinde Oybin deshalb angeboten, die Märchenspiele zurückzuholen. "Wir waren uns sofort einig, dass wir diese Chance nutzen wollen", erzählt Bürgermeister Tobias Steiner (SPD). "Die Oybiner Märchenspiele sind doch ein Teil der Ortsgeschichte, an dem viele Kindheitserinnerungen hängen", sagt er. Es wäre doch schade, wenn dieses Kleinod nach Dresden, Berlin oder sonst wohin verkauft würde.

Das Häuschen mit Wasserrad, wie es jetzt noch in Tauchritz am Berzdorfer See steht.
Das Häuschen mit Wasserrad, wie es jetzt noch in Tauchritz am Berzdorfer See steht. © privat

Auch ein Standort und ein neuer Betreiber sind gefunden. Die Märchenspiele sollen künftig auf der Naturbühne am Fuße des Oybins aufgebaut werden. "Da schlagen wir auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe", sagt der Bürgermeister. Denn seit dem Ende der Oybiner Ritterspiele, die zwei Jahrzehnte lang auf der Naturbühne Tausende Zuschauer begeisterten, liegt der so zentral wie idyllisch gelegene Veranstaltungsort weitgehend brach. Ritterspiele wird es in dieser Form nicht mehr geben. Mario Kahl, der sie gemeinsam mit seinem Bruder Holger gegründet und betrieben hatte, war vor zwei Jahren an Krebs gestorben.

Mit den Märchenspielen will die Gemeinde nun einen ersten Schritt zur Wiederbelebung der Naturbühne gehen. Künftig soll der Ort auch wieder für Veranstaltungen und Erlebnistage genutzt werden, wünschen sich die Gemeinderäte.

Die Verhandlungen um den Kauf der Märchenspiele stehen kurz vor dem Abschluss. Modellbauer Sebastian Sonsalla wird das Krippenspiel reparieren und restaurieren und künftig auch betreiben. Der 39-Jährige hatte sich von Anfang an maßgeblich dafür eingesetzt und auch daran mitgearbeitet, dass die Rückhol-Aktion gelingt.

Die Gemeinde will das Projekt mit Fördermitteln aus dem Leader-Projektfond finanzieren. Das hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Der Förderantrag ist gestellt.

Auch Jonsdorfer Märchenspiele stehen in Oybin

Die alten Oybiner Märchenspiele werden übrigens nach ihrer Rückkehr zwar die alteingesessenen, nicht aber die einzigen mechanischen Krippenspiele am Fuße des Oybin sein. Seit 15 Jahren bewegen sich auf einer Fläche hinter dem Café Balzer die Figuren der Jonsdorfer Märchenspiele, die 1970 von Fritz Buttig, einem Schüler des Oybiner Holzschnitzers Paul Riedel, gebaut wurden und 2006 von Jonsdorf nach Oybin umgezogen waren.

Update: Der Beitrag wurde am 22. Februar, 11 Uhr geändert: In einer früheren Version hieß es, an die Gründer der Oybiner Ritterspiele, die Brüder Mario und Holger Kahl aus Großschönau, soll auf der Naturbühne ein Denkmal erinnern. Das vom Großhennersdorfer Künstler Günter Schönfelder geschaffene Monument wird aber nicht nicht auf der Naturbühne aufgestellt. Das hatte der Oybiner Gemeinderat zwischenzeitlich mehrheitlich entschieden. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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