merken
PLUS Zittau

Fischers Plan von "nationalen Großprojekt"

Der Besitzer des Hotels "Neißeblick" in Ostritz sucht Gleichgesinnte, die ihm sein Grundstück in Ostritz scheibchenweise abkaufen. Was bezweckt er?

Teilnehmer an einem rechtsextremen "Schild und Schwert"-Festival vor dem Veranstaltungsgelände: Hans-Peter Fischers Hotel Neißeblick.
Teilnehmer an einem rechtsextremen "Schild und Schwert"-Festival vor dem Veranstaltungsgelände: Hans-Peter Fischers Hotel Neißeblick. © Paul Sander

Im letzten Jahr hat Hans-Peter Fischer mit seiner Immobilie in Ostritz rein gar nichts verdient. Die rechtsextremen Veranstaltungen, für die der Unternehmer aus dem hessischen Örtchen Biblis sein Hotel-Grundstück an der Neiße regelmäßig vermietet, sind 2020 wegen Corona ausgefallen.

Die Mieten aus den rechtsextremen Veranstaltungen sind seit Jahren Fischers einzige Einnahmequelle auf dem drei Hektar großen Gelände. Der Hotelbetrieb ist eingestellt. Das Gebäude behördlich gesperrt. Seit Längerem schon sucht der 72-Jährige einen Käufer für das Areal. Potenzielle Interessenten sind immer wieder abgesprungen, zuletzt ein Selbstständiger aus Berlin, der auf dem Gelände ein Fuhrunternehmen aufbauen wollte.

Anzeige
Unschlagbare Schnäppchen bei NORMA
Unschlagbare Schnäppchen bei NORMA

Ab dem 18. Januar gibt es bei NORMA wieder zahlreiche Rabattaktionen. Hier finden Sie die besten Angebote und Aktionsprodukte aus dem aktuellen Prospekt.

Jetzt also versucht es Fischer auf neue Art: In der rechten Zeitschrift "Junge Freiheit" hat er vor Kurzem eine Anzeige geschaltet: "Helft mit und werdet Anteilseigner am nationalen Großprojekt Neißetal" ruft er die Leser des Blattes auf und macht damit auch gleich unmissverständlich deutlich, an welches Klientel sich sein Ansinnen richtet.

Grundstücksbesitzer Hans-Peter Fischer (l.) und NPD-Funktionär Thorsten Heise, aufgenommen beim rechtsextremen "Schild und Schwert-Festival" 2019 in Ostritz.
Grundstücksbesitzer Hans-Peter Fischer (l.) und NPD-Funktionär Thorsten Heise, aufgenommen beim rechtsextremen "Schild und Schwert-Festival" 2019 in Ostritz. © Foto: Matthias Weber

Stolz erklärt er am Telefon, was er sich mit seinem neuesten Coup gedacht hat: Wenn man 1.000 Eigentümer hätte, von denen jeder 30 Quadratmeter besitzen würde, dann könnten die Behörden keine Betretungsverbote mehr aussprechen, weil ja dann jeder sein eigenes kleines Grundstück betreten könnte, so glaubt es Fischer und lacht sich ins Fäustchen. "Die Resonanz ist riesig", behauptet er.

Beim Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet man die Entwicklungen auf dem Gelände an der Neiße genau. Dass Fischers Plan vom "nationalen Großprojekt" aufgeht, hält man hier für unwahrscheinlich. "Durch die corona bedingten Verdienstausfälle im Jahr 2020 dürfte er wieder auf der Suche nach Einnahmequellen sein", sagt eine Sprecherin.

Die Verfassungsschützer gehen aber davon aus, dass die 2020 ausgefallenen Veranstaltungen wie das "Schild und Schwert"-Festival in diesem Jahr nachgeholt werden, soweit die Corona-Lage das ermöglicht. NPD-Funktionär Thorsten Heise, der in Ostritz stets als Veranstalter auftritt, hatte das auch schon angekündigt.

Gegen das rechtsextreme Geschehen auf Fischers Hotelgelände hat sich in Ostritz von Anfang an ein breiter zivilgesellschaftlicher Widerstand formiert. Dem wiederholten braunen Treiben an der Neiße setzt eine Bürgerinitiative immer wieder bunte Friedensfeste auf dem Marktplatz und außergewöhnliche Aktionen entgegen.

2019 war es der Stadt Ostritz unter Federführung von Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) gelungen, eine angemeldete rechtsextreme Kampfsportveranstaltung zu verbieten. Das war bundesweit das erste erzwungene Verbot einer derartigen Veranstaltung.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Mehr zum Thema Zittau