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Sachsenstraße geht dem Ruin entgegen

Der Käufer des Zittauer Straßenzuges hat in fünf Jahren nur zwei Häuser notdürftig saniert - und schon das hat ihn scheinbar gehörig ins Schleudern gebracht.

Die seit fünf Jahren auf diesem Schild versprochene Renovierung der Zittauer Sachsenstraße ist bisher ein leeres Versprechen.
Die seit fünf Jahren auf diesem Schild versprochene Renovierung der Zittauer Sachsenstraße ist bisher ein leeres Versprechen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Papier ist geduldig. Werbeschilder auch. So verspricht eine Tafel eingangs der Zittauer Sachsenstraße seit nunmehr fünf Jahren die "Sanierung & Modernisierung" des denkmalgeschützten Straßenzuges. In Wahrheit schreitet der Verfall fort - und wie es aussieht, wird sich daran auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Denn mit der Zahlungsfähigkeit des Investors, der das ganze Ensemble 2015 von der stadteigenen Wohnbaugesellschaft Zittau (WBG) erworben hatte, scheint es nicht zum Besten bestellt.

Beinahe alle der 112 Wohnungen in den 20 Mehrfamilienhäusern stehen seit Jahren leer. Doch Roland Schopinska in der Sachsenstraße 39 wohnt tatsächlich mit neuestem Standard. Nun gut, von der Fassade bröckelt's wie an allen anderen Häusern hier auch. Aber das Treppenhaus ist frisch hergerichtet. Und Schopinska bekam ein modernes Bad und eine neue Küche eingebaut, neue Fußböden und auch eine moderne Gasheizung wurde installiert. Der Balkon nach hinten raus ist wenigstens vorbereitet. "Alle sechs Wohnungen hier im Haus wurden auf den neuesten Stand gebracht", erzählt er. Genießen tut er diese Schönheit allerdings weitgehend allein - außer ihm bewohnt nur noch eine Mietpartei die Nummer 39.

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Und die Sache hat noch einen Schönheitsfehler: Die Hausnummern 39 und die leer stehende 41 waren in den letzten Jahren die beiden einzigen Häuser des ganzen Straßenzuges, die eine solche Sanierung erfahren haben. Seit die Paderborner Firma "MM Immobilien GmbH" den Straßenzug im Mai 2015 mit dem großen Versprechen der Sanierung erworben hatte, ist weiter nichts passiert. Immerhin: Eine Pflicht aus dem Kaufvertrag dürfte der Investor damit erfüllt haben. Eine Klausel sah vor, mit der Sanierung innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf zu beginnen. Die Sanierung von wie vielen der Häuser? Davon ist in dem auch vom Vorbesitzer WBG geheim gehaltenen Vertrag möglicherweise nicht die Rede.  

Häuser stehen unter Zwangsverwaltung

Doch für diese eine nicht einmal vollständige Sanierungsmaßnahme - möglicherweise auch für den Gesamterwerb des Ensembles - benötigte die Paderborner Immobiliengesellschaft augenscheinlich einen Kredit, wie Papiere belegen, die Mieter Roland Schopinska SZ vorlegt. Demnach hatte die Firma bereits vor längerer Zeit die Mietzahlungen für die Hausnummern 39 und 41 zur Sicherheit an die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien abgetreten. Und neulich erhielt Schopinska die Mittteilung, dass das Haus nun unter Zwangsverwaltung stehe und er die Miete fortan auf ein anderes Konto zu zahlen habe.

Der Görlitzer Rechtsanwalt Frank Heinrich bestätigt den Vorgang auf SZ-Anfrage. Demnach wurde er auf Betreiben der Sparkasse im Februar 2020 vom Gericht zum Zwangsverwalter über die Häuser Nummer 39 und 41 bestellt. Doch die finanziellen Probleme scheinen alle Häuser an der Sachsenstraße zu betreffen. "Der ganze Straßenzug ist notleidend", sagt Heinrich, aber immerhin das von ihm zwangsverwaltete Doppelhaus betreffend: "Das Haus ist gesichert und versichert."

Die Mieteinnahmen der beiden Häuser würden an ihn als Zwangsverwalter fließen. Diese Kleinstbeträge würden allerdings kaum ausreichen, um auch nur die anfallenden Kosten für öffentliche Lasten zu begleichen. "Für den Kredit bleiben da vielleicht 2,50 Euro übrig", sagt er. Die Hausnummern 39 und 41 seien die einzigen, für die die Sparkasse nun ein Mietpfandrecht im Zuge der Zwangsverwaltung geltend mache. Allein kostenmäßig logisch - denn für leer stehende Häuser macht so ein Verfahren keinen Sinn.

Eigentümer rührt sich nicht

Offensichtlich befindet sich die Eigentümer-Gesellschaft, die Paderborner "MM Immobilien GmbH", nicht in Insolvenz. "Die Forderungen richten sich gegen die Gesellschaft, wäre diese insolvent, würden sich die Forderungen gegen einen Insolvenzverwalter richten", erklärt Rechtsanwalt Heinrich.

SZ hat einen umfangreichen Fragenkatalog zur Situation und dem geplanten Fortgang der Sanierung an der Sachsenstraße an die Paderborner Eigentümer-Firma geschickt. Deren Geschäftsführung hatte sogar bei einer Kontaktaufnahme zu SZ ausdrücklich um eine Email gebeten. Darauf hat die Geschäftsführung der "MM Immobilien GmbH" bisher nicht geantwortet.

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