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Dramatisches Ende einer Polizeikontrolle

Wegen einer Ordnungswidrigkeit wird der Trödelhändler Uwe Beer in Zittau gestoppt - und wäre er mal besser kooperativ gewesen.

Uwe Beer mit seinem Wartburg, mit dem er in eine Polizeikontrolle geriet.
Uwe Beer mit seinem Wartburg, mit dem er in eine Polizeikontrolle geriet. © Markus van Appeldorn

Die Wahrscheinlichkeit, in Zittau in eine Polizeikontrolle zu geraten, ist aktuell sehr hoch. Wegen der Überwachung des Grenzverkehrs in der Corona-Krise patrouillieren dort derzeit auch viele Kräfte der Bereitschaftspolizei. In eine solche Kontrolle geriet jüngst auch der Wittgendorfer Trödler Uwe Beer. Der 60-Jährige ist in der Region bekannt als Veranstalter großer Trödelmärkte wie dem in Kemnitz oder Oppach. Die Kontrolle endete für ihn schließlich auf dem eisigen Boden neben seinem Fahrzeug liegend - ein dramatischer Verlauf, an dem Uwe Beer nicht ganz unschuldig ist.

Der Trödler erwies sich bei jener Kontrolle am vergangenen Donnerstag (28. Januar) im Grunde nur als Beifang des Corona-Kontrollwesens. Und die Ursache für diese Kontrolle setzte eine Episode, die sich bereits ein paar Tage vorher abgespielt hatte. "Von meinem in der Zittauer Vorstadt abgestellten Wartburg Pickup wollte ein Unbekannter das vordere Kennzeichen stehlen", erzählt er. Er erwischte den Täter auf frischer Tat. Der flüchtete - das Kennzeichen lag neben dem Auto. Weil man für die Neubefestigung des Kennzeichens die gesamte Stoßstange des Wartburg in einer Werkstatt abnehmen muss, legte er das Nummernschild provisorisch hinter die Windschutzscheibe - was so natürlich nicht zulässig ist.

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Kein Ausweis und keine Papiere dabei

"An dem Donnerstag war ich dann mit dem Wagen auf der Südstraße unterwegs und bin an der Friedensstraße nach links in Richtung Stadtring abgebogen", erzählt Beer. Genau an dieser Stelle stand eine Besatzung der Bereitschaftspolizei, der das Fehlen des Kennzeichens auffiel. Die Polizei nahm die Verfolgung auf und stoppte Beer am Stadtring. "Das kann ich ja auch nachvollziehen, dass die mich kontrollieren wollen, wenn ich da ohne Kennzeichen lang fahre", sagt er.

Nur mit dem konkreten Vorgehen der Beamten bei der Kontrolle ist er dann gar nicht mehr einverstanden. Die Beamten hätten ihn aufgefordert, den Motor abzustellen und das Auto zu verlassen. "Ich habe mich geweigert. Es war kalt, warum soll ich da den Motor abstellen und aussteigen", sagt Beer. Langsam ungemütlich wurde es, als er sich weder ausweisen, noch Führerschein und Fahrzeugpapiere vorweisen konnte. "Hatte ich daheim vergessen", sagt er. Er habe den Polizisten jedoch vorgeschlagen, einfach über das Kennzeichen eine Halterabfrage beim Zittauer Polizeirevier zu machen. "Da kennt mich jeder", sagt er - nicht weil er in dem Sinne polizeibekannt sei, sondern weil seine Familie die ehemalige Elektromotoren-Fabrik in der Zittauer Südstadt besitze, in die oft eingebrochen werde.

"Ich werde von vier Männern überfallen"

Die Kontrolle eskalierte, als die Polizisten Uwe Beer schließlich aus seinem Wagen zerrten und er auf dem Gehsteig neben seinem Fahrzeug zu liegen kam. Beer fertigte von dem Geschehen Bild- und Tonaufnahmen mit seinem Handy. Darauf ist auch zu hören, dass einer der Polizisten deeskalierend auf Beer einredet: "Was ist mit Ihnen los? Kommen Sie doch mal wieder runter", sagt der Beamte da. Auch zu hören: Ein Beamter teilt Beer mit, dass man ihn nun durchsuchen werde, und fragt, ob er irgendwelche Gegenstände in seinen Taschen habe. Beer antwortet: "Ja. Welche, müssen Sie schon selbst rausfinden."

Auf dem Boden liegend ruft Beer mit seinem Handy auch den Polizeinotruf an und erklärt dem Polizisten am anderen Ende der Leitung: "Das ist ein Notruf. Ich werde von vier Männern überfallen." Auch diesen Anruf hat Beer aufgezeichnet. Tatsächlich brachte dieser Anruf das Ende des Dramas. "Kurz später kam ein Polizist des Polizeireviers Zittau und hat gesagt: ,Herr Beer, was machen Sie denn?'", erzählt er. Er habe dann wieder in sein Auto steigen und ohne eine weitere Kontrolle weiter fahren dürfen.

Polizei verteidigt Vorgehen

Die Schilderungen von Uwe Beer stimmen inhaltlich damit überein, wie auch die Polizei selbst den Vorfall in der vergangenen Woche gemeldet hat. Beer ist allerdings davon überzeugt, dass die Polizei ihre Befugnisse überschritten hat und hat Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattet. "Die Beamten dürfen bei einer Verkehrskontrolle nicht in mein Auto eindringen und mich herauszerren", sagt er.

Eine Auffassung, der Polizei-Sprecher Sebastian Ulbrich von der Polizeidirektion Görlitz auf SZ-Anfrage widerspricht: "Wenn die Beamten eine Ordnungswidrigkeit festgestellt haben und eine Person die Feststellung der Personalien verweigert, ist die Polizei auch zur Anwendung von unmittelbarem Zwang berechtigt", erklärt er. Das könne etwa auch durch eine freiheitsentziehende Maßnahme geschehen, bei der man die Person zur Personalienfeststellung aufs Polizeirevier bringt. Freilich würden die Beamten bei der Abwägung der nötigen Maßnahmen immer den geringstmöglichen Eingriff gegen eine Person wählen.

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