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Mit Rüdiger Schaper endet eine Ära im Querxenland

Der 64-jährige Seifhennersdorfer hat ab 1980 erst das Pionierlager und bis jetzt das Kindererholungszentrum geleitet. Nicht immer war es leicht.

Von Holger Gutte
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Rüdiger Schaper neben einem Querx im Querxenland Seifhennersdorf. Nach 41 Jahren geht er jetzt in Ruhestand.
Rüdiger Schaper neben einem Querx im Querxenland Seifhennersdorf. Nach 41 Jahren geht er jetzt in Ruhestand. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

41 Jahre hat Rüdiger Schaper das Gesicht des Kindererholungszentrums (Kiez) Querxenland in Seifhennersdorf geprägt. Für ihn ist es quasi wie sein drittes Kind. Am 31. Dezember geht der Geschäftsführer in den Ruhestand.

Der 64-Jährige hat Kiez-Geschichte geschrieben und teilweise turbulente, aber meist schöne Zeiten erlebt. Am 1. Juni 1980 übernahm er die Leitung des damaligen Zentralen Pionierlagers. Zum Querxenland ist es erst nach der Wende geworden. "Aber wir haben damals schon mit der Figur des Querxs - dem Land der Kleinen - gearbeitet", erzählt er. Mittlerweile ist der Name Querxenland längst zu einer Marke geworden, eine wichtige Wirtschaftskraft in der Region und weit über die Oberlausitz hinaus bekannt.

Die Zeiten der 1980er Jahren sind mit denen von heute nicht vergleichbar. Aber egal unter welchen Voraussetzungen: Immer ging es in den vier Jahrzehnten um das Wohl der Kinder.

Als Rüdiger Schaper das Zepter des Pionierlagers übernahm, tummelten sich hier in den Sommermonaten jeweils 1.000 Kinder. Heute bietet das Querxenland von Mai bis September Übernachtungsmöglichkeiten für maximal 540 Kinder - und 288 davon ganzjährig an.

Zwölf DDR-Mark zahlten die Eltern zu DDR-Zeiten für einen 17-tägigen Aufenthalt im Pionierlager für ihr Kind. "Heute haben wir Paketpreise. Da liegt der Durchschnittspreis aktuell bei 45 Euro pro Übernachtung für ein Kind", schildert er.

Rüdiger Schaper erzählt vom schwierigen Neuanfang nach der Wende. Zu DDR-Zeiten gehörte das Pionierlager zum Waggonbau Bautzen. Doch in der Marktwirtschaft war so eine Freizeiteinrichtung für ein Unternehmen wirtschaftlich nicht tragbar. Vom Herbst 1989 bis Mai 1990 sind deshalb alle Mitarbeiter in Null-Stunden-Kurzarbeit gewesen. "Niemand wusste, ob und wie es weitergeht. Aber Gott sei dank hatten wir einen fähigen Berater aus den alten Bundesländern, der sich mit Bildungsstätten auskannte", erinnert sich der scheidende Kiez-Chef.

Jeden Tag gab es nach der Wende andere Hiobsbotschaften. Doch dann gelang es, am 1. Mai 1990 die Kindereinrichtung vom Waggonbau als Verein zu übernehmen. "Wir haben mit null D-Mark Startkapital anfangen", sagt er. Die Mitarbeiter waren alle über ABM-Maßnahmen eingestellt, da vielen zum Glück die Lohnkosten weg. Mit jeder Mark, die aus Übernachtungen eingenommen wurde, sind die laufenden Rechnungen bezahlt worden.

"Aber wir haben es geschafft", sagt Rüdiger Schaper. Und er ist stolz darauf, dass anfangs ins Ferienlager und später ins Kindererholungszentrum seit 1980 in jedem Jahr in die Einrichtung investiert worden ist. Bis heute entgeht das auch den vielen Stammkunden wie Schulen und Familien nicht.

50.000 Übernachten werden im Kiez mittlerweile im Schnitt jährlich gebucht. Zumindest war das vor der Corona-Pandemie so. Derzeit sind die 46 festangestellten Mitarbeiter alle in Kurzarbeit. Rüdiger Schaper ist überzeugt, dass sein Nachfolger Thomas Lehmann das Kiez durch die schwierige Zeit bringt. Der Neugersdorfer hat die Geschäftsführung 2021 bereits übernommen. Rüdiger Schaper hat ihn so gut es in der Pandemie ging und fern von jedem normalen Kiez-Betrieb eingearbeitet. Er steht seinem Nachfolger weiter beratend zur Seite.

Aber der Ex-Chef ist bereits aus seinem großen Arbeitszimmer aus- und in ein kleineres Büro umgezogen. Hier bleibt die Erfahrung des 64-jährigen Fast-Rentners dem Kiez erhalten. Als geringfügig Beschäftigter arbeitet er ab 2022 noch einen Tag in der Woche.

"Wenn ich die 41 Jahre zurückblicke, kann ich mich bei meinen ehemaligen und jetzigen Mitarbeitern sowie allen Partnern für die gute Zusammenarbeit nur bedanken", sagt er. Das ihn seine Kollegen schätzen, beweisen ihm die Abschiedsgeschenke, die er von den einzelnen Bereichen erhielt.

Den Gutschein für eine Caravan-Ausleihe will er im Urlaub einlösen. Auch über den Gutschein für eine Fahrt mit einem alten Tatra-Lkw freut er sich. Den Tatra 813 kennt er aus Armeezeiten und wollte ihn schon immer mal fahren. Und noch ein Abschiedsgeschenk war eine tolle Überraschung. Rüdiger Schaper sammelt echte erzgebirgische Handarbeit. Aber nicht die typischen Figuren und anderen Dinge aus Holz, sondern hölzerne Schneemänner, die eine Firma im Erzgebirge herstellt. 198 Motive hat er bereits. Das jüngste ist ein Unikat und zeigt einen Schneemann im Querxenland.

Langeweile wird Rüdiger Schaper im Ruhestand bestimmt nicht haben. So ganz ohne seinem Kiez kann er nicht leben. Ehrenamtlich arbeitet er weiterhin in den Vorständen des Querxenland-Vereins, des Landesverbandes und beim Seifhennersdorfer Sportverein mit.

Und eine von seinen beiden Töchtern hat schon angekündigt, dass er für seine Enkel nun öfters mal die Opa-Rolle übernehmen muss. Schmunzelnd gibt er zu, dass seine Frau zudem sicher schon eine To-do-Liste für ihn aufgestellt hat. Im Haus und Garten gibt es immer etwas zu tun.

Mehr Zeit will er sich aber auch für ein Hobby nehmen. "Ich will jetzt mehr Fahrrad-Touren machen", berichtet er. Auch im Seifhennersdorfer Sportverein können sie weiterhin auf Rüdiger Schaper zählen - nicht nur als Schatzmeister. Der 64-Jährige spielt noch aktiv Badminton. "Als Volkssport, aber es macht Spaß", sagt er.