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Hightech-Kamera gibt Kriminellen ein Gesicht

Die Oberlausitzer Polizei hat in Zittau ihr mobiles System "Peris" vorgestellt. Das macht Einbrecher schnell dingfest - und islamistische Gefährder.

Dieses Foto schoss das System "Peris" vom Landtagsabgeordneten Stephan Meyer und Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker.
Dieses Foto schoss das System "Peris" vom Landtagsabgeordneten Stephan Meyer und Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker. © Matthias Weber/photoweber.de

Es ist bloß ein unauffälliger weißer Transporter, der da am Mittwochmorgen, 7. Juli, an der Chopinstraße Fahrtrichtung Polen geparkt ist. Auch dem CDU-Landtagsabgeordneten Stephan Meyer und seinem Beifahrer - dem Zittauer Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) fällt das Gefährt gar nicht weiter auf, als sie daran vorüberfahren. Dabei wurde daraus gerade ein messerscharfes Foto von den beiden geschossen.

Denn hinter den abgedunkelten Heckscheiben des Transporters arbeitet eine Präzisions-Technologie, die grenzüberschreitenden Straftätern das Leben schwer macht. Das ist "Peris", das Personen-Identifikations-System der "Soko Argus", die zur für die Oberlausitz zuständigen Polizeidirektion Görlitz gehört. In Görlitz sorgte "Peris" als fest installierte Version schon ab 2020 für einen schlagartigen Rückgang der Kriminalität in der Stadt. Und jetzt ist es mobil verfügbar, um auch entlang der anderen Grenzen im Kreis Verbrechen auf die Spur zu kommen - mit Schwerpunkt Dreiländereck Zittau.

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Erster Kriminalhauptkommissar Martin Reiner, Leiter der "Soko Argus", erklärt die Idee des Systems mit wenigen Worten: "Peris gibt Kriminellen ein Gesicht." Klassischer Fahndungsfall sei etwa der Diebstahl von Autos, der sich in jüngster Zeit auch wieder in Zittau mehrt. Am Straßenrand aufgestellt, fotografiert Peris jedes vorüberfahrende Auto - und liefert dabei gestochen scharfe Bilder von Kennzeichen und Insassen. "Wenn jemand in einem gestohlenen Auto daran vorbeifährt, wird er also erfasst", sagt Reiner.

Solche erfassten Kennzeichen werden abgeglichen mit denen von Autos, die in der Diebstahlfahndung sind - und schon gibt's ein Bild vom Täter. "Da haben wir ja früher im Nebel gestochert, weil wir ja bloß ein verschwundenes Auto hatten", sagt Martin Reiner.

Viele schnelle Fahndungserfolge

Ganz altmodisch hingegen gehe man mit den ausgedruckten Fotos solcher Personen zur polnischen Polizei. "Und die finden auch oft schnell heraus, um wen es sich handelt", erklärt Reiner. Aufgrund von Fotos des Systems habe die polnische Polizei in jüngster Zeit mehrere Haftbefehle vollstrecken können, weil Täter eindeutig identifiziert wurden. Ebenfalls habe der mobile Einsatz von "Peris" dazu geführt, dass man Diebstahlopfern innerhalb weniger Tage ihr Fahrzeug zurückgeben konnte, berichtet der "Soko Argus"-Leiter und nennt ein Beispiel für einen aufgeklärten Fall: "Auf dem Rücksitz eines fotografierten Autos konnte man eine gestohlene Maschine samt Seriennummer erkennen und das sofort einem bestimmten Diebstahl zuordnen."

Auch Sachsens Innenminister Roland Wöller ließ sich "Peris" bei der Demonstration der Polizeidirektion Görlitz an der Chopinstraße erklären. Er bezeichnete es als "einen Meilenstein der Kriminalitätsbekämpfung" und verwies auf die Ermittlungserfolge der "Soko Argus" seit Beginn des stationären Einsatzes in Görlitz: "Im Jahr 2020 schloss die Soko insgesamt 332 Fälle ab. Davon klärten die Beamten 205 Fälle auf und ermittelten 77 Tatverdächtige. Die Aufklärungsquote lag somit bei 61,7 Prozent."

Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) zeigte sich ebenfalls beeindruckt - wünscht sich dennoch für die Grenzübergänge an der Friedensstraße und der Chopinstraße auch fest installierte "Peris"-Säulen, um die Kriminalität zu senken. "Viele Menschen hier sind sauer und frustriert über die ganzen Diebstähle", sagte er - und nannte insbesondere auch die direkt am Grenzübergang Friedensstraße angesiedelte Baufirma Osteg, die seit Jahren immer wieder Opfer von Einbrüchen und Diebstählen wird.

Obgleich er aufgrund seines derzeitigen Führerscheinverlustes schmunzelnd anmerkte: "Ich fahre immer mit einem großen Glücksgefühl an Polizeikameras vorbei." Minister Wöller sagte ihm zu, diese Installation zu forcieren und auch die Mittel dafür bereitstellen zu lassen. Denn auch wenn die Kriminalität insgesamt abnehme, so habe Eigentumskriminalität in Zittau doch signifikant zugelegt.

Innenminister Roland Wöller und der Görlitzer Polizeipräsident Manfred Weißbach stellten das System vor.
Innenminister Roland Wöller und der Görlitzer Polizeipräsident Manfred Weißbach stellten das System vor. © Matthias Weber/photoweber.de

Auch schon "islamistischen Gefährder" aufgespürt

Technologisch ist "Peris" nicht nur sachsen- und bundesweit, sondern sogar europaweit einmalig, erklärt Soko-Leiter Martin Reiner. Entwickelt habe es die Polizeidirektion Görlitz selbst gemeinsam mit einem Bremer Technologieunternehmen. Zum Einsatz kommt dabei eine hochauflösende Laser-Kamera, die gerichtsfeste Bilder liefert - bei jedem Wetter und unabhängig von den Lichtverhältnissen.

"Peris" kann auch biometrische Daten von Gesichtern erkennen und die Bilder dann mit denen von gesuchten Straftätern aus der Fahndungskartei abgleichen. "Diese Funktion nutzen wir aber aus datenschutzrechtlichen Gründen nur auf staatsanwaltliche Anweisung und nur bei schweren Verbrechen", sagt Reiner. In Görlitz sei es etwa schon vorgekommen, dass eine als "islamistischer Gefährder" eingestufte Person von einer Kamera erfasst worden sei - diesen Vorfall habe man dann nach Berlin weitergereicht.

Das neue mobile Personenidentifizierungssystems "Peris" der Polizeidirektion Görlitz im Fahndungseinsatz. In einen Kleintransporter ist die Technik eingebaut.
Das neue mobile Personenidentifizierungssystems "Peris" der Polizeidirektion Görlitz im Fahndungseinsatz. In einen Kleintransporter ist die Technik eingebaut. © Matthias Weber/photoweber.de

Wer nicht in Zusammenhang mit einer schweren Straftat von "Peris" aufgenommen werde, müsse sich keine Sorgen machen, von der Polizei verfolgt zu werden. Zwar liefert das System bis Tempo 200 problemlos verwertbare Bilder, aber: "Wir verfolgen damit keine Bagatellkriminalität oder Geschwindigkeitsverstöße", so Martin Reiner. Bilder ohne irgendeinen Straftatzusammenhang würden vom System automatisch nach 96 Stunden gelöscht. Ebenso sei "Peris" nicht mit dem Internet verbunden, so dass es auch nicht gehackt werden könne, wobei aufgenommene Bilder in falsche Hände geraten könnten.

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