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Polizei fahndet nach verbotenen Böllern

Mit einer Schwerpunktkontrolle in Zittau reagieren die Ermittler auf die Einfuhr von "Polen-Böllern". SZ erklärt, was diese Sprengsätze so lebensgefährlich macht.

Bei einer Schwerpunkt-Kontrolle an der Friedensstraße in Zittau fahndeten Polizei und Bundespolizei nach verbotenem Feuerwerk.
Bei einer Schwerpunkt-Kontrolle an der Friedensstraße in Zittau fahndeten Polizei und Bundespolizei nach verbotenem Feuerwerk. © Rafael Sampedro

Wenn es darum geht, es zum Jahreswechsel so richtig krachen zu lassen, ist manchen Menschen kein Weg zu weit und zu aufwendig - wie ein Fall zeigt, den jetzt die Bundespolizei meldet. Und weil das, was in diesen Tagen an Feuerwerk über die Grenze nicht nur illegal, sondern auch lebensgefährlich ist, reagierten die Ermittler nun mit einer Großkontrolle an der polnischen Grenze in Zittau - zumal das Verbot des Feuerwerk-Verkaufs in Deutschland in diesem Jahr für besondere Begehrlichkeiten nach der brisanten Ware aus Polen sorgen könnte.

Ein junger Radfahrer kam einer Streife der Bundespolizei am frühen Sonntagnachmittag (27. Dezember) an der Friedensstraße in Zittau nicht so vor, als würde er Sport betreiben. Auf einem E-Bike kam er aus Polen daher, an jeder Seite des Lenkers hing eine vollbepackte Plastiktüte. Und deren Inhalt war im Wortsinn brisant: 118 illegale Feuerwerkskörper waren darin - mit einer Explosivmasse von über einem Kilogramm. Der Mann gab an, die verbotenen Polenböller kurz zuvor jenseits der Grenze erworben zu haben.

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Und damit nicht genug: Wie Alfred Klaner, Sprecher der Bundespolizeiinspektion in Ebersbach gegenüber SZ erklärt, war der 28-Jährige zuvor mit dem Zug aus Mittweida nach Zittau gekommen. Vom Bahnhof fuhr er mit seinem mitgebrachten E-Bike über die Grenze, um sich in Polen mit Feuerwerk einzudecken. Neben der Strafanzeige wegen der verbotenen Böller, erwartet den Mann jetzt noch ein Verfahren gegen die Corona-Schutzverordnung, weil er ohne triftigen Grund seine Wohnung verlassen, die Grenze gequert hat und zudem noch weit außerhalb des zulässigen 15-Kilometer-Radius seiner Wohnung unterwegs war.

Keine Böller gefunden - aber Abschreckung

Um die Einfuhr von verbotenem Feuerwerk zu verhindern - und um Corona-Verstöße aufzudecken - errichteten Bundes- und Landespolizei am Montagmorgen (28. Dezember) mit einem dutzend Beamten eine Kontrollstelle am Grenzübergang an der Zittauer Friedensstraße. Die massive Präsenz zeigte jenseits der Grenze schnell Signalwirkung. Jenseits der Grenzbrücke wendeten einige Autofahrer. Doch wer glaubte, etwa mit einem kleinen Umweg über den anderen Grenzübergang an der Chopinstraße unentdeckt zu bleiben, irrte. "Dort kontrollieren wir auch - allerdings etwas verdeckter", sagt Bundespolizeisprecher Alfred Klaner. Und so knarzt aus dem Funkgerät der Beamten an der Friedenstraße kurz später eine Erfolgsmeldung von den Kollegen: Keine verbotenen Böller, aber zu viele Zigaretten hatte ein Autofahrer dort nach einem ebenfalls verbotenen Tank-Ausflug an Bord.

Für einige, die von der deutschen Seite in die Kontrolle hineinfahren, bleibt diese zumindest straflos. "Ich wollte nur kurz tanken und Zigaretten holen", sagt der Fahrer eines SUV. Er habe nicht gewusst, dass man nicht ohne weiteres rüberfahren darf. Auf Weisung der Beamten kehrt er um. Ein anderer gibt an, er habe im Internet gelesen, dass es doch erlaubt sei. Auch diesen Mann belehren die Beamten, dass die Grenze zwar nicht geschlossen sei, aber: Wer ohne triftigen Grund hinüberfährt, muss sich nach der Rückkehr in Quarantäne begeben. Und weil Tanken und Zigaretten holen keine triftigen Gründe sind, die Grenze zu überqueren, wird zusätzlich noch ein Bußgeld wegen Verstoßes gegen die Coronaschutz-Verordnung fällig. Ein Argument, von dem sich auch dieser Autofahrer überzeugen lässt und umkehrt. Alle anderen kontrollierten Personen, überwiegend Tschechen und Polen, können einen triftigen Grund für den Grenzübertritt vorweisen - und auch verbotene Böller findet die Polizei bei dieser Kontrollaktion nicht.

Dieser Mann gab an, nur rasch Zigaretten kaufen zu wollen. Nach einer Belehrung durch die Polizei kehrte er um.
Dieser Mann gab an, nur rasch Zigaretten kaufen zu wollen. Nach einer Belehrung durch die Polizei kehrte er um. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Unter anderem die Gips-Kapseln, mit denen die Polen-Böller verschlossen sind, machen diese so gefährlich.
Unter anderem die Gips-Kapseln, mit denen die Polen-Böller verschlossen sind, machen diese so gefährlich. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Warum die "Polen-Böller" so gefährlich sind

Der Sprengstoff

Im Gegensatz zu dem in erlaubten und mit einer CE-Kennzeichnung versehenen Feuerwerkskörpern ist in den verbotenen Böllern ein sogenannter "Blitzknallsatz" verbaut. "Das ist ähnlich einem Industriesprengstoff mit einer erheblich höheren Sprengkraft als Schwarzpulver", erklärt Bundespolizeisprecher Alfred Klaner. Während ein versehentlich in der Hand explodierter herkömmlicher Chinakracher Verbrennungen hinterlässt, hat so ein "Blitzknallsatz" die Sprengkraft, um Knochen zu brechen oder Gliedmaßen abzureißen oder zu verstümmeln.

Die lebensgefährliche Verkapselung

"Die hier zugelassenen Knallkörper sind mit Pappe versiegelt, die Polenböller tragen dagegen Gips-Kappen", sagt Klaner. Und diese Gipsstücke würden bei der Explosion mit enormer Kraft herausgesprengt. Das wirkt wie Granatsplitter. "Es gab einen Fall, dass jemand von so einem Gips-Pfropfen tödlich am Kopf verletzt wurde", schildert Alfred Klaner.

Die unberechenbare Lunte

Wegen ihrer enormen Lautstärke sind sogenannte "Kanonen-Kugeln" beliebte Polenböller. Das sind Feuerwerkskörper, die bestimmungsgemäß nur von professionellen Feuerwerkern aus dafür vorgesehenen Rohren in den Himmel geschossen werden dürfen. Diese Kanonen-Kugeln haben sogar eine rund einen halben Meter lange Lunte - und genau die macht sie für Laien so lebensgefährlich. "Im Gegensatz zu den Lunten normaler Kracher brennt diese Lunte innerhalb von Sekundenbruchteilen ab", erklärt Klaner. Das führe immer wieder dazu, dass solche Kanonen-Kugeln noch in der Hand ihrer Nutzer oder in unmittelbarer Nähe explodieren und so schwerste Verletzungen verursachen.

Die ungewisse Lagerung

Zugelassenes Feuerwerk, das auf deutschen Ladentischen landet, kommt quasi direkt aus der Fabrik. Bei den Polen-Böllern weiß der Verbraucher indes nicht, wie lange und unter welchen Umständen sie gelagert wurden - und das kann chemische Prozesse in Gang setzen, die unvorhersehbar sind. "Wenn der in den Polen-Böllern enthaltene Sprengstoff durch unsachgemäße Lagerung feucht geworden ist und zu schnell wieder trocknet, kann das zu einer spontanen Selbstzündung führen", erklärt Bundespolizeisprecher Klaner. Und weil dieser Sprengstoff massenexplosionstauglich ist, fliegen alle anderen Sprengkörper in dessen Nähe auch in die Luft. Wegen der enormen Sprengkraft kann man so mit einer Tüte Polen-Böller im Kofferraum sein ganzes Auto in die Luft jagen.

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